„Richtig Reiten kommt nicht aus der Mode!“
Auch in diesem Jahr kam der baden-württembergische Dressurnachwuchs in den Genuss von Trainingstagen. Landestrainer Christoph Niemann verschaffte sich auf der Reitanlage der Familie Merkt in Steinenbronn einen ersten Eindruck „seines“ Nachwuchses und war dabei nicht nur von der Quantität (sage und schreibe 40 Jugendliche nahmen an den Trainingstagen teil), sondern vielmehr auch von der Qualität der baden-württembergischen Dressurjugend begeistert. Dabei sorgte Christoph Niemann bei dem ein oder anderen Nachwuchstalent für zunächst erstaunte Blicke. Denn nicht das Abspulen von Lektionen stand im Mittelpunkt des Trainings, sondern vielmehr die allzu häufig unterschätzte Arbeit an der Basis. Wir haben uns mit Landestrainer Christoph Niemann über die aktuelle Stärke des Dressurnachwuchses, die Herausforderungen und Saisonziele unterhalten.
Seit ein paar Jahren bieten Sie zu Beginn des Jahres Trainingstage an. Wie ist ihr Fazit der diesjährigen Trainingstage?
Auch in diesem Jahr ziehe ich ein äußerst positives Fazit aus den Trainingstagen. Wir sind gut aufgestellt.
Was ist Ihnen in der Saisonvorbereitung im Training mit dem Dressurnachwuchs besonders wichtig?
Mir ist besonders wichtig, dass an der Basis gearbeitet wird und diese auch stimmt. Bei den Trainingstagen habe ich viel an der Durchlässigkeit und Losgelassenheit gearbeitet und genau diese Aspekte sind mir in der Saisonvorbereitung auch besonders wichtig. So viele Lektionen haben wir gar nicht geritten.
Was für Pferde stehen dem Dressurnachwuchs zur Verfügung? Wie steht es aktuell um das Pferdematerial?
Wir haben teilweise sehr, sehr gute Pferde, die einfach richtig gearbeitet werden müssen. Wenn das tägliche Training stimmt, können die Jugendlichen mit den Pferden auch bundesweit gut mithalten. Im Vergleich zu den letzten Jahren sind wir bezogen auf das Pferdematerial aktuell auch breiter aufgestellt.
Welche Altersklasse würden Sie im Moment als die Stärkste beschreiben?
Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich hier nicht auf eine Altersklasse festlegen kann. Wir haben sehr gute Junioren. Auch ein paar gute Junge Reiter und die Children sind sowieso gut. In dieser Altersklasse sind zwei, drei Talente, die sehr gut sind.
Bereitet Ihnen auch eine Altersklasse Sorgen?
Nein. Mittlerweile ist es in Baden-Württemberg ausgeglichen. Wir haben in jeder Altersklasse einige sehr gute Paare. Gerade bei den Children ist es aber auch ein stetes Auf und Ab. Das ist die jüngste Altersklasse (bis 14 Jahre), wo viel passieren kann. In dieser Altersklasse haben wir aktuell auch viele Talente im Landeskader, da wir hier in diesem Jahr die Kader relativ weit aufgemacht haben. Wir wollen motivieren, dass die Leute anfangen dann auch richtig durchzuziehen.
Also wurden bei den Children die Kaderkriterien gelockert, um zu motivieren?
Ja genau. Wir wollen die Kinder motivieren, dass sie weitermachen. In den anderen Altersklassen haben wir den Kader der Leistung entsprechend aufgestellt. Hier sind die Kader im Moment noch nicht zu groß, weil einigen noch ein oder zwei Platzierungen für die Aufnahme in den Landeskader fehlen. Aber ich sehe da kein Problem. Sie werden die Platzierungen bei den ersten Turnieren sicherlich sammeln. Dann wird der Kader entsprechend aufgefüllt. Die Jugendlichen sind in der Breite gut genug. Ich bin vom baden-württembergischen Dressurnachwuchs und seiner aktuellen Stärke wirklich begeistert. Mich freut besonders, dass wir eine hohe Anzahl an talentierten Jugendlichen haben. Bei den Trainingstagen sind 40 Jugendliche mitgeritten. Das ist der Wahnsinn! Vor Balingen werden wir ein Aufgabentraining anbieten. Ich schätze mal, dass hier dann der Zuspruch noch höher sein wird.
Schon beim Treff der Dressurreiter war die „bröckelnde Basis“ ein großes Thema. Ihre Beschreibungen passen nicht unbedingt dazu. Merken Sie aktuell nicht, dass weniger nachkommt?
Nein, ganz und gar nicht. Ich muss jetzt nicht sagen, dass wir Nachwuchssorgen haben. Wir haben eher „vernünftige Trainersorgen“, dass die Jugendlichen zu Hause mit ihren Trainern gut arbeiten. Das ist die größte Sorge! Auf die Ausbildung der Trainer sollte viel mehr Wert gelegt werden. Man sollte darauf achten, dass die Trainer eine vernünftige Ausbildung haben.
Aber dieses Problem zieht sich logischerweise bis auf die unterste Eben durch, oder?
Ja, der Mangel an „guten“ Trainern zieht sich überall durch, auch im Schulbetrieb. Wir kommen immer wieder darauf zurück. Es gibt schon genug Ausbilder, aber zu wenige mit einer guten Ausbildung. Ausbilder, die das „richtige Reiten“ vermitteln. Hinzu kommt, dass niemand mehr im Schulbetrieb arbeiten möchte. Das ist traurig, da es für den Reitsport so notwendig, so überlebenswichtig ist.
Blicken wir in die Zukunft. Was sind jetzt die nächsten Ziele?
Als erstes steht nun die Sichtung zum Preis der Besten an. Hier wollen wir natürlich, dass sich möglichst viele Jugendliche für den Preis der Besten qualifizieren. Außerdem sollen die Jugendliche an Erfahrung sammeln. Bei den Trainingstagen ist wiederum aufgefallen, dass wir teilweise sehr gute Pferde haben. Die Jugendliche aber noch einige technische Fehler machen. Das ist auch überhaupt nicht schlimm. Genau deshalb haben wir auch seit ein paar Jahren das Sichtungsturnier in Balingen, damit die Jugendlichen Turniererfahrung sammeln und mit ihren Pferden immer besser zusammenwachsen können.
Und zum Abschluss: Was wird in diesem Jahr die größte Herausforderung sein?
Das ist schwer zu beantworten. Insgesamt müssen die Jugendlichen verstehen, dass sie an sich arbeiten und vor allem ihre Pferde vernünftig trainieren müssen. In diesem Zusammenhang ist die größte Herausforderung, dass die Basisarbeit stimmt. An dieser so wichtigen Basis arbeiten nur noch die wenigsten. Es ist aber die Grundlage für alles! Am Ende sieht man immer wieder eins: Richtig Reiten kommt nicht aus der Mode und genau das muss der Nachwuchs verstehen. (msb)
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