Benjamin Werndl: „Das war für mich ein Gamechanger!“
Ohne Reitvereine kein Nachwuchs, ohne Nachwuchs kein Pferdesport und ohne Pferdesport würde doch so einiges fehlen. Die Firma Fendt hat sich gemeinsam mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung über die Förderung des Vereinslebens Gedanken gemacht und sich etwas ganz Besonders überlegt: Unter dem Motto #FENDTastic Team wurde ein Trainingstag mit Gerrit Nieberg, Benjamin Werndl oder Sandra Auffahrt an Reitvereine verlost. Der Reit- und Fahrverein Ludwigsburg hatte diese Chance ergriffen und mit seinem Bewerbungsvideo für Begeisterung gesorgt. „Wir hatten uns schon für den Bundestrainertag im vergangenen Jahr beworben. Nun wurde das Video noch einmal anders geschnitten und siehe da, es hat geklappt“, beschreibt Betriebsleiterin Sabine Klenk freudig. Sie selbst sowie 14 weitere Vereinsmitglieder kamen in den Genuss der Unterrichtsstunde mit Benjamin Werndl, Championatsreiter und zuletzt Bronzemedaillengewinner bei der WM in Herning. Klar war bei den Teilnehmern die Aufregung groß, doch nach der Trainingseinheit zeigte sich die Begeisterung noch viel größer. „Es war einfach nur toll. Er ist sehr individuell auf jeden eingegangen und arbeitet sehr „Pro-Pferd“. Zudem konzentriert er sich sehr auf die Emotionen, also dass wir uns als Reiter vermehrt auf das Positive fokussieren und so den Pferden ein besseres Gefühl vermitteln. Das hat uns glaube ich alle noch einmal weitergebracht“, fasste Linda-Valentina Ruf stellvertretend für die Teilnehmer zusammen. Insgesamt überzeugte eine große Vielfalt: Talentierte Ponyreiterin, junges Pferd oder erfahrene Reiterin – jede Alters- und Leistungsklasse war vertreten, hatte Spaß und erhielt von Benjamin Werndl die vollste Aufmerksamkeit, gar konzentrierte er sich voll und ganz auf jedes einzelne Teilnehmerpaar. „Wir dürfen uns beim Reiten nichts vormachen, sondern wollen der Wahrheit ins Auge schauen“, erläuterte Benjamin Werndl. Zentral in der Arbeit mit dem Pferd sei die ehrliche Leichtigkeit und diese entwickle sich nur aus der Lockerheit. Damit verbunden wurden die Trainingseinheiten von guter Konsequenz sowie einer steten positiven Einstellung zum Partner Pferd begleitet. „Wir müssen unseren Pferden immer wieder signalisieren „Komm lass uns das machen“ und dürfen nicht denken „Du musst das jetzt“. Zudem sollen die Pferde verstehen, was gut war“, erläuterte Benjamin Werndl. Diesen Gedanke nahmen alle Teilnehmer mit, wodurch am Ende sowohl die Reiter als auch die Pferde strahlten.
Wir haben uns mit Benjamin Werndl über den Lehrgang, seine Trainingsphilosophie sowie seine Saison und seine Pläne für das nächste Jahr unterhalten. Zum Abschluss gab der Championatsreiter „exklusive“ Tipps für Reiter:
Auch im Aubenhausen Club, Eurer Onlineplattform, gibt es eine Vereinsaktion. Wieso liegt Ihnen die Unterstützung der Reitvereine am Herzen?
Richtig, wir hatten im Aubenhausen Club eine Vereinswoche. Die Vereine sind die Basis für unseren Sport. Meine Schwester und ich, wir haben auch einmal in einem Verein angefangen. Für den Reit- und Fahrverein Aubenhausen reiten wir heute noch. Auch mit unseren Kindern erleben wir das jetzt wieder mit, wie das Ganze beginnt. Die Vereine leisten viel. Wir sehen uns in der Rolle, dass wir unser Wissen weitergeben. Dennoch lernen wir immer noch jeden Tag mit den Pferden dazu und fühlen uns jetzt nicht allwissend. Es ist schon sehr spannend, was wir bisher gelernt haben. Wir merken, dass wir dadurch vielen Pferden und dadurch auch Reitern helfen können. Wenn man sein Pferd kennenlernen möchte, dann lernt man auch sehr viel über sich selbst. Die Pferde sind einfach so unglaublich gute Lehrmeister für’s Leben. Beispielsweise lehren sie uns, dass man oft weiterkommt, wenn man erst einmal noch einen Schritt zurückgeht. Oder dass man eine gewisse Logik hat indem, was man tut. Ja, diese Liste „der Lehren unserer Pferde“ könnte man unendlich fortführen. Die Arbeit mit den Pferden und auch Reitern ist einfach unglaublich spannend.
Bleiben wir beim Training mit Reitschülern. Was ist Ihnen in der Arbeit mit Ihren (Heim-)Schülern, aber auch bei Lehrgängen wichtig?
Wichtig ist mir, dass man das Liebevolle miteinbringt. Wir sind Dressurreiter und Milimeterarbeiter. Doch bei aller Perfektion darf diese Freude nicht verloren gehen. Die Basis unserer Arbeit bildet die Skala der Ausbildung. Hier fehlt mir jedoch ein Punkt, die Freude. Ich halte sehr viel von der Skala der Ausbildung, aber das ist eben nur der technische Teil. Der emotionale Teil ist auch sehr wichtig. Am Ende geht’s nicht nur um korrektes Reiten und den reinen Erfolg, klar ist das schön und auch eine große Motivation, aber es geht auch um den Spaß. Macht es mir eigentlich Spaß? Macht es meinem Pferd Spaß, was wir da gerade machen? Sind die schwersten Dinge auch wirklich leicht oder versucht man nur so zu tun als ob sie leicht wären. Wenn die Pferde wirklich ihren Körper beherrschen und gut durch gymnastiziert sind und die Kraft haben, dann sind die schwersten Dinge wie Piaff-Passage und Pirouetten leicht. Das ist nicht gefakt, was die Jessi mit Dalera macht oder ich mit Famoso. Das ist einfach ehrlich und wahrhaftig. Auch die Richter merken, ob das wahrer Ausdruck und und wahre Leichtigkeit ist, also echt, oder, ob man versucht etwas vorzutäuschen.
Wie hat Ihnen hier das Training mit den Ludwigsburger Vereinsmitgliedern gefallen?
Ich durfte hier interessante Paare kennenlernen, denen ich hoffentlich gute Impulse mit auf den Weg geben konnte. Egal ob junge talentierte Ponyreiterin, junges Pferd oder erfahrener Reiter, ich hatte bei allen das Gefühl, das ich zu mindestens etwas kleines verbessern oder weiterbringen konnte.
Das vergangene Jahr war für Sie ein besonderes Jahr: Sie haben bei den Weltmeisterschaften in Herning teilgenommen und mit dem Team die Bronzemedaille geholt. Dieses Jahr wurde es etwas schwieriger, da Famoso leider verletzungsbedingt ausfiel. Was waren dennoch Ihre persönlichen Jahreshighlights?
Ich hatte sehr viel Zeit mich mit den jungen Pferden auseinanderzusetzen. Im Moment haben wir sehr vielversprechende junge Pferde im Stall. Außerdem habe ich mich weiterentwickelt. Auch Famoso ist wieder fit und wird demnächst wieder Turnier gehen.
Soll Famoso im Weltcup eingesetzt werden?
Die Weltcupsaison habe ich mit ihm nicht voll eingeplant. Es gibt in acht Monaten ein relativ großes Turnier (lacht), es werden die Olympischen Spiele stattfinden und in genau diese Richtung fokussiere ich mich jetzt. Ich schließe einzelne Weltcup-Stationen nicht aus, aber ich werde nicht zum Weltcupfinale fliegen.
Sie haben ihre Nachwuchshoffnungen gerade selbst angesprochen. Hier sind sicherlich Discover und Dallenio besonders hervorzuheben. Was sind mit ihnen die Ziele in der nächsten Saison?
In der nächsten Saison möchte ich mit all meinen Nachwuchspferden versuchen den nächsten Schritt zu gehen. Dallenio steht kurz vor der Dreisterne-Klasse. Wenn’s gut läuft, soll er nächstes Jahr bei den Stationen des Louisdor Preises eingesetzt werden. Discover ist dieses Jahr Louisdor gegangen. Über den Winter werde ich mit ihm weiterarbeiten, damit er sich weiter festigt.
Dallenio ist der Halbbruder zur frischgebackenen Europameisterin Dalera verwandt. Haben die beiden Ähnlichkeiten?
Ja, sie haben sehr viel gemeinsam. Dallenio hat zum Glück vieles von seiner Schwester. Er ist einen Tick frecher, weswegen ich ihn auch reiten darf (lacht).
Zum Abschluss: Der Weg von den ersten E-Dressuren bis ganz nach oben ist lang und oftmals steinig. Können Sie „exklusive“ Tipps aus Sicht eines Championatsreiters für Reiter aller Altersklassen geben?
Egal, wie hoch hinaus man möchte, man sollte sich immer auf das hier und jetzt berufen. Was ist jetzt der nächste Schritt? Wie kann ich mich jetzt mit meinem Pferd verbessern. Oft ist es auch so, dass man denkt „Wenn ich so ein gutes Pferd hätte, dann wäre ich da auch“. Das ist nicht unbedingt zielführend. Man sollte aus jeder Situation und aus jedem Pferd, das Beste machen und an sich selbst arbeiten. Wenn man sich auf die Entwicklung konzentriert, dann ist man quasi unaufhaltsam. Wenn man sich auf den Erfolg konzentriert, ist man ganz leicht verkrampft. Das war für mich ein Gamechanger als ich das verstanden habe. Erst als ich das wirklich verstanden habe, gings ab. Talent ist nicht entscheidend, sondern vielmehr das ehrliche und liebevolle Arbeiten. (msb)
Übrigens war unsere Fotografin Doris Matthaes live vor Ort. Die Bilder finden Sie schon jetzt in unserem Shop.
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