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Mittwoch, 31.05.2023 um 17:30

Hamburg: PETA stellt Strafanzeige gegen Tim Honold nach Sturz vom Derby Wall

© honorarfreie Nutzung des Bildes

PETA Deutschland e.V. wird nach Vorfällen im Rahmen des Hamburger Derbys 2023 gegen zwei Reiter Strafanzeige stellen, das ließ Deutschlands größte Tierrechtsorganisation heute in einer offiziellen Pressemitteilung verlauten. Unter den Angeklagten befindet sich neben Falk Römmer auch der für Baden-Württemberg startende Tim Honold, 21-jähriger Jungprofi aus Memmingen.

Zum Vorfall: Tim Honold startete in Hamburg mit dem neunjährigen KWPN-Wallach Jack Daniels. Aus der ersten Qualifikation (1,45 Meter) am Mittwoch kam das Paar mit 12 Strafpunkten. In der zweiten Qualifikation über 1,50 Meter kam es am berüchtigten Derby-Wall zum Sturz. Noch vor dem Anreiten des Walles hatte Honold bereits 16 Strafpunkte auf dem Konto, dennoch entschied sich der gelernte Pferdewirt für das Reiten des geschichtsträchtigen Walles. Auf dem Wall selbst kam der Reiter nicht zu seinem Wallach durch, dieser sprang infolgedessen ungebremst den drei Meter hohen Wall hinab und stürzte schwer. Ein fatales Bild, den tausenden Zuschauern in Hamburg stockte lautstark der Atem. Pferd und Reiter konnten den Parcours auf allen zwei bzw. vier Beinen verlassen.

In der Pressemitteilung von PETA heißt es dazu: „Am 19. Mai kam es bei der zweiten Qualifikation für das Spring-Derby in Klein Flottbek (Hamburg) zu zwei schweren Stürzen. Als der Reiter Tim Honold das Pferd Jack Daniels über den 3 Meter hohen Derby-Wall treiben wollte, sprang das Pferd von der oberen Kante ab und stürzte in die Tiefe. Wenige Augenblicke später prallte es mit Oberkörper, Kopf und Hals ungeschützt auf den Boden auf. (…) Tim Honold und Falk Römmer setzten die Tiere dennoch massivem Leid und großen Gesundheitsgefahren aus. PETA hat daher gegen beide Reiter bei der Staatsanwaltschaft Hamburg Strafanzeige erstattet.“

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Tim Honold ist gelernter Pferdewirt. Er absolvierte die ersten zwei Jahre seiner Ausbildung bei Markus Merschformann und beendete diese letztendlich erfolgreich im heimischen Betrieb der Eltern. In dem Ausbildungsstall ist der 21-Jährige nach wie vor tätig. Als das Reiterjournal an diesem Nachmittag Kontakt aufnimmt mit dem jungen Memminger, wusste der noch nichts von dem Vorgehen der PETA.

Mit einem Blick in die FN-Erfolgsdatenbank kann man feststellen, dass Tim Honold und den neunjährigen Jack Daniels noch nicht allzu viele gemeinsame Erfolge verbindet. So waren sie im Februar gemeinsam in einem M*-Springen platziert, im April in einem Zwei-Phasen-S* in Langenau. Die Hintergründe dennoch einen Start beim Hamburger Derby gewagt zu haben, begründet der 21-Jährige wie folgt: „Jack Daniels ist ein neunjähriges Pferd, den wir das ganze Jahr behutsam auf das Großereignis, dem Hamburger Derby, aufgebaut haben. Wir sind regelmäßig (alle zwei, drei Wochen) zu den Derby-Trainingsparcours in Ostdeutschland gefahren. Das steht letztendlich komplette Derby-Parcours. Der Wall hat eigentlich immer am besten geklappt. Ansonsten haben wir ihn ländlich normale 1,40/1,45-Meter Parcours geritten.“

Auf die Frage des Reiterjournals, warum er sich trotz der vorangegangenen Fehler für einen Start in der zweiten Qualifikation und dort dann auch dem Anreiten des Walles entschieden hat, erklärt Honold: „Unser eigentlicher Plan war, dass wir die erste Qualifikation und dann das Speed-Derby reiten, eben um ihn behutsam an diese Aufgabe heran zu führen. In der ersten Qualifikation hat er sich trotz der drei Abwürfe super angefühlt, total mutig und überhaupt nicht überfordert. Er hat sich sehr sicher gezeigt. In Absprache mit den Besitzern und haben wir dann beschlossen, dass wir auch die zweite Qualifikation reiten. Dass das Ganze dann so ausgeht, hatten wir wirklich nicht erwartet. Wir waren uns sicher, dass nichts passieren wird. Den Wall und alle anderen Hindernisse hat er gekannt und auch im Training gut gesprungen.“ Tim Honold betont, dass er sich „nicht besser mit seinem Pferd hätte vorbereiten können“. Er sagt: „Das Derby ist einfach etwas Besonderes. Man kann es mit keinem anderen Parcours vergleichen.“ Die Ausnahmesituation in Hamburg beschreibt der Pferdewirt wie folgt: „Das Pferd ist neun Jahre alt. Ich bin jetzt 21 Jahre alt und es waren 30.000 Zuschauer vor Ort. Natürlich war in der Prüfungssituation dann alles anders. Es ist eine andere Atmosphäre. Das hat uns beide unter Druck gesetzt. Wenn man zum Wall reitet, klackt es nur so an Fotografen. Man muss letztendlich wirklich sagen, dass wir alle froh sein können, dass nichts Schlimmes passiert ist. Jack Daniels wurde sofort von einem Tierarzt untersucht und wir haben ihn auch danach gleich in eine Tierklinik zur weiteren Untersuchung gefahren. Er hat wirklich nichts. Zu Hause ist er für einige Tage auf die Koppel gekommen. Vor wenigen Tagen haben wir mit kleinen Sprüngen begonnen, die er mit freudigen Bocksprüngen absolvierte.“ so Honold zum Wohlergehen des Wallachs, der bevor er in den Stall der Honolds wechselte, unter Philipp Schober hauptsächlich in CSI1* und CSI2*-Springen in Polen eingesetzt worden war.

Im Zuge der Recherchen haben wir auch die Veranstalter des Hamburger Derbys, die EN GARDE Marketing GmbH, um eine Stellungnahme zu den Vorfällen gebeten. Unter anderem stellte sich der Reiterjournal-Redaktion die Frage, ob ein Richter den Reiter nach 16 Strafpunkten nicht bereits vor dem Wall hätte abklingeln müssen. Volker Wulff, Geschäftsführer der En Garde, sagte darauf: „Wir als Veranstalter organisieren, dass Richter die Prüfung betreuen, haben aber keinen Einfluss darauf, wie diese handeln. Wir vertrauen auf ihre Ausbildung und ihre Erfahrung, die Entscheidung, ob ein Reiter aus dem Parcours genommen werden sollte oder nicht, liegt im Ermessen des Richters.“ Wulff lässt im weiteren Gespräch verlauten, dass er Vorfälle wie diese bedauere und man sich mit der Sportabteilung der FN über das weitere Vorgehen beraten wolle. Auch wolle man darüber nachdenken, zukünftig die angemeldeten Reiter und Pferde vor dem Derby-Start noch genauer auf vorangegangene Erfolge zu überprüfen. PETA hatte auch den En Garde- Geschäftsführer Volker Wulff zum Zeitpunkt des Telefonats (noch) nicht in Kenntnis gesetzt, und das obwohl auch die Veranstalter in der Pressemitteilung scharf kritisiert werden. (akb)

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