FN: Kandidatensuche wird zur Schlammschlacht
Die Suche nach einem neuen Präsidenten für den deutschen Reiterverband FN ist im Schlamm stecken geblieben. Zwischenstand: Ein verprellter potentieller Gegenkandidat, ein weiterer Rücktritt aus dem Präsidium und eine ratlose Findungskommission. Es ist ein Eklat. Wie es weitergeht, ist offen.
Sein Name war schon eine Weile gehandelt worden: Stefan Unterlandstättner, in Brandenburg lebender Bayer, lange Jahre Vorstandsvorsitzender der florierenden Deutschen Kreditbank AG (DKB), in dieser Funktion Manager des langjährigen DKB-Sponsorings für die FN (hauptsächlich der Bundeschampionate) sowie Pferdezüchter und Amateur-Springreiter bis zur höchsten Klasse. Gerade in Ruhestand getreten, mit 62 Jahren aber fit und jung genug, den gebeutelten Verband aus der Krise zu führen.
Holger Wulschner, Springreiter, Turnierveranstalter und im FN-Präsidium Vertreter der Aktiven, hatte Unterlandstättner in der Findungskommission ins Gespräch gebracht. „Er bringt wirklich alles mit, was man braucht“, argumentierte Wulschner. Andere Mitglieder der Findungskommission, darunter der Mannheimer Reiterpräsident Peter Hofmann, führten Gespräche mit dem Banker und ermunterten ihn zur Kandidatur. Auch der bislang einzige Kandidat, der Dressurexperte und Manager Martin Richenhagen, bekam davon Wind. Im Interview mit unserer Redaktion vergangene Woche, erklärte er auf die Frage, ob er einen Gegenkandidaten erwarte: „Das ist nicht auszuschließen.“ Da wurde die Personalie in Kreisen der entscheidenden Regionalverbände bereits diskutiert. Wie man hört, zeichnete sich sogar eine Mehrheit für den Wahl-Brandenburger ab.
Bis Anfang der Woche hatte sich Unterlandstättner eine Bewerbung vorstellen können. In der Schublade hatte er erste Sanierungspläne für den maroden Verband. Neben einer finanziellen und strukturellen Veränderung strebte er eine „eine kulturelle Veränderung“ an im Verhältnis der Reiter mit ihrem Verband. Als Turnierreiter und Züchter hat er seine eigenen Erfahrungen mit der FN gemacht.
Aber jetzt es ist schon wieder vorbei.
Stefan Unterlandstättner hat der Findungskommission am Mittwochabend mitgeteilt, dass er für eine Kandidatur nicht mehr zur Verfügung steht. Hintergrund ist eine geradezu bösartig geführte Kampagne gegen seine Person. Anfang der Woche wurde in Reiterkreisen ein Foto lanciert, das den Amateur-Springreiter auf seinem Schimmel Caruso im Parcours beim Turnier in Neustadt/Dosse im Parcours zeigt. Die Aufnahme stammt offenbar aus einem Clip My Horse-Video. Darauf wehrt sich das Pferd gegen die Hand. Das Foto ist unschön.
Wer sich allerdings den kompletten Ritt im Video anschaut, erkennt, was geschehen ist: Das Pferd kommt unpassend an den Aussprung der Kombination, der Reiter wendet daher davor ab, um eine gefährliche Situation zu vermeiden. Dabei kommt es für einen kurzen Moment zu der Handeinwirkung und den Widerstand. Dann stellt der Reiter wieder Ordnung her, lobt das Pferd, reitet erneut an, setzt den Parcours fort und reitet ohne Abwurf ins Ziel. „So eine Szene als Momentaufnahme“, ärgert sich Holger Wulschner, „kann ich, wenn ich es darauf anlege, aus jedem Ritt herausschneiden, selbst beim besten Stilisten der Welt“. Aber das Foto kursiert seit einigen Tagen, zieht immer weitere Kreise. Wer der erste Absender war, darüber gibt es im Moment nur Spekulationen. Mittlerweile liegt es auf zahllosen Handys. Die Methode, eine kurze Fotosequenz aus einem Video herauszuschneiden, gehört zu den Methoden von Tierschutzorganisationen wie PETA. Eigentlich sind sich die Reiter einig, dass solche Bilder nicht aussagekräftig und nicht seriös sind.
Wulschner hat am Mittwochabend das übrig gebliebene FN-Präsidium darüber informiert, dass er sein Amt mit sofortiger Wirkung niederlegt. „Das alles ist mir Herrn Unterlandstättner gegenüber sehr unangenehm, ich war es, der ihn ins Gespräch gebracht hat und ihn in diese Situation gebracht hat“, erklärt er. Und: „Jetzt hat die FN wirklich eine große Chance verpasst.“ Unterlandstättner selbst erklärte auf Anfrage: „Ich war wirklich sehr motiviert und hätte viel Engagement in die Aufgabe gelegt, wenn aber schon vor meiner Kandidatur eine Schlammschlacht beginnt, dann glaube ich nicht, dass ich ein konstruktives Umfeld finden würde, auf ein solches Niveau habe ich wirklich keine Lust.“ Spürbar konsterniert fügt er hinzu: „Das sind ja Methoden wie im US-Präsidentschaftswahlkampf.“
In der Findungskommission, so hört man, bedauert man den Rückzug Unterlandstättners. Die FN hat gestern verlauten lassen, dass weitere Kandidaten gesucht werden und man die Frist gegebenenfalls verlängern werde. Im Moment liegt nur Martin Richenhagens Hut im Ring. In Reiterkreisen fällt mittlerweile immer öfter auch der Name des Dressurreiters und Münsteraner Rechtsanwalts Michael Klimke.
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