Der Herr der Stallzelte ist tot
Es gibt Persönlichkeiten der Reitsportszene, die sitzen nie auf einem Pferd. Guido Gerold aus Wiesloch bei Heidelberg war so eine Persönlichkeit, ein Unikum, ein Original. Guido Gerold war der Herr der Stallzelte. Zahlreiche Turniere in Baden-Württemberg hat er betreut, das Wichtigste war der Mannheimer Maimarkt – und das seit Jahren. Für Reiter, Pfleger, Besitzer, Turnierveranstalter gehörte er dazu wie Heu und Stroh.
Guido Gerold war der Mann, der am Eingang der Stallzelte saß, ein Lächeln im Gesicht, genauso obligatorisch wie das Zigarillo im Mundwinkel, ein rothaariger Kerl wie ein Bär, die blaue Latzhose trug er wie eine Uniform der Fremdenlegion. An ihm kam keiner vorbei. Wie er einst dazukam, zu dieser Passion, als junger Kerl, dem der Arzt das Reiten empfohlen hatte wegen seiner orthopädischen Probleme, das weiß heute niemand mehr. Und man wird es nicht mehr erfahren, denn Guido Gerold ist Anfang der Woche gestorben – wahrscheinlich ein schneller Herztod. Er wurde nur 57 Jahre alt.
Es war eine Mischung aus Pflichtgefühl und Pferdeliebe, die ihn zu diesem Hobby brachte, der später ein Nebenerwerb wurde. Menschen, die wissen, wie man Wertschätzung ausdrückt, wie der Mannheimer Reiterpräsident Peter Hofmann, gaben ihm den Titel „Stallzelt-Manager“. Das passte auch. Etliche Veranstalter im Land übertrugen dem gelernten Handwerker und Produktionsarbeiter der Heidelberger Druckmaschinen die Verantwortung über einen der sensibelsten Bereiche eines Reitturniers: Den Stallbereich. Weil sie wussten, dass Guido Gerold ein Kümmerer war.
Er wusste, wo welches Pferd stand, wo es Futter und Einstreu gab, wer rein durfte und wer nicht. An ihm kam auch keiner vorbei. Er wachte über sein Reich der schnaubenden und kauenden Pferde. Daher schätzten die Reiter der ganzen Welt diesen Mensch im Blaumann. Weil man ihm sein Pferd in Obhut geben konnte. Guido Gerold lebte für diese Tätigkeit, die mehr als sein Hauptjob seine Lebensaufgabe war. Zum Übernachten genügte ihm ein Pferdehänger mit einer Matratze auf dem Boden – Hauptsache, er war nahe bei den ihm anvertrauten vierbeinigen Schützlingen.
Nun gibt es Turniere, die sich verändern werden, weil es dort keinen Guido Gerold mehr gibt. Er wird fehlen, weil es so wenige Menschen seines Schlages gibt.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, 7. Dezember, 14 Uhr, auf dem Friedhof seiner Heimatstadt Wiesloch statt. Reiter, die von ihm Abschied nehmen wollen, sind herzlich willkommen. Statt Blumen bittet die Familie um eine Spende an den Reiterring Badische Pfalz (BIC/BLZ GENODE61SPE - IBAN/Konto DE35 5479 0000 0008 1527 05). Der Reiterring wird damit eine Jugendprüfung aussschreiben, die an Guido Gerold erinnert.
Roland Kern
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