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von Leonie Wolff am Samstag, 18.05.2024 um 21:29

Winterlingen: Zurück im Ländle - Zurück an der Spitze

Benjamin Wulschner springt allen davon  /  © ROM-Fotografie

Es ist wahrscheinlich kein Geheimnis mehr, dass in Winterlingen an diesem Wochenende absoluter Top-Sport von absoluten Top-Reitern präsentiert wird. Doch heute, in der Springprüfung der Klasse S** über 1.45 m, forderte der Parcours die Reiter der großen Tour ganz schön heraus. Zumindest machte das den Eindruck, wenn man die ersten Starter den Parcours bestreiten sah. Besonders eine Linie kristallisierte sich als „Klippe“ heraus. Tribbelbarre auf einen Steilsprung mit Wellenplanken, sehr luftig gebaut, die Distanz davor nicht zu weit. Alessandra Reich, EM-Bronze Medaillen Gewinnerin mit der österreichischen Equipe, betonte diese Linie bereits bei der Besichtigung des Parcours. "Der Steilsprung kommt schnell und die die Pferde müssen sich gut zurückführen lassen, nachdem sie über die Tribbelbarre in die Distanz geflogen kommen", erklärt die junge Amazone dem Publikum.

Nachdem sich bereits vier Reiter der Aufgabe gestellt hatten, gelang es Roel Holthuizen und seinem 9-jährigen Comme il faut Nachkomme Carlson als erstes, alle Stangen in den Auflagen liegen zu lassen. Auch wenn es einige Male wackelte, die „Null“ stand am Ende im Ergebnis und wurde mit einem achten Platz belohnt. Darüber freuten sich auch die zahlreichen Zuschauer, die trotz des nicht ganz idealen Wetters ihren Weg zu den Winterlingen Winners gefunden haben.

Doch der Knoten war noch nicht geplatzt. Der technisch doch sehr anspruchsvolle Parcours führte bei vielen Reitern zu ganz leichten Fehlern, unteranderem auch in der Dreifachen Kombination, die aus der Wendung heraus ein sehr präzises Anreiten forderte. Dies gelang dem für Syrien startenden Maurice Al Shehab ohne Probleme. Mit über fünf Sekunden setzte er ein dickes Ausrufezeichen und zeigte scheinbar den nachfolgenden Reitern, wie es geht. Danach folgten schnelle, konzertierte und vor allem ausdrucksstarke Nullrunden. Bis kurz vor Schluss führte Maurice Al Shehab mit der schnellsten Nullrunde die Platzierung an. Doch die Starterliste deutete auf ein heißes Duell hin. Er ist bekannt für riskantes und schnelles Reiten – die Rede ist von Benjamin Wulschner, der seine Pferde wieder einmal gekonnt präsentierte. Als 44. Von insgesamt 47 Startern setzte er sich an die Spitze und ließ auch Adrian Schmid, der direkt im Anschluss an den Start ging, kein Vorbeikommen. Und auch an Maurice Al Shehab kam er nicht heran. Doch einen gab es noch, der als klarer Favorit gehandelt wurde. Hans-Dieter Dreher im Sattel des Perigueux -Sohns Prinz. Gestern waren die beiden bereits siegreich und auch heute schien es als würden die Beiden zu ihrer nächsten goldenen Schleife galoppieren, doch dann, am vorletzten Sprung, ein Flüchtigkeitsfehler und somit 4 Strafpunkte. Die Zeit, die hätte für den Sieg gereicht. Somit war es entschieden, Benjamin Wulschner siegt am heutigen Nachmittag vor Maurice Al Shehab und Adrian Schmid. Rang vier ging in den Reitverein Dreiländereck, genauer gesagt an Thomas Mang und Grand Zara, der bei seiner Runde am Einsprung der Dreifachen sehr viel Glück hatte als die Stang auf der Kante der Auflage liegen blieb. Besonders hervor stach auch die Runde des großrahmigen Schimmelwallachs Exclusiv unter Alexander Schill, der mit einer phänomenalen Runde zu Platz 5 sprang. Ebenso Sebastian Adams und Carlo, die sich nur knapp hinter Schill auf dem sechsten Rang platzierten.

"Never change a running system"

Auch in diesem Springen vergab die Jury einen Stil-Preis. Nachdem diesen gestern Simon Runte erhielt, ging er heute an Tina Deuerer und ihren langjährigen Erfolgspartner Clueso. Der auffällige Hengst und seine Reiterin bestreiten dieses Jahr bereits ihre 12 gemeinsame Saison. Das macht sich vor allem daran bemerkbar, dass sich die Beiden im Parcours und auch sonst einfach in und auswendig kennen. „Clueso möchte immer alles richtig machen, macht es seinem Reiter einfach und lässt ihn dabei gut aussehen“ schwärmt Tina Deuerer über ihren vierbeinigen Freund und Sportpartner. Doch sie zeigten auch, dass schönes Reiten nicht heißt, dass man langsam unterwegs sein muss. Mit ihrer fehlerfreien Runde sprangen sie zu einem starken siebten Platz. Mit ihrem Ritt heute und dem Start am Montag im Großen Preis bereitet sich das eingespielte Team auf die deutschen Meisterschaften in Balve vor.

Leonie Wolff (Werkstudentin)

Studiert Germanistik und Sportwissenschaften in Stuttgart, unterstützt währenddessen die Redaktion und das Social Media Team. Schreibt am liebsten Porträts und über den Springsport und ist selbst im Springsattel bis zur Klasse M erfolgreich unterwegs.

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