Zwei neue Turbo-Richterinnen aus dem Land
Das Experiment ist schon mal geglückt, auch wenn es eigentlich keines war: An deutschen Dressurvierecken werden künftig Richterinnen und Richter sitzen, die aufgrund ihrer sportlichen Leistungen die „Ochsentour“ zur Prüfung und die aufwändigen Weiterqualifizierungen deutlich abkürzen können. Zu den ersten „Turbo-Richtern“ gehören zwei Baden-Württembergerinnen: Katrin Burger aus Bretten und Jasmin Schaudt aus Onstmettingen. Beide Ausbilderinnen waren im Sattel selbst schon mit einem Ergebnis von über 68 Prozent der Punkte in einem internationalen Grand Prix platziert. Burger und Schaudt legten am Dienstag in der Reiterzentrale Warendorf ihre Prüfung für die Klasse S ab – im Schnelldurchlauf nur zwei Wochen nach ihrer Grund-Richterprüfung an gleicher Stelle. Auch die Grand Prix-Prüfung könnte schon bald folgen. Bei Springprüfungen dürfen die Turbo-Richter nicht eingesetzt werden.
Die „Turbo-Prüfung“ für Dressurrichter entstammt aus einer Anregung der Deutschen Richter Vereinigung DRV, die Nachwuchsmangel am Richtertisch insbesondere in den höheren Dressurklassen fürchtet. Die FN hat das Verfahren zunächst als Pilotprojekt zugelassen; eventuell hält es Einzug in die nächste Ausbildungsordnung APO, die gerade fortgeschrieben wird. Zu den Vorantreibern der Turbo-Laufbahn gehören unter anderem die DRV-Vorstandsmitglieder Henning Lehrmann und Tim Koch.
Schaudt und Burger mussten im zurückliegenden Jahr eine nur begrenzte Zahl von Testaten abliefern bis zur Prüfung, auch eine Richteranwärterphase war nicht erforderlich. Vor allem aktive Dressurreiter begrüßen diese Abkürzung, weil dadurch mehr Praktiker und selbst noch aktive Sportler leichter zum Richten kommen.
„Ohne diese Chance hätte ich das nie angepackt“, erklärte Katrin Burger. Schließlich sei sie insbesondere an Wochenenden häufig mit Schülern und Kunden auf Turnier gefordert und hätte nie die Zeit gefunden, die reguläre Laufbahn abzuleisten. Schaudt und Burger erklärten aber auch, dass die Testat-Phase an den Richterischen den Respekt vor den Dressur-Juroren deutlich gesteigert habe. „Man muss extrem schnell und konzentriert sein“, attestierte Jasmin Schaudt. Katrin Burger sagt, sie habe auch für sich selbst und ihre Schüler profitiert, indem sie nun die andere Seite des Richtertisches kennt. Im Herbst will sich Nicole Casper als nächste Grand Prix-Reiterin aus Baden-Württemberg zur Turbo-Prüfung anmelden. Zu den erfolgreichen Absolventen gehört auch Hubertus Graf von Zedtwitz, der in Baden-Württemberg häufig als Trainer und Ausbilder nachgefragt wird.
Fotos: D. Matthaes
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