Deutsche Meisterschaften: Das letzte fehlende Quäntchen Glück
Die Deutschen Meisterschaften der Dressurreiter beim Longines Balve Optimum sind beendet. Zum Abschluss erstrahlten Jessica von Bredow-Werndl und TSF Dalera BB noch einmal golden und erhielten ein wahrlich besonderes Ticket. Im Parcours besaßen die Reiter aus dem Ländle nicht das letzte Quäntchen Glück
In der Grand Prix Kür zeigte sich erneut eine Dominanz des deutschen, gar Welt-Spitzenpaars, Jessica von Bredow-Werndl und TSF Dalera BB. „Ich hatte noch nie so ein Gefühl gehabt wie heute. Mir sind sofort die Tränen gekommen. Das war glaube ich die beste Kür, die wir je gezeigt haben“, beschrieb Jessica von Bredow-Werndl mit brüchiger Stimme und fügte hinzu:„Dalera gibt einfach immer alles und noch viel mehr“. Eine Überraschung gab es in der heutigen „Gold-Kür“ noch oben drauf: Denn Jessica von Bredow-Werndl hatte die Linienführung der Kür leicht verändert und die Choreogaphie an die Abfolge ihrer La La La-Goldkür der Olympischen Spiele in Tokio angelehnt. Ein gute Entscheidung, neben höchster Schwierigkeit passiert so noch mehr in der Kür. Die Musik zu den Klängen von Edith Piaf und mit klarem Paris-Bezug bleibt unverändert. Aber nicht nur die Choreographie wusste heute natürlich zu überzeugen. Nein, die 17-jährige Stute zeigte sich heute frisch motiviert, fehlerfrei und noch einmal eine Schippe besser als an den Vortagen. Gleich zum Auftakt begannen die beiden mit ausdrucksvollen Passagen sowie im Vergleich zu den Vortagen noch aktiver abfußenden Piaffen. Die Piaff-Passage-Übergänge sind sowieso ein Highlight. Auch die Galopptour war mit einigen Highlights wie gelungenen Einer- und Zweierwechseln auf gebogener Linie sowie gut zentrierten Galopppirouetten gespickt. Es war ein echter Dressur-Genuss der besonderen Extraklasse und auch Chefrichterin Katrina Wüst unterstrich diesen Eindruck: „Ich habe sie in Tokio gerichtet, aber sie war heute noch besser als in Tokio. Ihre Kür ist toll. Es ist die Choreographie von Tokio mit der Musik für Paris – wenn sie die Kür in Paris so reitet wie heute ist sie für mich eine klare Anwärterin für die Goldmedaille“. In Summe zierten 89,6 Prozent die Anzeigetafel, was den Sieg und auch den siebten Deutschen Meistertitel für Jessica von Bredow-Werndl bedeutete. Road to Paris hat also begonnen – Ja, im wahrsten Sinne des Wortes so richtig. Denn Jessica von Bredow-Werndl und TSF Dalera BB sind für die Olympischen Spiele schon jetzt gesetzt und müssen bei der zweiten Sichtung beim CHIO Aachen nicht mehr starten. So etwas gab es zuvor in der Dressursportgeschichte noch nie! Auch Jessica von Bredow-Werndl zeigte sich sichtlich ergriffen: „Wenn ich es aus der Ego-Sicht betrachten würde, wäre ich natürlich scharf auf Aachen und würde denken: Da könnte ich nochn mal auf diese schöne Tafel kommen. Wer weiß, ob mir das noch mal gelingen kann und wer weiß, wann? Aber aus der sportlichen Perspektive und auch im Sinne von Dalera ist es perfekt. Sie kann dann in ihrem sechs Wochen Rhythmus bleiben, wird jetzt wieder runtergefahren und in Ruhe für Paris wieder hoch.“ Paris, Bayern kommt oder wie es Jessica von Bredow-Werndl erläuterte: „Wir sind ready!“
Hinter Jessica von Bredow-Werndl zeigte sich heute das gleiche Bild, wie auch schon in der Medaillenentscheidung des Specials. Denn auch heute schnappte sich Frederic Wandres die Silbermedaille, wobei er in der heutigen Kür auf seinen Fuchswallach Duke of Britain setzte. Auch der ebenfalls 17-jährige Wallach zeigte sich wie Dalera hochmotiviert, überzeugte mit einer super gleichmäßigen und engagierten Kür und gab für seinen Freddie einfach einmal mehr alles. Gut gesetzte Piaffen, sichere Einer- und Zweierwechsel, gleichmäßige Passagen führten zu einem Ergebnis von 83,4 Prozent. Eine Art Comeback feierten Sönke Rothenberger und Fendi und sicherten sich mit 81,1 Prozent die Bronzemedaille. Dabei zeigten sich erneut hoch abfußende Passagen, auch die Piaffen gelangen besser als an den Vortagen und im Galopp zeigten sich gute Galopppirouetten sowie sichere Einer- und Zweierwechsel. Apropos Serienwechsel, ja Einerwechsel – Ingrid Klimke und Franziskus wurden heute in den Einerwechsel vom Fehlerteufel begleitet, wodurch sie das Podest knapp verpassten und auf Platz vier landeten.
Patrick Stühlmeyer und Drako de Maugre heißen die neuen Deutschen Meister im Parcours
Nach einem starken Einstieg in die Deutschen Meisterschaften verfügten Günter Treiber mit Cassis, Richard Vogel mit Cydello und Armin jun Schäfer mit Costa Brava am Finaltag nicht über das letzte Glück. Sowohl im ersten als auch zweiten Umlauf wollten einfach nicht alle Stangen liegen bleiben. Nach Platz drei am ersten Tag war bei Günter Treiber und seinem Cassis heute irgendwie der Wurm drin. Im herausfordernden Parcours des ersten Umlaufs fielen gleich drei Stangen. Das warf den Nordbadener natürlich weit zurück, weshalb er auf einen Start im zweiten Umlauf verzichtete. Auch der Seriensieger der letzten Wochen Richard Vogel kassierte mit Cydello gleich im ersten Umlauf einen Abwurf und beendete den Parcours mit einer Stange. Auch er verzichtete auf einen Start im zweiten Umlauf. Richtig ärgerlich wurde es bei Armin jun. Schäfer, der im Sattel seines gewaltig springenden Wallachs Costa Brava zwei bärenstarke Runden zeigte. Doch auch er kassierte jeweils einen leichten Fehler. Dennoch: Schäfer beendete die Deutschen Meisterschaften auf einem guten 13. Platz und schnappte sich auch im heutigen Springen über 1,55 Meter eine Platzierung. Neuer Deutscher Meister wurde Patrick Stühlmeyer mit Drako de Maugre. Er behielt als einziger Reiter über alle Runden hinweg eine weiße Weste. Schöne Erfolge gab es in den weiteren Springprüfungen auch für Tina Deuerer, Richard Vogel, Lea Sophia Gut und Lisa Schill-Huber. Die beiden Ersteren mischten im gestrigen Championat von Balve gewaltig vorne mit. So blieben sowohl Tina Deuerer und ihr sympatischer Perry KHR als auch Richard Vogel mit Adje im Umlauf abwurffrei. Im Stechen brillierte Vogel dann einmal mehr mit einer seiner Stärken, richtig schnell reiten. Er pilotierte seine zehnjährige Stute in einer Zeit von 33,59 Sekunden durch den Stechparcours. Diese Zeit konnte schlussendlich nur noch Felix Haßmann mit Caspian GD (33,30 Sekunden) toppen. Tina Deuerer und Perry folgten mit einer Zeit von 37,33 Sekunden auf Platz neun. Lisa Schill-Huber schnappte sich in der Amateurtour mit ihrem Erfolgspartner Chimney Sweep Platzierungen. Im abschließenden Springen über 1,40 Meter reihte sie sich auf Platz drei ein. Ein bärenstarker Erfolg gelang auch Lea Sophia Gut mit ihrer Canturia. Die junge Dame sprach im Kampf um den Sieg im U25-Springpokal ein gewaltiges Wörtchen mit. So behielten nur Hannes Ahlmann mit Tokyo und Gut sowohl im Umlauf als auch im Stechen eine weiße Weste. Im Stechparcours galoppierte Ahlmann Gut dann jedoch davon. Bei Hannes Ahlmann stoppte die Zeit bei 42,69 Sekunden. Lea Sophia Gut und ihre Canturia folgten mit einer Zeit von 44,38 Sekunden auf Platz zwei.
Doppel-Gold für Semmieke Rothenberger
Bei den U25-Reitern hatte Semmieke Rothenberger mit ihren ganzgewaltigen Farrington sowohl im Grand Prix als auch in der Grand Prix Kür die Nase vorn. In der heutigen Kür knackte sie als einzige Reiterin die magische 80-Prozentmarke und setzte sich mit 80,6 Prozent gegen Helen Erbe mit Carlos FRH (78,9 Prozent) und Luca Sophia Collin mit Ferrero (75,1 Prozent) durch. Nachdem Moritz Treffinger an den ersten Tagen vom Fehlerteufel begleitet wurde, reihte er sich zum Abschluss mit Cadeau Noir auf Platz fünf ein (74,4 Prozent)
Erfolgreiche Para-Premiere
Ein schöner Schritt in Richtung Inklusion und so fanden in diesem Jahr die Deutschen Meisterschaften der Para-Dressurreiter neben den Deutschen Meisterschaften der Regelsport-Reiter ebenso in Balve statt. In den Grade I bis III setzte sich Heidemarie Dresing mit Horse24 Dooloop an allen Tagen überlegen an die Spitze und sicherte sich so auch Gold vor Martina Benzinger mit Nautika und Steffen Zeibig mit Patamon. In den Grades IV und V wurde es zum Abschluss noch einmal etwas spannender. So schnappte sich Isabell Nowak mit Siracusa zum Abschluss den Sieg in der Kür (76,4 Prozent) und schob sich so in der Meisterschaftswertung noch an Regine Mispelkamp mit Highlander Delights (73,6 Prozent) vorbei. Gold ging an Anna-Lena Niehues mit Quimbaya (76 Prozent), die mit ihren beiden Siegen der ersten Tage sowie Platz zwei aus der Kür ausreichend Vorsprung hatte. Nach etlichen Pech- und Spannungsmomenten in den ersten beiden Prüfungen fanden Noah Kuhlmann und sein Staatslegende am Finaltag wieder zur gewohnten Form zurück und brillierten in ihrer Lieblingsdisziplin, der Kür. Der Lohn war ein bärenstarker dritter Platz. Dabei verwies er mit 74,2 Prozent sogar die mehrfache Medaillengewinnerin Regine Mispelkamp mit Highlander Delight’s auf den vierten Platz. In der Meisterschaftswertung wurde es für den Reiter vom Bodensee schlussendlich Platz vier.
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