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von Roland Kern am Mittwoch, 24.04.2024 um 22:35

„Nur wer begeistert ist, kann begeistern“

Das Mannheimer Maimarkt-Reitturnier feiert vom 2. bis 7. Mai Jubiläum: Mit Spitzensport und einem Nationenpreis. Der Mannheimer Maimarkt ist eng mit dem Mannheimer Reiterpräsidenten Peter Hofmann und seiner Familie verbunden. Daher wird in diesen Tagen diese Geschichte wieder öfter erzählt werden. Sie ist genauso rührend wie wahr: Es war im Jahr 1964, da fand in Mannheim das erste Maimarkt-Reitturnier statt. Da durfte ein kleiner Junge, der ansonsten im Mannheimer Reiterverein die Pferde putzte, das Schleifenpony in die Bahn führen. „So ein Turnier will ich auch mal organisieren“, erzählte er mit leuchtenden Augen seiner Mutter. Der kleine Junge von damals hieß Peter Hofmann. Fast 20 Jahre später machte er seine Ankündigung wahr. Und seither schreibt seine Heimatstadt in Europa nun Pferdesportgeschichte. Zum Jubiläumsturnier führte Roland Kern ein Interview mit Peter Hofmann.

Peter Hofmann, 60 Jahre Maimarkt-Turnier in Mannheim, das sind 41 Jahre unter Ihrer Leitung. Macht es tatsächlich noch Spaß?

Hofmann: Aber natürlich, wie beim ersten Mal! Es gab schon jedes Jahr dieses Gefühl nach der letzten Siegerehrung, bei der Badenia, wenn alle ans Aufräumen gehen. Dann empfinde ich einen großen Stolz, was die Mannschaft wieder geleistet hat, aber auch eine gewisse Traurigkeit darüber, dass es vorbei ist. Das wird auch diesmal so sein.

Können Sie sich noch gut an die Anfänge erinnern?

Natürlich. Auch an 1964, da durfte ich das Schleifenpony in die Bahn führen, das war damals noch auf dem alten Friedensplatz mit seinem groben dunklen Sand. Dann erinnere ich mich natürlich an mein erstes Turnier als Turnierchef 1983, den Umzug 1985 und an die erste Badenia auf dem Mühlfeld, die Jürgen Kenn gewonnen hat. Das sind die ersten historischen Meilensteine.

Sie sind seit 1982 nicht nur Turnierchef sondern auch Vorsitzender des Reiter-Verein Mannheim. Diese Verbindung ist Ihnen bis heute immer wichtig gewesen, warum?

Das Vorurteil, dass Reiten ein Sport nur für reiche Menschen sei, hat mich immer geärgert. Deshalb wollte ich immer beides machen: Spitzensport am Turnier zeigen, aber mit dem Verein auch immer darauf achten, dass das Soziale nicht zu kurz kommt. Das ist, denke ich, ganz gut gelungen.

Welchen Moment werden Sie nie vergessen?

Da gibt es einige. Ich denke da an 1987, als Gerd Wiltfang die Badenia gewonnen hat. Der Ehrenpreis war ein Moped, also stieg er ab, um es auszuprobieren. Auf einmal fragt er mich: Du kannst doch reiten, oder? Ruckzuck hat er mich in den Sattel seiner Cedra gehoben, und die Ehrenrunde ging los.  Oder im selben Jahr die letzte Deutsche Meisterschaft von Paul Schockemöhles Deister; ein emotionaler Moment. Oder das Sb-Springen mit einem Dreikampf von Alwin Schockemöhle, Hans-Günter Winkler und Benno von Bormann, noch auf dem alten Platz. Doppelgold von Ludger Beerbaum bei der EM 2007; kurz danach ist er für Mannheim geritten. Ganz gewaltige Erinnerungen habe ich übrigens an ein Erlebnis, das gar nicht am Maimarkt stattfand.

Interessant, warum hat es sich so eingeprägt?

Das war 2015 beim Schauprogramm für das Vier-Sterne-CSIO: Das Pas de deux von Isabell Werth und Charlotte Dujardin. Die beiden waren damals Gegnerinnen in allen großen Championaten. Aber in Mannheim haben sie eine Einheit in vollendeter Harmonie gebildet. Da habe ich wieder einmal gemerkt, was unser Sport alles bewirken kann.

Es gab aber auch krisenhafte Zeiten, mit welchen Gefühlen denken Sie heute an diese Jahre zurück?

Vor allem mit Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die sie mit mir gemeistert haben. Da war die Maul- und Klauenseuche im Jahr 2001. Der damalige Oberbürgermeister Gerhard Widder hat mir das volle Vertrauen geschenkt, so dass damals das Veterinäramt das Turnier überhaupt erlaubt hat. Oder im zweiten Coronajahr 2020, als ich das Gesundheitsamt mit einem genauen Hygienekonzept überzeugen konnte. Das hat eine Stange Geld gekostet, aber das Turnier fand statt. Ich wollte unbedingt verhindern, dass ein anderer internationaler Veranstalter unseren Termin kapert.

Dann kam 2021 – und Sie selbst mussten mit Corona in Quarantäne bleiben. Wie bitter war das?

Es ging, mein Sohn Paul kennt das Turnier sehr gut, er ist selbst dort geritten.  Er hat die  Turnierleitung übernommen. Ich konnte zuhause entspannt vor dem Fernseher sitzen und jedes Springen anschauen. Das war so entspannt, weil ich auf tatkräftige Unterstützung unserer erfahrenen Helferinnen und Helfer aus dem Verein zählen konnte. Das haben sie großartig gemacht.

Der Turniersport hat es nicht leicht im Moment. Es gibt Funktionäre, die einen Verlust der gesellschaftlichen Akzeptanz befürchten, wie sehen Sie das?

Der Maimarkt ist ein populäres Messeturnier mit vielen unterschiedlichen Besuchern. Wir haben uns schon dem Thema „Social License“ gestellt, als davon noch gar nicht die Rede war. Ich sehe das nicht so pessimistisch. Der Pferdesport wird auch künftig gut darstellen können, was seine Faszination ausmacht: Nämlich ein Lebewesen zu einem Spitzensportler zu formen. Das finde ich nach wie vor begeisternd. Und nur wenn man begeistert ist, kann man auch andere begeistern.

Foto: Stefan Lafrentz

 

 

 

© honorarfreie Nutzung des Bildes

Roland Kern (Redaktion)

Der Ruhepol der Redaktion, der im Notfall immer noch eine Lösung parat hat. Die Stimme (The Voice) von Reiterjournal-TV, hat selbst Pferde bis zur Klasse S ausgebildet und kennt keinen Feierabend.

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