Forst rollt den Teppich aus
So stellt man sich engagierte ehrenamtliche Turnierveranstalter vor: wie in Forst bei Bruchsal. Jetzt ist der Sport wieder zurück auf den herrlichen grünen Rasen. Nicki Leckebusch und Peter Döffinger sind die ersten Sieger.
Andere hätten aufgegeben nach dem Starkregen vor Pfingsten. Einige taten es auch. Aber Aufgeben war für Thomas Laier und seine Tochter Sina beim traditionellen Pfingstturnier in Forst bei Bruchsal keine Option. Die Reiter waren angereist, in Forst sind das immer ganze Trupps aus dem Rheinland und der Pfalz. Und sie wurden empfangen. Thomas und Sina Laier, die seit zwei Jahren das Turnier in Forst leiten, stammen ja aus der Stallzeltbetreuung. Das ist ihr Metier. So entschieden sie kurzerhand, dass die Reiter für die Unterkünfte ihrer vierbeinigen Sportpartner jede Menge Späne und Stroh bekommen sollten, um alles abzutrocknen – kostenlos versteht sich.
So geht man in Forst eben mit Reitern um. Bis der große Regen nachließ, siedelte man die Prüfungen auf den erfreulich großen und mit Sand angelegten Abreiteplatz um, abgeritten werden konnte in der Halle. Am Samstagmittag, 16 Uhr, die Sonne schien, ein leichtes Lüftchen wehte über das Stadion, zog der Sport wieder um auf den großen Rasenplatz; das Geläuf war perfekt.
Am Sonntagabend freuen sich die Forster auf das Barriere-Springen; dazu haben sie extra ein neues Flutlicht installiert, das nun den ganzen Platz ausleuchtet. Die drei Lampen in der Mitte sind stehengeblieben in memoriam an das frühere Sb-Springen, das den Sonntagabend prägte. Aber so sind sie eben in Forst: Sie pflegen Traditionen, sind aber offen für Neues. Mit einer attraktiven Ausschreibung trotzen sie in diesem Jahr der großen Konkurrenz aus Winterlingen. Außerdem bürgt keine Geringere als Christa Jung für die Qualität der Springbahnen.
Zum Sport nach dem ersten Tag. Der Sindelfinger Amateur Peter Döffinger gab mit seiner eleganten Württemberger Stute Shanuc aus der Zucht der Familie Gäckle in Bad Liebenzell wieder einmal ein sehr gutes Bild ab. Der 35-jährige Entwicklungsingenieur gehört dieses Jahr sicher zu den Aspiranten auf den Amateurtitel. Döffinger siegte im ersten Forster S-Springen (noch auf Sand) vor Manuel Feige aus Singen auf Kanuma aus eigener Zucht vom familieneigenen Reiterhof im Süden des Landes, und Stefan Pagenkopf aus Rotensol auf Diacontendra.
„Nicki“ Leckebusch plant in die Zukunft
Viel vorgenommen hat sich der 24-jährige Schwarzwald-Kanadier Nikolaus Leckebusch für dieses Jahr. In Forst schlug er mit einem S-Sieg im Sattel seiner neunjährigen Zangersheide-Stute Excentrique schon mal die Richtung ein. Als einziger Starter schaffte er zwei Nullrunden: Im Umlauf und im Stechen. Er verwies damit die beiden Rheinländer Günther Döhler/Jara und und Sebastian Kirst/Cricket auf die Plätze. Bester Amateur im Feld wurde Christian Pfeifer vom Hohenrechberg mit seiner Fuchsstute Lollita, der ein bisschen Pech hatte, weil im Normalparcours die Stange am letzten Sprung fiel – sonst hätte er im Stechen sicher ein Wörtchen mitgeredet.
Nicki Leckebusch hat dieses Jahr eine starke Truppe junger Pferde im Sport, von denen zumindest drei Stuten Klasse genug für Fünf-Sterne-Springen auf internationalem Parkett haben dürften: Excentrique, Canadian Club und die sogar erst achtjährige Kannan-Tochter Kanna Ravella. International startet der junge Leckebusch-Peters (der Enkel des früheren Schwarzwälder Bauunternehmers und Springreiters Hermann Leckebusch) bekanntlich für Kanada, das Heimatland seiner Mutter. Das gibt ihm internationale Möglichkeiten. Der kanadische Teamchef war neulich schon mal im Schwarzwald, um das Training zu beobachten, bei dem mittlerweile Landestrainer Jürgen Kurz entscheidend mitspricht. Heimtrainer auf der Reitanlage in Lossburg bei Freudenstadt ist immer noch die jetzt 86-jährige Ausbilder-Legende Bernd Noske. In den nächsten Wochen will Leckebuch einige Nationenpreises bestreiten. Ein Ziel sind die Weltmeisterschaften 2026 in Aachen, das würde exakt passen.
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