"Die Aufgabe der Richter ist es, den Reitern zu helfen"
Mit positiver Grundstimmung, immer auf der Suche nach guten Momenten und bestenfalls mit einem Abschlusssatz, der die Reiter auf ihrem Ausbildungsweg voranbringt - beim Seminar für Richter auf M- bis S-Niveau hatten Henning Lehrmann und Christoph Niemann zahlreiche Tipps für die Teilnehmer parat. Henning Lehrmann ist seit 2022 Mitglied des Dressurauschusses des deutschen Olympiade Komitees für Reiterei (DOKR) und „unser Mann“ aus Deutschland am Richtertisch in Paris. Der Niedersache wird der einzige Offizielle aus Deutschland bei den Olympischen Spielen sein. Landestrainer und Grand Prix-Richter Christoph Niemann und Lehrmann kennen sich seit vielen Jahren. In ihrem Seminar zeigten sich die beiden als eingespieltes Team.
Nachdem am Morgen bereits im Reiterstübchen des Reitervereins Pforzheim viele Fragen beantwortet und anhand von Beispielen diverse Hintergründe der Notengebung erläutert wurden, ging es am Nachmittag mit dem praktischen Teil weiter. Sechs Reiter hatten sich zur Verfügung gestellt. Sie zeigten Lektionen wie fliegende Galoppwechsel, Verstärkungen, Hinterhandwendung, Traversalen oder Schulterherein. „Alles was Sie hier sehen, ist eine Momentaufnahme“, betonte Henning Lehrmann unter dem Aspekt, dass es gar nicht so einfach sei, solche „Testreiter“ zu gewinnen. „Doch was heute eine 4 ist, kann morgen eine 9 sein!“
Die Reiter wurden unterdessen für ihr Engagement mit einer kostenlosen Unterrichtseinheit belohnt. So gaben Lehrmann und Niemann stets Tipps, wie Lektionen noch besser gelingen können und übten mit den Reitern, bis eine Verbesserung erkennbar war.
Gleich zu Beginn wurden zwei sehr unterschiedliche Pferde vorgestellt – ein Warmblüter und ein PRE. Für die Teilnehmer des Seminars sehr interessant im Hinblick auf die unterschiedlichen Bewegungsmuster der beiden Pferde. „Die Rasse hat uns dennoch nicht zu interessieren“, stellte Lehrmann klar, der während des gesamten Seminars die objektive Bewertung immer wieder in den Vordergrund rückte. Auch im Hinblick darauf, dass ein Richter nur das beurteilen kann und darf, was er wirklich sieht. Christoph Niemann ergänzte dies mit erklärenden Kommentaren zur Bewertung der Leistung des Reiters im Sattel. Unterstützt dieser sein Pferd optimal? Geht er auf körperliche Besonderheiten ein? Auch dies lassen die Richter selbstverständlich in die Bewertung miteinfließen.
„Die Aufgabe der Richter ist es, den Reitern zu helfen“, betonte Niemann. Den Reiter dabei zu unterstützen, in der nächsten Prüfung fünf Prozent besser zu werden. Dafür sei die objektive Beurteilung unerlässlich, ebenso die Fähigkeit, zu differenzieren: „Wenn die Trabtour nicht gut war, heißt das nicht, dass wir im Galopp keine guten Noten geben können“, erklärte Lehrmann, der wie er selbst sagt, immer „auf der Suche nach einer 8“ ist.
Im Rahmen des Seminars fanden beide auch kritische Worte zum Turnier- und Prüfungsgeschehen. Was sich im Turniergeschehen ändern sollte, welche Fähigkeiten ein angehender Richter unbedingt braucht, warum die Kommunikation zwischen allen Beteiligten am Reitsport dringend Verbesserungsbedarf hat und ob die Notenskala auch nach unten voll ausgeschöpft werden sollte – all diese und noch viele weitere Fragen haben uns Henning Lehrmann und Christoph Niemann beantwortet. Das gesamte Themen-Spezial rund um den Job als Turnierrichter und die Entwicklung im Turniergeschehen lesen Sie in der nächsten Ausgabe des Reiterjournals.
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