Herzschlag-Finale im BW-Bank-Springen
Es war ein Stechen nach Phil Schmauder-Art: Weniger als eine halbe Sekunde trennten den Sieger von den nächsten Platzierten, die Entscheidung fiel beim letzten Ritt und auf den letzten Metern. Das BW-Bank-Springen beim „Fest der Pferde“ auf den Immenhöfen am Samstagabend war ein Krimi – aber auch ein hippologischer Leckerbissen.
Und es galt wieder einmal die Regel, bevor Hansi Dreher nicht im Ziel ist, sollte keiner die Rechnung machen. So war es auch diesmal in der dritten von vier Qualifikationen zum BW-Bank-Cup, dem Stechen des 1.45 Meter-Springens vor vollem Haus. Bis dato hatte Andy Witzemann geführt, der zweifache Hallenchampion. Sein jetzt 15-jähriger Cassadero ist unverwüstlich, wirkt frisch und motiviert. Sieben Paare hatten das Stechen erreicht, das wie eine große Schlangenlinien-Tour über den großen Platz gebaut ist. Es kommt auf enge Wendungen und den Mut (und die Erfahrung) an, Sprünge schräg anreiten zu können, um im Fluss zu bleiben. Dafür ist der Winterlinger ein Spezialist.Die Uhr bleibt bei 35,59 Sekunden stehen. Viele halten diese Zeit für unschlagbar.
Einige andere Reiter versuchen erst gar nicht, das Höllentempo Witzemanns einzuholen. Erst wieder Alexander Schill aus Ichenheim auf der mächtig galoppierenden Franzosenstute Chelsea Gravelotte. Es wird haarscharf knapp: 35.91 Sekunden. Das schafft keiner? Aber doch.
Hans-Dieter Dreher reitet cool wie immer die zarte holländische Stute Jiniki in die Bahn, zehn Jahre alt, schon international platziert. Er verschenkt in den Wendungen keinen Milllimeter, nimmt – was Witzemann einmal kurz getan hat – auf der Galoppstrecke vor dem letzten Sprung, einem Oxer mit gefährlich unauffälligen schwarzen Planken, nicht mehr auf. Kaum zu glauben: Die Zeit reicht, es sind 35,50 Sekunden geworden; fünf Hundertstel schneller!
Sechs Sekunden ist der Vorsprung der rasenden Drei aufs weitere Feld, das von Sascha Braun und seiner wuchtigen Stute Emmylou Balou Z angeführt wird. Der Wieder-Badener Thomas Grimm belegt auf dem kapitalen Diamant Radiant Z Rang vier vor dem beständigen Winnender Sebastian Heller und der österreichischen Championatsreiterin Alessi Reich mit Anyway van het Kerviijnhof. Das sind die wichtigen Punkte fürs Finale.
Die beiden Alt-Meister Rossen Raytchev mit Verdi und der Italo-Schwabe Rudolf Arnold mit Catoo Royal bleiben ohne Springfehler, verpassen aber das Stechen mit einem Zeitfehler. Aber sie bewahren sich ihre Chance auf das begehrte Stuttgarter Finale. Riesenjubel beim Grabener Amateur Christian Geißert, der mit einem Abwurf im Sattel seines Quintop als elfter in der Platzierung Punkte im Klassement sammelt und sich – wie es heute aussieht – seinen Lebenstraum Schleyer-Halle erfüllen kann.
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