„Ich bin ein Feel-Good-Manager und habe die Aufgabe ein gutes Gefühl zu erzeugen“
Schon jetzt steht fest, dass das Ländle bei den Olympischen Spielen vertreten sein wird. Ja, Sie haben richtig gehört! Die Rede ist von Markus Hinzke, der bei den Olympischen Spielen in Paris zum dritten Mal als Music Director agieren wird. Das hat vor ihm noch niemand geschafft. Wir haben uns mit Markus Hinzke über seine Vorbereitung, Aufgaben und Wünsche für Paris unterhalten.
Nach Rio und Tokio dürfen Sie in diesem Jahr zum dritten Mal bei Olympischen Spielen für die Beschallung sorgen. Hatten Sie erwartet, dass Sie ausgewählt werden?
Es war nicht so ganz klar, dass die Auswahl auf mich fällt. Denn die Franzosen möchten gerne so viel wie möglich selbstmachen. So kamen genügend Vorschläge für Franzosen, die ebenso als „Music Director“ agieren könnten. Das Olympische Komitee und auch die FEI haben hierbei dann jedoch interveniert und mich vorgeschlagen. Es war schon ein größerer Akt, weshalb ich mich nun umso mehr freue.
Was sind Ihre genauen Aufgaben in Paris?
Ich werde als Music Director agieren. Alles, was auf den Reitplätzen/stadien an Musik zu hören ist, kommt von mir. Das startet schon ab dem Moment, wo die Zuschauer Zugang zum Gelände haben. Bei Olympischen Spielen ist das meist schon drei Stunden vor Wettkampfbeginn, da auch ein großes Entertainment-Programm dazu gehört. Das ist der große Unterschied zu beispielsweise einem Weltcup-Turnier, wo meine Aufgaben erst kurz vor den Prüfungen beginnen. Bei Olympischen Spielen gibt es ein viel größeres Rahmenprogramm. Ich bin in Paris für alle Reitsport-Disziplinen zuständig, außer für die Para-Dressur.
Dressur, Springen und Vielseitigkeit– Sie haben es gerade selbst angesprochen, dass Sie in Paris in allen Disziplinen für die passende Stimmung sorgen werden. Gibt es für Sie in den einzelnen Disziplinen spezielle Herausforderungen?
Jede Disziplin hat für sich etwas Besonderes und damit verbunden auch spezielle Herausforderungen. In der Dressur muss alles instrumental auf die Grundgangarten abgestimmt werden. Auch die Freestyles müssen so vorbereitet werden, dass am Prüfungstag auch wirklich alles läuft. Die Freestyles sind in der Vorbereitung sehr aufwendig, da alle Reiter mir ihre Kürmusiken schicken müssen. Besonders bei den „Exoten“, die teilweise unerfahrener sind, kommt es gerne zu Komplikationen. Beispielsweise wird die Musik in einem falschen Datei-Format abgegeben. In Tokio wurden mir zum Beispiel CDs mit Filmen abgegeben. Das kann ich natürlich nicht weiterverarbeiten, weshalb dann das richtige Format organisiert werden muss und eine längere Vorbereitung entsteht. Tagsüber habe ich dafür neben dem normalen „Geschäft“ keine Zeit, weshalb ich dann regelmäßig Nachtschichten einbaue. Auch im Springen wird es mir nicht langweilig. Bei Olympischen Spielen werden keine Jingels gespielt. Dort geht es um viel zu viel. Es wird instrumentale Backgroundmusik gespielt. Es ist mehr das Programm drum rum wichtig. Die Zuschauer mit entsprechend schöner Musik in eine gute Laune zu bekommen. Insgesamt erhalte ich vom Olympischen Komitee eine Festplatte mit circa 1000 Musiktiteln, die erlaubt sind. Daraus muss ich das so zusammenstellen, dass es für die jeweiligen Wettkämpfe passt. Die Musik ist jedoch für alle Sportarten bestimmt. Für den Reitsport kann man von diesen Musiktiteln meistens 90% überhaupt nicht gebrauchen.
Die Auswahl der passenden Musik umfasst dann also Ihre Vorbereitung für Paris?
Genau, ich bereite mich schon auf Paris vor. Eigentlich ist die Zeit jetzt schon knapp, da ich die Vorbereitung neben meinem Alltagsgeschäft machen muss. Ich versuche bei Olympischen Spielen auch immer etwas länderspezifisches zu machen. Insgesamt ist mir wichtig, dass beim Reiter ein gutes Gefühl erzeugt wird. Eine stimmige Musik geht bei mir vor.
Viele Aktive sind vor Olympischen Spielen nervöser als sonst. Wie geht es Ihnen? Stellen die Olympischen Spiele noch einmal einen Unterschied zu einem „normalen“ Reitturnier dar?
Für mich ist es natürlich auch das Größte. Es ist das größte Sportevent der Welt. Olympische Spiele sind für mich das absolute Highlight. Ich habe das Glück und dafür bin ich auch extrem dankbar, dass ich nun schon die dritten Olympischen Spiele begleiten darf. Ich weiß nicht, ob es das im Reitsport schon einmal gegeben hat, dass ein Music Director drei Olympische Spiele betreut hat. Das macht mich unglaublich stolz. Aber für mich ist das auch eine große Verpflichtung, alles gewohnt und fehlerfrei abzuliefern. Ich möchte ein gutes Gefühl erzeugen. Man darf auch nicht vergessen, wie viele Menschen die Reitsportwettbewerbe über das Fernsehen weltweit mitverfolgen. Darüber macht man sich vielleicht besser keine Gedanken. Ich bin positiv angespannt und fokussiert.
Der Reitsport, speziell im Moment die Dressur, steht verstärkt in der Kritik. Was wünschen Sie sich vor diesem Hintergrund für die Olympischen Spiele?
Ich bin ein Feel-Good-Manager in dem, was ich mache. Ich habe die Aufgabe mit meinen Mitteln, ein gutes Gefühl zu erzeugen. Mein Mittel ist die Musik, mit der ich versuche fröhliche Grundstimmung zu vermitteln. Ich bin kein Fachmann für Ausbildung, Pferdehaltung und Co, deshalb kann ich dazu nicht viel sagen. Dennoch wünsche ich mir, dass die Olympischen Spiele als positive Werbung für den Reitsport agieren können.
Last but not least: Auf was freuen Sie sich am meisten?
Ich freue mich am meisten auf die Aufgabe als solches. Das ist eine Herausforderung aber auch eine große Freude. Natürlich freue ich mich auch auf die ganzen Begegnungen. Bei Olympischen Spielen begegnet man nicht nur dem Reitsport. Die Eröffnungsfeier auf Schiffen und Booten wird etwas ganz Besonderes. Ich würde gerne auch andere Sportarten besuchen. Man lernt einfach unheimlich viele Menschen kennen, denen man sonst im Reitsport nicht begegnet. Das Olympische Gefühl ist einfach etwas ganz Besonderes. Es ist eine ganz spezielle Veranstaltung, wo sich die Welt begegnet und das empfinde ich tatsächlich als Chance. Der Sport einigt einfach die Länder und Kontinente. Das begegnet einem nur bei Olympischen Spielen und darauf freue ich mich.
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