Ein reicher Tag auf dem Maimarkt
Der Frau gehört der Zukunft: Alessandra Reich, 27-jährige Springreiterin vom Bodensee, macht auf dem Mannheimer Maimarkt gerade von sich reden. Unter der Flagge Österreichs, wo sie geboren ist, reitet sie im Mühlfeld in der Spitze mit. Schon am Sonntag gehörte sie zum Nationenpreis-Team des Alpenlandes, zog sich mit jeweils einem Abwurf sehr achtbar aus der Affäre. Dabei ist ihr Top-Pferd Oeli gerade mal neun Jahre alt, der routinierte Lloyd hat Pause. In Oelis Sattel wurde sie im vergangenen Juli schon baden-württembergische Landesmeisterin in Baden-Württemberg, denn Ausländer dürfen Landesmeisterschaften reiten. Nur eben keine Deutschen Meisterschaften. Alessi Reich stammt auch einer Sportler-Familie. Ihr Bruder war im Ski-Weltcup unterwegs. Die Mutter, eine hochrangige Telekommunikations-Managerin, spielt international Golf, der Vater ist Experte für Sportmarketing. Die Familie ist vor allem: zielstrebig. Mit Pferden hatten sie allerdings nichts zu tun, bis die Tochter im Urlaub mit dem Ponyreiten anfing. Nun machen sie es wie immer beim Sport: Ganz oder gar nicht.
Ein Leben am Bodensee
Seit einigen Jahren lebt und trainiert „Alessi“ Reich am Bodensee, bewohnt ein eigenes kleines Häuschen und belegt einen eigenen Stalltrakt auf dem mondänen Weiherhof in Radolfzell, wo auch internationale Vielseitigkeitsturniere stattfinden. Sie absolviert ein Management-Fernstudium an der Uni in Zürich. Aber überwiegend reitet sie.
Von Baden-Württemberg aus ist sie nach und nach in die europäische Spitze vorgestoßen. Schon bei den Weltmeisterschaften 2022 in Herning gehört sie zum österreichischen Team. Neulich beim Weltcup-Springen in Oslo wurde sie Elfte.
Am Montag war ein „reicher“ Tag auf dem Maimarkt: Im Sattel der erst siebenjährigen Zangersheide-Stute Galadermie siegte sie im Finale der Jungpferde-Tour. Nachmittags in der Großen Tour, der zweiten Qualifikation zum Großen Preis, belegte sie mit der ebenfalls erst neunjährigen Stute Anyway van het Kervijnhof Rang vier. Damit ist sie erstmals für die Mannheimer „Badenia“ qualifiziert, einem der großen deutschen Klassiker, dotiert mit 85 000 Euro. Dann wird sie wieder den neunjährigen belgischen Wallach Oeli einsetzen, erstmals über das Höchstmaß von 1.60 Meter. Sie geht – wie immer – mit einer gewissen Leichtigkeit an die Aufgabe heran. Die „Badenia“ könnte ein Meilenstein für weitere Aufgaben sein: Auf ihrem Plan stehen die Europameisterschaften in diesem Jahr in Italien und 2024 die Olympischen Spiele in Paris. Und einen Plan hat sie schon immer gehabt.
In der Mannheimer „Badenia“ trifft sie auf die Welteltite, die vom aktuellen Triple-Meister Hendrik von Eckermann angeführt wird. Auch der neue deutsche Nachwuchsstar Philipp Schulze-Tophoff, der erfolgreichste deutsche Reiter im Nationenpreis am Sonntag, wird satteln. Drei Reiter sind am Start, die schon einmal auf der Siegerwand stehen, die am Richterturm des Mühlfeld-Stadions hängt: David Will siegte vor exakt zehn Jahren im Sattel des Württemberger Schimmels Colorit, Vielseitigkeits-Star Michael Jung stand im Corona-Jahr 2021 ohne Publikum mit FischerChelsea vorne. Und frühere Weltmeisterin Simone Blum hatte 2019 mit ihrer DSP Alice das geschafft, was es ganz selten gibt: Nach dem Championat von Mannheim sonntags noch den Sieg in der Badenia am Dienstag. Auch Hansi Dreher greift nochmal an.
Roland Kern
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