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von Roland Kern am Samstag, 01.06.2024 um 14:02

Karl Meid – Schmied und Pferdemann

Er war ein Karlsruher Urgestein, als Hufschmied ein Kämpfer für sein Handwerk, ein Schaffer und ein Pferdemann durch und durch. Und er war zäh: Karl Meid ist vor wenigen Tagen wenige Wochen vor seinem 91. Geburtstag verstorben. Vielen Reitern aus Baden-Württemberg wird er unvergessen bleiben.

Gearbeitet, hart körperlich wie es sein Job eben verlangt, hat er bis weit nach seinem 70. Geburtstag. Weil er es wollte, und weil es sein Leben war. Lederschürze, die Ärmel des karierten Hemdes nach oben gekrempelt, drahtig und hart im Nehmen: das war Karl Meid, der sich früher als andere auf moderne Sportpferde einstellte und das lebte, was die Engländer schon früher wussten: „No foot, no horse.“ Ohne einen optimalen Beschlag keine sportliche Leistung.

Meid wusste das, weil er mit Pferden großgeworden war im Karlsruher Stadtteil Durlach, wo er als junger Mann schon Mitglied im Reiterverein wurde und erste Turniere bestritt, eine zeitlang sogar Pferderennen; das Gewicht passte. Die Pferde standen immer in der Scheune hinterm Haus, rund ein Dutzend Springpferde hat er selbst gezüchtet. Das Holsteiner Blut lag ihm am meisten; am liebsten mochte er die C-Linie. Meid war auch Stammgast bei den Körungen in Neumünster. Am Wochenende ritt er selbst erfolgreich A- und L-Springen, meistens auf Sieg.

Als andere in seinem Alter Rentner wurden, drehte er aber auch sportlich nochmal auf, reiste international mit den Veteran Jumping Riders durch Europa, meistens an der Seite seines guten Freundes und Wegbegleiters Helmut Schwander, der das organisierte. In La Baule siegte er mit Soho im Großen Preis der VJR-Klasse.

Karl Meid war ein Hufschmied mit Herzblut. Im Alter von 17 Jahren hat er das Handwerk bei seinem Onkel Karlfriedrich gelernt, dessen Vater wiederum schon Hofschmied am Badischen Fürstenhaus war. Bis Ende der 90er-Jahre fuhr er – meistens mit seinem Gesellen Thomas Hasche – die führenden Turnierställe Badens an. Im Raum Karlsruhe war er das, was Karl Schanz in der Stuttgarter Region war: Mehr als ein Schmied, ein Berater und Pferdekenner.

Um seinen Berufsstand hat er sich historische Verdienste erworben, als er Ende der 90er-Jahre durchsetzte, dass der Hufbeschlagsschmied als Lehrberuf anerkannt wird. Da hat er Spuren gezogen für weitere Generationen. Die Reiterei im Land hat eine echten Typen verloren, ein Original. Sie werden leider weniger.

Karl Meid, wie er leibt und lebte!  /  © privat

Roland Kern (Redaktion)

Der Ruhepol der Redaktion, der im Notfall immer noch eine Lösung parat hat. Die Stimme (The Voice) von Reiterjournal-TV, hat selbst Pferde bis zur Klasse S ausgebildet und kennt keinen Feierabend.

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