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von Roland Kern am Mittwoch, 07.08.2024 um 18:42

„Die Süddeutschen werden benachteiligt“

Die Schweizer Sponsoren Simone und Peter Aregger stehen hinter den Erfolgen des südbadischen Weltklasse-Reiters Hans-Dieter Dreher – Von der deutschen FN sind sie enttäuscht

v.l. Top-Gespann: Hansi Dreher, Marion Dreher, Simone Aregger, Peter Aregger  /  © Roger Müller

Donaueschingen Immenhöfe. Ein VIP-Tisch im Sponsorenzelt mit Blick auf den Parcours. Simone und Peter Aregger sitzen dort mit Marion Dreher, Hans-Dieter Drehers Frau. Sie unterhalten sich gut gelaunt. Peter Aregger ist gerade ein sehr zufriedener Mann. Im Amateur-Springen über 1.40 Meter, an dem er auf seinem Nadal Z teilgenommen hat, war er fehlerfrei. Hansi war zufrieden. Hansi Dreher ist für Peter Aregger sehr viel in einer Person: Trainer, Freund, Ansprechpartner in allen Lebenslagen, bester Reiter der Welt, Vertrauensperson, Angestellter seiner Firma, der SIPE Handels AG – ihr gehören Drehers Toppferde und noch ein paar mehr. Und das schon seit einigen Jahren.

Peter Aregger, wie kam die Zusammenarbeit mit Hansi Dreher zustande?

Aregger: Hm, das kam so irgendwie in mehreren Phasen. Wir kennen uns von Turnieren natürlich schon lange. Früher hatte ich Pferde bei Pius Schwizer. Es war schon 2008, da kauften Hansi und ich mal ein Pferd zusammen, damit Hansi es ausbildet, um es zu verkaufen. Das lief gut. Die Stute Canberra wurde in die USA verkauft, das war kein schlechtes Geschäft. Dann haben sich unsere Wege wieder getrennt. Erst etwa zehn Jahre später habe ich ihm wieder Pferde zur Verfügung gestellt: Belcanto, Vivaldi, Cachacco Blue.  Ich fand, dass er ein klasse Mensch und ein sagenhafter Reiter ist.

Seit 2019 sind Sie der alleinige Besitzer seiner Toppferde, wie kam das?

Aregger: Ich hatte ja schon ein paar Pferde in seinem Beritt, die meisten gehörten aber meinem Landsmann Roland Zanotelli. Wir verstehen uns gut. So ist die Idee entstanden, eine gemeinsame Firma zu gründen, um die besten Pferde für Hansi zu bekommen. Das war zunächst die DAZ-Horses AG. Das D stand für Dreher, das A für Aregger, das Z für Zanotelli. Das war auch zu der Zeit, als mein Freund Hans Brändlin erklärte, dass es an der Zeit sei, seinen Ziehsohn Hansi Dreher mehr loszulassen. Dann, im Oktober 2019, machte Zanotelli mir das Angebot, die ganze Ross‘ zu übernehmen. Dann ist aus der DAZ-Horses die SIPE Handels AG geworden.

Da waren die Pferde schon Millionen wert, war das nicht ein kompliziertes Vertragsverhältnis?

Aregger: Wir haben uns in einem Schweizer Gasthof getroffen und unsere Vereinbarung auf einer Papierserviette unterschrieben. Aber dann ging es richtig los.

Peter Aregger und seine Frau Simone sind Unternehmer und Pferdeleute seit ihrer Kindheit. Sie ist früher Pferderennen geritten, auch in Deutschland. Im Raum Zürich betreiben sie zwei Elektrofirmen in der Baubranche, die Aregger Elektro Urdorf AG. Sie sind beide im Unternehmen, Simone Aregger ist für Finanzen und Controlling zuständig. Sie gelten aber auch beide als bodenständig und zupackend.

Was war ihr Ziel?

Aregger: Es war unser Ziel, dass Hansi in die Weltspitze reitet, weil er es einfach verdient hat.

In der SIPE AG sind Sie der Geldgeber, verstehen Sie sich eigentlich als Investor, Sponsor oder Mäzen?

Aregger: Von allem etwas. Hansis Erfolg ist auch unser Erfolg. Wir kämpfen für die gemeinsame Sache. Alle unsere Pferde sind in seinem Training besser geworden. Natürlich streben wir am Ende mit der SIPE Handels AG eine schwarze Null im finanziellen Ergebnis an, auch wenn das schwer ist. Vom Grunde her betreiben wir das schon wie eine Firma. Aber wir sehen uns und Drehers auch als eine vergrößerte Familie. Das bedeutet uns viel. Wir sind ja fast auf jedem Turnier dabei. Wir machen das aus Freundschaft und Sympathie zu Hansi und seiner Familie. Er ist einfach ein guter Mensch, der sich für nichts zu schade ist. Wir sind Freunde geworden. Wir reden untereinander mehr als mit unseren Ehefrauen (lacht).

Die Areggers besitzen mehr als 20 Pferde, einige davon gehen aber auch auf die Rentnerkoppel. Etwa zehn Pferde stehen bei Hansi Dreher auf dem Grenzland-Gestüt in Eimeldingen, aktuell neun bei Michael und Steffi Herhalt in Herbolzheim. Dort werden die jungen Pferde angeritten. Jene, die internationales Niveau gehen können, wechseln später ins Grenzland.

Wie steht es mit Ihrer eigenen Karriere im Springsattel?

Aregger: Ich bin sehr zufrieden. Dafür dass ich nie trainiere.

Wie, Sie trainieren nie?

Aregger: Nein, auch mein Pferd für die Amateurtour steht bei Hansi und wird dort trainiert. Hansi bringt ihn mit aufs Turnier. Ich setze mich dort aufs Pferd, Hansi lässt mich nie aus den Augen. Das klappt dann irgendwie. Ich will das auch nicht ändern. Es funktioniert ja. Ich habe ja einige Jahre gar nicht geritten. Früher habe ich viel trainiert, aber so gut wie jetzt hat es nie geklappt.

Auf den Immenhöfen gehörte Peter Aregger zu den erfolgreichsten Reitern der Amateur-Tour, mit Platzierungen in 1.40 Meter-Springen im Sattel von Nadal Z, der früher unter Hansi Dreher erfolgreich war.

Aregger: Hansi empfiehlt mir immer das richtige Pferd. Ich vertraue im blind.

Das müssen Sie auch, was Ihre besonders wertvollen Pferde angeht. Sie wohnen in der Schweiz, Ihre Pferde stehen auf dem Grenzland-Gestüt. Sie geben diese Pferde komplett aus der Hand. Haben Sie dabei ein gutes Gefühl

Aregger:  Aber ja! Wir haben größtes Vertrauen in das ganze System und in die Menschen. Marion managt den Stall topprofessionell, Stefan als Pfleger ist spitze. Bereiterin Natascha kümmert sich um die Pferde, wenn wir auf Turnier sind, und Hansi ist der Chef.

Vertrauen ist gut, aber einige Ihrer Pferde sind Millionen wert? Ist das irgendwie rechtlich abgesichert?

Aregger: Sowohl Hansi als auch Marion und Bereiterin Natascha sind bei uns mit einem Angestelltenvertrag beschäftigt. Es gibt eine einfache Vereinbarung über die Gewinngelder. Das wars dann auch. Vertrauen ist die Basis unserer Firma.

Wie suchen Sie eigentlich Ihre Toppferde aus?

Aregger: Wir arbeiten da schon lange mit Gian-Battista Lutta zusammen, er ist für uns eine Art Scout und ein sehr guter Partner. Hansi und ich sind uns bei der Beurteilung der Pferde fast immer einig.

Kommen wir zu einem heiklen Thema: Hansi, das deutsche Team und Olympia. Wie enttäuscht waren Sie, dass es mit einem Teamplatz nicht geklappt hat?

Gar keine Frage, sehr enttäuscht. Wir hatten alles auf diese Karte gesetzt. Das war mit Otto Becker alles besprochen.

Wie ist das aus Ihrer Sicht gelaufen?

Zunächst möchte ich vorausschicken: Am Ende war unser Pferd Elysium nicht fit und wir sind wirklich die letzten, die dies nicht akzeptieren. Das Wohl der Pferde geht immer vor. Aber der Teamplatz war vorher schon weg und diese Vorgeschichte kränkt uns immer noch.

Wie lief das?

Nachdem klar war, dass der Nationenpreis von St. Gallen ausfällt, gab es die Abmachung, dass Rotterdam die entscheidende Sichtung sein sollte. Auf dem Weg dorthin sollte Hansi in La Baule reiten. Aber Otto Becker hat klar gesagt, dass dies nur zu Trainingszwecken ist. Fehler dort seien nicht relevant, hieß es. Aber dann hatten Hansi und Elysium in La Baule Fehler. Daraufhin ersetzte der Bundestrainer für Rotterdam gleich Hansi durch Markus Ehning. Das war gegen alle Absprachen und nicht korrekt. Das war ein abgekartetes Spiel. Wir sind durchaus gekränkt. Und ich lass‘ es mir nicht nehmen: Die süddeutschen Reiter sind im deutschen Springsport benachteiligt.

Sie sind als Schweizer Sponsor eines deutschen Reiters, sind da die Schweizer nicht neidisch und wollen Sie abwerben?

Aregger (lacht): Ja doch, das kommt schon mal vor, zumal der Schweizer FN-Präsident ein guter Freund von mir ist. Aber wie schon gesagt, es geht mir ja vor allem um den Menschen Hansi Dreher, nicht um eine Nation.

Anders gefragt, die Drehers wohnen nur einen Katzensprung von der schweizerischen Grenze entfernt. Es wäre ein Leichtes für Hansi Dreher, für die Schweiz zu starten. War das nie ein Thema?

Aregger: Doch, natürlich. Vor zwei Jahren haben wir das sogar sehr intensiv besprochen, Aber ich habe Hansi die Entscheidung überlassen. Jetzt ist das Thema für uns durch.

Hansi Dreher ist jetzt 52 Jahre alt. Er sagt immer, er will reiten, bis er 60 ist …..

Aregger: ….. oder auch länger, wenn es die Gesundheit zulässt.

Und wenn er aufhört, was machen Sie dann?

Aregger: Dann hören wir auch auf.

 

 

Roland Kern (Redaktion)

Der Ruhepol der Redaktion, der im Notfall immer noch eine Lösung parat hat. Die Stimme (The Voice) von Reiterjournal-TV, hat selbst Pferde bis zur Klasse S ausgebildet und kennt keinen Feierabend.

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