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Donnerstag, 28.09.2023 um 16:11

Entwarnung: Neue EU-Regeln zu Mikroplastik betreffen die Reiter nicht

Neue EU-Regelung sorgt für Aufsehen. | Foto (Archiv): TomsPic  /  © honorarfreie Nutzung des Bildes

Ein neues scharfes EU-Gesetz zum Verbot von Mikroplastik hat im Moment keine Auswirkungen auf Reitböden – auch wenn der Sand mit Geotextil gemischt ist. Zu dieser übereinstimmenden Einschätzung kommen Funktionäre wie der Württembergische Reiterpräsident Frank Reutter und Juristen wie der Karlsruher Pferderechts-Anwalt Dr. Dietrich Plewa.

Reutter, der gemeinsam mit Südbaden-Geschäftsführer Martin Frenk für die Reiter in einer Arbeitsgruppe am baden-württembergischen Umweltministerium sitzt, gibt Entwarnung: „Der Stoff in unserem Reitboden hat nichts mit dem Mikroplastik zu tun, das in dem EU-Gesetz gemeint ist.“ Das Geotextil werde ja nicht als Mikroplastik ausgebracht, wie zum Beispiel ein millimeterkleines Granulat auf Kunstrasen-Plätzen oder andere Granulatprodukte in Kosmetika oder in Pflanzenschutzmitteln. Mikroplastik durch Reitböden-Zuschlag könne erst durch starken Abrieb entstehen; dann könnte daraus ein Entsorgungsproblem entstehen. Aber ein schnelles Verbot fürchtet er hier nicht.

Genauso sieht es Dr. Dietrich Plewa, der selbst Dressurreiter, - richter und –ausbilder ist. „Im Moment gibt es noch keine bundesweite gesetzliche Regelung dafür, dass ein Boden mit Kunststoffpartikeln nicht verwendet werden darf und damit verbunden bestehende Böden dieser Art sofort ausgetauscht und beseitigt werden müssen. Einzig lässt sich aus dem Abfallbeseitigungsgesetz ableiten, dass ein Boden mit Kunststoffpartikeln nicht einfach irgendwo entsorgt werden darf. Die Entsorgung muss als Sondermüll erfolgen. Auch gibt es noch keine gesetzliche Grundlage für Verbote, die in ein paar Jahren gelten sollen. Aktuell ist diesbezüglich noch keine Panik angesagt, eher eine gewisse Besorgnis bezüglich des Entsorgens. Denn das ist relativ kostenaufwändig.“

So Plewas Statement auf Anfrage der Matthaesmedien.

Auf die Entsorgung kommt es an

Reutter, der als Architekt auch Baufachmann ist, sprach sogar von einem „verhaltenen Optimismus“ , was die Argumentation der Reiter beim Umweltministerium angeht. „Was Sicherheit, Tierwohl und Wasserersparnis angeht, konnten wir schon viel Aufklärung für textile Zusatzstoffe leisten“, betont er. Er kündigte an, dass noch in diesem Jahr Ergebnisse aus der AG bekannt gegeben werden sollen.

Reutter verwies darauf, dass die aktuelle Gesetzesverschärfung keine Überraschung ist und auch schon Thema in der Arbeitsgruppe war. „Weil wir wissen, wie kritisch das alles verfolgt wird, begleiten wir diesen Prozess ja, um ein Verbot zu vermeiden“, erklärte er. Unter anderem deshalb baue man den Reitervereinen im Moment mit einer Verbandsförderung des Rückbaus von Textil-Plätzen und der Förderung biologischer Stoffe eine Brücke. Seiner Einschätzung nach besteht derzeit keine Gefahr des Verbots von Geotextil im Reitboden. Wenn es Fachfirmen gelinge, künftig die Entsorgung durch eine sorgfältige Trennung von Sand und Stoff zu verbessern, könne Geotextil im Reitboden sogar eine Zukunft haben.                 rok

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