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von Roland Kern am Dienstag, 07.05.2024 um 17:22

Richard Vogels nächster Höhenflug

Richard Vogel siegt mit Cydello in der Badenia.  /  © Lafrentz

Runder geht ein Jubiläum nicht: Zum 60. Mannheimer Maimarkt-Turnier siegte der Lokalmatador in der abschließenden „Badenia“: Richard Vogel war im Stechen des mit 85 000 Euro dotierten Traditionsspringens im Sattel seines zehnjährigen Hannoveraners Cydello nicht zu schlagen, seine Ritte waren Sternstunden der Maimarkt-Geschichte und der Beweis:  der 27-jährige gebürtige Oberschwabe und Wahl-Mannheimer ist im Moment im deutschen Springsport eine Klasse für sich. In Mannheim setzte er einen Meilenstein auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Paris. Vom Wasserturm zum Eiffelturm.

Der Jubiläumsmaimarkt war für das Reiterland Baden-Württemberg ein Erfolg auf ganzer Linie: In der Gesamtwertung des erfolgreichsten Reiters über alle Turniertage lag am Ende der Südbadener Hans-Dieter Dreher vorne. In der “Badenia“ landete er mit seinem Schimmel CousCous auf Rang fünf.  Die Stange fiel nach einer entscheidenden Wendung auf einen kräftigen Oxer; der Schimmel war nur eine Sekunde unkonzentriert.

Am Einritt zur finalen Springbahn stand Richard Vogels Mentor und Freund Bernd Herbert, kurz vor der Startlinie tauschten sich die beiden eng Vertrauten noch einmal aus, ob auf die Zweifache Kombination im Stechen sechs Galoppsprünge ausreichen würden – um Zeit zu sparen. „Mach’s“, riet der erfahrene Viernheimer, auf dessen Ratschläge der Überflieger stets hört. Und Vogel machte. Er hat so viel gewonnen in den zurückliegenden Monaten und Jahren – die „Badenia“ in seiner Wahlheimat nun zum ersten Mal. Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung“, strahlte der Sieger.

Vogel verschenkte auch im weiteren Verlauf des Stechparcours keine Sekunde. Der Sieg fiel knapper aus als es aussah: 41,47 Sekunden brauchte er bis zum Ziel, sein Nationenpreiskollege Christian Kukuk mit dem Belgier Nice van’t Zorvliet 42,49 Sekunden. Die junge Schwedin Wilma Hellström wurde mit Cicci Dritte vor Ulrich Hensel mit dem Hengst Europa, Dreher, dem Schweitzer Edouard Schmitz und Vogels Freundin Sophie Hinners mit der drahtigen Rappstute Special Life.

Zehn Reiter hatten das Stechen erreicht, das war wieder einmal eine Punktlandung der beiden Parcourchefs Christa Jung und Ralf Hollenbach. Darunter acht Deutsche, drei Baden-Württemberger. Das gab es schon lange nicht mehr. Schon im Umlauf hatte Richard Vogel eine Runde gezeigt, die so lässig war als würde es sich eher um ein L-Springen handeln. Schon da war klar, dass es für das Stechen einen haushohen Favoriten geben würden.

Nach dem Springen bekam Christa Jung von Peter Hofmann größtes Lob: „Das war ganz großartiger Sport, ganz die Handschrift unserer Parcourschefin.“

Uli Collee, Co-Landestrainer der baden-württembergischen Springreiter, stand am Einritt nach der ersten Hälfte der Konkurrenz, und konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen: „Baden-Württemberg-Tag“, schmunzelte er nach den Nullfehler-Ritten von Alexander Schill und Pia Reich – das waren die ersten beiden, die es geschafft hatten. Dreher Andere Reiter aus dem Land  gaben ein gutes Bild ab. Allen voran der Mannheimer Lokalmatador Armin Schäfer, der vor exakt 20 Jahren als junger Mann und damals erster Mannheimer überhaupt die „Badenia“ gewinnen konnte. Seither hält er sich in der Landesspitze. Jetzt hat er mit dem elfjährigen Fuchs Costa Gavras wieder ein internationales Pferd unter dem Sattel. Nur ein unglücklicher Abwurf trennte ihn vom Stechen, nicht mehr als Landesmeister Günter Treiber aus Eppelheim, dessen Cassis ansonsten überragend sprang. Auch er hatte nur diesen einen Abwurf zu beklagen, aber in der „Badenia“ ist das für einen echten Badener eine Top-Leistung fürs Familienalbum.

Foto: Stefan Lafrentz

Roland Kern (Redaktion)

Der Ruhepol der Redaktion, der im Notfall immer noch eine Lösung parat hat. Die Stimme (The Voice) von Reiterjournal-TV, hat selbst Pferde bis zur Klasse S ausgebildet und kennt keinen Feierabend.

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