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von Claus Schridde am Sonntag, 25.08.2024 um 18:32

Bundeschampionat Fahren: Spannend bis zur letzten Sekunde

Nach dem Härtetest am Samstag (36 Grad Celsius) verlief der Finalsonntag in Moritzburg mit angenehmen Temperaturen. Mit hin und wieder ein paar Regentropfen, aber doch insgesamt freundlich gingen die 23. Moritzburger Bundeschampionate besonders stimmungsvoll zu Ende.

Der Titel bei den sechs- und siebenjährigen Fahrponys ging mit einem Start-Ziel-Sieg an den gekörten bayerischen Haflingerhengst Arkenstein (v. Amore Mio-Noville M, Z.: Johann Sigl, Thurmansberg), gefahren Ludwig Weinmayr, der bekanntermaßen zur ersten Garde der deutschen Gespannfahrer zählt und sich einen komfortablen Vorsprung zu den weiteren Finalteilnehmern verschaffte. Der Richter Elimar Thunert im Kommentar: "Ein Pony mit sehr guter Perspektive für spätere, schwere Prüfungen!" Arkenstein war im Vorjahr Vize-Champion gewesen ist ab sofort, wie die Moderatorin der Championatstage, Brandenburg-Anhalts Zuchtleiterin Antje Lembke informierte, als DSP-Botschafter unterwegs: DSP Arkenstein ist künftig seine sportliche Identität.

Auch der zweite Platz ging an einen Haflinger, und zwar an die aus Rheinand-Pfalz-Saar stammende Salanda (v. Alando-Amsterdam), präsenntiert durch Eva Hofer. Dritter und auch Vierter wurde jeweils Wolfgang Scholz (Pfarrkirchen/Bay.) mit seinen Ponys Doc Morris (Westfale v. Dimension AT NRW-Valido) und Ekholts Dott-Com (Weser-Ems v. D-Power AT), von denen Letzterer bereits 2023 platzierter Finalist gewesen ist.

Bayerns Hermann ist Champion

Den 14. Titel eingefahren: Bettina Winkler und der DSP-Bayer Hermann  /  © Brit Placzek

Im Rahmen der Bundeschampionate der sechs- und siebenjährigen Fahrpferde gelang dem in Bayern gezogenen Hermann 91 (v. Hochmeister-Fürst Grandios-Linolando-Lagranno-Uriel de St.Lô-Gardeulan II-Artur-Wernitz, Hann. Stamm 894/Winzerlerche, Z.: Hermann Knörl, Weidenberg) ein Start-Ziel-Sieg. Souverän gewann der nach seinem Züchter benannte schwarzbraune, von Bettina Winkler gefahrene Wallach aus dem Besitz des Gestüts Bretmühle die Qualifikation der sechs- und siebenjährigen Fahrpferde. 8,33 lautete die Endnote in der Qualifikation, und damit setzte er sich mit fast einer Note Vorsprung vom übrigen Teilnehmerfeld ab. Im Finale verschaffte er sich einen deutlichen Vorsprung in der Dressur und konnte diesen im Gelände noch festigen. 

Interessanter Bezug zum Austragungsort: Der Vater des Hermann, der Hannoveraner Rapphengst Hochmeister, war langjähriger Landbeschäler in Moritzburg und steht heute an hippologisch bedeutender Stätte, nämlich im ostpreußischen Weedern.

Insgesamt konnte die Fahrerin Bettina Winkler bisher 14mal das Fahr-Bundeschampionat verschiedener Rassen und Altersklassen gewinnen.

Der zweite Platz ging an Lars Krüger mit der schwarzbraunen DSP-Stute Fenne Lily, abstammend von einstigen Weltmeister der jungen Dressurpferde, Don Martillo (M. v. French Kiss-Dornenkönig-Weltmeyer-Lanthan-Don Carlos-Bento/T., Hann. Stamm 1117/Juliushütte, Z.: Babett Bischoff, Bobritzsch). Das Paar hatte im Vorjahr das Bndeschampionat der Vier- und Fünfjährigen gewonnen und zeigte nunmehr im Geländefinale hohe Fahrkunst und rangierte in dieser Teilprüfung sogar noch vor dem späteren Champion Hermann.

Der dritte Rang ging an die Mecklenburger Rappstute Secret Ruby (v. Secret-Casaretto-Largos-Guam-Infant, Z.: Jörg Bluhm, Korswandt) mit Franziska Wüstenhagen. Das Finale komplettierte der braune Westfale Flexus (v. Fürst Feragon-Gardeulan I-Almé Z-Lavendel-Agram) mit Vernon Helmuth (USA).

Dritter Titel für Gucci FST

Im Klassement der sechs- und siebenjährigen Schweren Warmblüter steuerte Jessica Wächter (Aschaffenburg) die siebenjährige Braune Gucci FST (v. Lord Brown I-Gero-Centimo-Eros, Z.: Joachim Kunze, Altenbach) souverän zum dritten Titel. Sie war bereits vor drei Jahren Championesse der Vier- und Fünfjährigen, hat 2022 ein Hengstfohlen von Likoto xx geführt und nunmehr den Titel aus 2023 glanzvoll verteidigen können.

Bereits in der Dressur ging die Stute mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks; im Gelände gab es mehrere 9er Noten. Gucci offenbart in allen Gangarten viel Kraft und verfügt über enorme Möglichkeíten, Stellung und Biegung in den Mehrfachhindernissen waren jeweils beispielhaft. Nach dem Gewinn der Championatsschärpe bei den jüngeren Fahrponys nunmehr der zweite Titel für Jessica Wächter in Moritzburg 2024. Insgesamt at sie bisher zehnmal das Bundeschampionat gewinnen können. 

Zweiter wurde David Gille (Fahrergilde Barnim/Brdbg.) mit Carlo 520 (v. Capitano-Elbling), einen Hundertstel-Punkt vor  Bettina Winkler (Gestüt Bretmühle) mit Equus Maximus (v. Elgado-Epilog)  

Quaterback-Tochter siegt für Westfalen

Bundeschampionesse des Deutschen Fahrpferdes: Die Westfälin Quick Step Magic und ihr Züchter Dr. Hans Georg Röper  /  © Brit Placzek

Bein den vier- und fünfjährigen Fahrpferden ging der Sieg nach Westfalen: Dr. Hans Georg Röper (Anröchte, ZRFV. Mastholte) präsentierte die aus familieneigener Zucht stammende braune Stute Quick Step Magic (v. Quaterback-Sir Bedo-Rosenkavalier-Apart-Cyrus-Duellant-Grunelius, Hann. Stamm 157/Antipathie), deren Mutter Halbschwester zu den Warendorfer Landbeschälern Don Bedo I und II ist. Auch der Fremdfahrer Karl-Heinz Finkler zeigte sich voll des Lobes. "Sie war anfangs noch etwas schüchtern, aber sie ist ein Pferd, das alles richtig machen will, mit unerschütterlichem Takt. 8,9!"

Zweite wurde die charmante Hannoveraner Rappstute Fanny Fantastic (v. Fantastic-Don Cavallo-Sunlight xx-Wangenheim-Adlerfarn II-Ernö-Nerox, Hann. Stamm 729/Nereide bzw. Liebeslaube, Z.: Lina Howoldt, Drochtersen) mit ihrem Besitzer Andre Stiller auf dem Bock. Hier gab Karl-Heinz Finkler ein glattes sehr gut, 9,0.

Dritter war noch einmal der Sieger mit seinem zweiten Pferd, ebenfalls aus eigener Zucht stammend: Der Schimmel First Magic 5 (v. First Selection-Frühlingsbote-Royal Diamond-Sao Paulo-Gletscher, Hann. Stamm 824/Sibara). Platz vier ging an das NRW-Landgestüt Warendorf, nämlich Christian Koller und den Warendorfer Landbeschäler Dr. Pepper (v. Diamant de Casall-Bellini Royal-Cayetano L-Gralshüter-Frühlingsball-Gigant-Steinadler, Westf. Stamm 362, Z.: Petra Leusmann, Greven).

Wiederholungstäter Lancelo

Den Abschluss der Fahrchampionate bildet traditionell das Finale der vier- und fünfjährigen Schweren Warmblüter. Acht ausgesprochen qualitätsvolle Pferde hatten sich hier qualifiziert, ausnahmslos in professioneller Ausbildung. Die Hengste Cadett, Elbcapitän und Loriot stellten hier jeweils zwei Nachkommen. Mit je einem Nachkommen waren Tito Hedegaard und Vittaro Thekulies präsent. 

Es blieb buchstäblich spannend bis zur letzten Sekunde. Spontanen Szenenapplaus bei Fahrer und Testfahrer entfachte als letzter Starter der Qualifikationssieger und Titelverteidiger Lancelo (v. Loriot-Elbcapitän-Excellent-Valerius, Z.: ZG Walter jun. u. Bärbel Matzke, Zerbst), fünfjähriger Moritzburger Landbeschäler, seines Zeichens Sieger der SW-Körung Moritzburg 2021, und erneut nunmehr bei der Titelverteidigung präsentiert durch Phil Teifel. 

Jury-Mitglied Elimar Thunert und der Fremdfahrer Christian Koller war voll des Lobes: "Der Hengst hat sich sehr gut weiterentwickelt.: 10,0!" 

Vielbeschäftigter Gestüter

Lancelos Fahrer Phil Teifel war mit drei Moritzburger Landbeschälern ab den Leinen der meistbeschäftigte Fahrer des Wettbewerbs, steuerte Cäsar (v. Cadett-Elbling-Underberg-Eitel, Z. u. B.: Danilo Grabowsky, Kottmar), den Siegerhengst der SW-Körung 2022, auf Platz vier und Lord Landi (v. Loriot-Elbling) auf Rang acht.

Mit Tito de Saxe (v.Tito Hedegaard-Lombardino-Elixier-Elton Son, Z.: Ursula Heinemann, Magdeburg; Ausst.: Gestüt Noschkowitz Frank Weichold, Großweitzschen) war noch ein vierter Moritzburger Landbeschäler ins Finale vorgerückt, der gewissermaßen "ausgelagert" war und von Lars Krüger (RFV. Drebkau) auf Rang fünf gesteuert wurde. Lars Krüger stellte auch seine Stute Silberfee vor, Vollschwester des Körsiegers Elbstern, und landete auf Rang sechs.

Vize-Champion wurde Carlo 570 (v. Cadett-Galanthus af Alborgdal-Elbling-Eitel-Frohsinn-Fasan, Z.: Siegfried Grabowsky) und Jessica Wächter, die mit einer makellosen Vorstellung die Messlatte schon sehr hoch gelegt hatten.

Dritter wurde der vierjährige Wallach und Vittesko F (v. Vittaro Thekulies-Elbling-Valerius-Edelfalk) an den Leinen seiner Züchterin Marlen Fallak (Nägelstedt).

Kollers Kommentare

Als Fremdfahrer fungiert nun schon lange Jahre Obersattelmeister Christian Koller vom NRW-Landgestüt Warendorf, der dort in diesem Jahr sein 45. Dienstjubiläum feierte und dessen Kommentare in den Moritzburger Finalprüfungen traditionell einen hohen Unterhaltungswert haben, zumal er sich erfreulicherweise gerne in der obersten Phalanx der Notenskala bewegt. Launig nimmt er jeweils die Zuschauer mit, das seinen Kommentaren schon jeweils gespannt entgegenfiebert, und er lüpft im Vorbedefilieren an der Haupttribüne auch gern mal seine Melone, was das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißt. 

Dem Landbeschäler Lord Landi bescheinigte er einen ausgeprägten Arbeitswillen ("Ist doch immer schön, wenn Beamte arbeiten wollen, oder nicht?") Und bei dem Wallach Vittesko F, der über das "Kleine Finale" den Finaleinzug geschafft hatte: "Ich habe dieses Pferd seit Mittwoch beobachtet und unheimlich Spaß an diesem Pferd gehabt, auch wenn der Schritt vielleicht stärker sein könnte. Eine Freude, es hier am Sonntag nachmittag fahren zu dürfen. Ich habe mir wirklich Gedanken gemacht, war erst bei 9,5, aber ich gebe 10,0!"

Öffentlich wog er bei der Bewertung von Jessica Wächters Carlo im Vergleich zu Marlen Fallaks Vittesko F gegeneinander ab. "Ich weiß gar nicht, was ich machen soll. Ich liebe dieses Pferd. 10!" Damit hatten die drei Erstplatzierten jeweils die Maximalnote 10 erhalten.

 

Luft nach oben

Erwähnt werdem muss der Vollständigkeit halber auch die Siebtplatzierte, Bettina Winkler, die mit Emilia (v. Elbcapitän-Monarch) eine der ganz wenigen Füchse der SW-Population vorgestellt hat.

Insgesamt sollte das erstklassig organisierte Bundeschampionat der Fahrpferde in dem einzigartigen Moritzburger Ambiente noch mehr in den Blickpunkt der Pferdeleute rücken. Vor allem sind da noch etliche Teilnehmerkreise zu erschließen, es gibt sozusagen noch brachliegendes Potenzial: Die startberechtigten Ostfriesen/Alt-Oldenburger (OFAO) und auch die Alt-Württemberger suchte man vergeblich in den Starterlisten, ebenso hätten auch die Fahrabteilungen der Deutschen Landgestüte (so'n paar gibt es ja noch, Ironie aus!) hier eine tolle Bühne der Darstellung. Doch bis auf einen Vertreter aus Warendorf und die Lokalmatadoren aus Moritzburg war auch hier Fehlanzeige, mit viel Luft nach oben. Schade eigentlich.

Claus Schridde (Redaktion)

Zuchtexperte, Fachjournalist, Züchter und Pferdemann durch und durch, mit schier unendlichem hippologischem Fachwissen bereichert er jede ZÜCHTERFORUM-Ausgabe, auch als Richter und „Mikrofon-Stimme“ bestens in der Szene bekannt.

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