Warendorf: Francis – Der schüchterne Streber
Im vergangenen Jahr wurde die Altersklasse der siebenjährigen Dressurpferde auf den Warendorfer Bundeschampionaten aufgenommen. Zwei Dressurpferdeprüfungen der Klasse S stehen hierfür auf dem Programm, wobei es sowohl die aus Reitpferde- und Dressurpferdeprüfungen bekannten Einzelnoten gibt, aber auch eine Technik-Note in Prozent vergeben wird. Auch in diesem Jahr wurde das Angebot gut angenommen. Nach ihrem Vizetitel im vergangenen Jahr mit ihrem DSP Sheldon Cooper hat es Carina Harnisch auch in diesem Jahr wieder ins Finale geschafft. Dieses Mal sitzt sie im Sattel von Francis (Franziskus – Feiner Stern, Z.: Manfred Bauer, B.: Thi Thoa Rother). Ob sie diesen nächsten Finaleinzug erwartet hat? „Ich wusste, dass er das Zeug hat ins Finale zu laufen. Doch dass es bei diesem starkbesetzten Starterfeld für den direkten Finaleinzug reicht, hätte ich nicht erwartet“, beschreibt Carina Harnisch.
Francis und Carina Harnisch kennen sich schon lange. Der Württemberger ist vierjährig bei Harnisch eingezogen. Seitdem macht er mit der Dressurausbildern die Vierecke „unsicher“ und bereitet seiner Besitzerin Thoa Rother zu Hause viel Freude. 2019 wurde Francis erstmals von Björn Steigauf auf Turnieren in Reitpferdeprüfungen vorgestellt, 2021 folgten mit Carina Harnisch die ersten Starts in Dressurpferdeprüfungen. Der vorzeitige gemeinsame Höhepunkt war der erste S-Sieg beim Dressurturnier in Öhringen-Cappel vor wenigen Wochen. „Er ist kein typischer Franziskus. Aber er hält gerne mal die Luft an und ist eingeschüchtert“, beschreibt Carina Harnisch. Diese „Probleme“ seien besonders in jungen Jahren ein großes Thema gewesen, werden nun jedoch immer besser. Demgegenüber besticht Francis durch eine große Stärke. „Francis lernt extrem schnell. Hier auf dem Bundeschampionat starten etliche Pferde, die sicherlich bessere Grundgangarten haben. Diesen kann Francis jedoch mit seiner hohen Lektionssicherheit trotzen“, erläutert Harnisch. Francis ist eben ein echter Streber. In der Finalqualifikation schnappten sich die beiden den elften Platz und schafften es damit sofort ins Finale. „Er war doch sehr aufgeregt und von der Kulisse beeindruckt. Doch nach ein paar Runden hat er sein Herz in die Hand genommen und wollte einfach wie ein echter Streber glänzen. Das ist Francis und dafür lieben wir ihn“, fasst Carina Harnisch zusammen. Die hohe Lektionssicherheit beeindruckte auch im heutigen Finale. So bestätigte die Kommentatorin Nicole Nockemann eine schon hohe Lektionssicherheit sowie eine routinierte Vorstellung. Den elastischen und sich gut im Gleichmaß befindende Trab bewerteten die Richter mit einer 8,0, wobei sie sich vor allem in den Verstärkungen noch mehr Aktivität aus der Hinterhand wünschten. Der Schritt zeigte sich sicher im Takt, jedoch wünschten sich die Richter noch mehr Raumgriff (7,0). Nach Nicole Nockemann stehe der Galopp sicher im Dreitakt mit erkennbarer Schwebe. Doch auch hier könnte sich die Hinterhand noch aktiver zeigen (7,7). In den Noten für Gehorsamkeit und Gesamteindruck standen eine 7,5 und eine 7,7, was in der Note für Qualität im Total 76 Prozent ergab. Hinzu kam die technische Note von 72,2 Prozent, woraus eine Endnote von 74,1 Prozent resultierte. Doch nicht nur die Prozentzahl zeigte sich äußerst zufriedenstellend, auch ergatterten sich die beiden einen guten 13. Platz. Man kann sagen, dass sich der kleine, große Francis im Finale mit den bundesweit besten siebenjährigen Dressurpferden wahrlich tapfer geschlagen hat! (msb)
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