Trauer um Rudolf Stolz
Die Ottenheimer Pferdesportler trauern um Rudolf Stolz. Der Ehrenvorsitzende des Reit- und Fahrvereins Ottenheim starb am vergangenen Montag im Alter von 75 Jahren nach langer schwerer Krankheit, die er ohne Klage ertrug. „Die Nachricht von seinem Tod hat uns alle erschüttert. Trotz des Wissens um seine schwere Krankheit kommt sein Tod für uns alle sehr plötzlich und unerwartet, er macht uns fassungslos und persönlich tief betroffen. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und den Angehörigen“, sagte Elmar Trunkenbolz, der Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Ottenheim.
Sein Name ist aber nicht nur in Ottenheim, sondern weit über die Gemeinde- und Kreisgrenze hinaus eng verbunden mit dem Pferdesport in seinen vielfältigen Facetten. Im Jahr 1962 gehörte er zwar nicht zu den Gründungsmitgliedern des Reit- und Fahrvereins Ottenheim, war er doch erst 4 Jahre alt, dennoch war er ein Mitglied, eigentlich ein Kind, der ersten Stunden. Damals hielt man Pferde noch, um mit ihnen zu arbeiten. Die Woche über waren Pferde bei der Feldarbeit eingesetzt. Am Wochenende ritten die jungen Reiterinnen und Reiter zu den ländlichen Turnieren. Hänger und Autos waren damals Mangelware. Sein reiterliches Können bescherte Rudolf Stolz in jungen Jahren viele Erfolge und Platzierungen auf allen Turnierplätzen im Ortenauer Reiterring und darüber hinaus.
Als er nicht mehr selbst auf Turnieren ritt, wirkte er 28 Jahre als Beisitzer, stellvertretender Vorsitzender und als Vorsitzender im Reit- und Fahrverein Ottenheim. Er war erst der zweite Vorsitzende des Vereins nach der im Jahre 1962 erfolgten Vereinsgründung. In seine Amtszeit fielen so weitreichende Aktivitäten wie der Bau der Reithalle, des Dressurvierecks, des Springplatzes und die Anlegung der Geländestrecke für das Gespannfahren. So ist ihm wesentlich zu verdanken, dass das Vereinsgelände nicht nur seine heutige Prägung hat, sondern auch allen modernen Ansprüchen des Pferdesports gerecht wird. Seine Amtsführung war durch Um- und Weitsicht und großem Verantwortungsbewusstsein geprägt. Hierbei konnte er durchaus ein kritischer Geist sein, der seine Meinung gern deutlich kundtat, aber wieder den Weg des Ausgleichs und konstruktiver Unterstützung für Funktionäre und Sportler gesucht hat. Sein besonderes Interesse galt der Förderung von Kindern und Jugendlichen im Pferdesport. Auch ist ihm zu verdanken, dass das Gespannfahren im Reit- und Fahrverein Ottenheim einen solch hohen Stellenwert hat. Nicht umsonst wird er in Ottenheim als „Vater der Fahrturniere“ bezeichnet. Aber auch in allen anderen Facetten hat er den Verein geprägt und weiterentwickelt. Dass der Reit- und Fahrverein heute auf solch einem festen Fundament das die Grundlage für das Fortbestehen bildet, steht hat der Reit- und Fahrverein Ottenheim auch ganz besonders Rudolf Stolz zu verdanken. Nach seiner aktiven Zeit als Vereinsvorsitzender blieb er dem Verein als „Kappo“ in der vereinseigenen „gmBh“ erhalten. Solange es seine Gesundheit zuließ leitete er die „gmBh-Rentnertruppe“ im Verein die sich Woche für Woche um die Pflege des Vereinsgeländes kümmert.
Mit Horsemanship, seinem Sinn für reiterliche Traditionen, einem sicheren Stilempfinden, Charme gepaart mit badischem Humor, so prägte er das Leben im Reit- und Fahrverein Ottenheim. Dabei konnte sich niemand seinen Anliegen, Fragen und Bitten entziehen. Er wusste, wie er die Ziele erreichen konnte, sei es mit Nachdruck, Geduld oder Fachwissen. Aber vor allem war er immer fair, verbindlich und freundlich. Und so war Rudolf Stolz im Ottenheimer Pferdesportverein der Motor, das Gewissen, das Gedächtnis und auch der gute Geist und damit eine Instanz im positivsten Sinne.
Ein erfülltes Leben voller Tatkraft und Tatendrang ist nunmehr zu Ende gegangen. Was bleibt, sind die Erinnerungen an einen begeisterten und leidenschaftlichen Pferdemann, der den Pferdesport in Ottenheim und darüber hinaus über viele Jahrzehnte begleitet und überaus aktiv mitgestaltet hat. Mit ihm verlieren die Pferdesportler eine große Persönlichkeit mit Vorbildfunktion, sie verneigen sich in Respekt und Dankbarkeit und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. (Martin Frenk)
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