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Montag, 17.04.2023 um 16:23

Klaus Dieterich: „Wir müssen alle umdenken“

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„Wir müssen alle umdenken, wenn wir uns nicht selbst helfen, hilft uns niemand.“ Mit einem flammenden Appell an die Delegierten hat Landesverbandspräsident Klaus Dieterich am Montag in Bietigheim-Bissingen beim „Landtag der Reiter“ seinen ersten Jahresbericht gehalten – er wurde zu einer schonungslosen Analyse, die am Ende aber auch eine Portion Hoffnung zuließ.

„Wenn wir nichts ändern, verlieren wir die Jugend“, stellte Dieterich fest. Obwohl die Gesamtmitgliederzahl der 844 Reitervereine im Land nach der Coronakrise im Jahr 2022 insgesamt stabil, sogar ganz leicht steigend war, so seien die Zahlen bei den Kindern und Jugendlichen „erschreckend“, so Dieterich.

„Die Zukunft selbst in der Hand“

Als Vorsitzender des Reitervereins in Bietigheim-Bissingen, aber auch bei vielen Gesprächen im Land stelle er fest, dass die Faszination Pferd sowie der Bedarf an Ausbildung und Unterricht „riesengroß ist“. Allerdings: „Wir müssen ihn auch decken.“  Der Präsident forderte ein deutliches Bekenntnis zum Reitenlernen in den Vereinen und Betrieben, auch und vor allem bei den Ausbildern, Trainern und Reitlehrern. Der Landesverband und die Regionalverbände müssten helfen mit der Förderung von Ausbildung und Unterricht. Zuschüsse für Schulpferde und Ausbildung seien erforderlich. „Wir müssen in die Vereine und Betriebe gehen und mit den Vorsitzenden reden, Face to Face“, erklärte der Präsident. Denn die positive Schlussfolgerung ist seiner Ansicht nach: „Wir haben die Zukunft unseres Sports selbst in der Hand.“

Zuvr hatte Dieterich die aktuellen Herausforderungen für den Sport in diesen Bereichen definiert: Sinkende Zahl von Pferden, die Kostensteigerungen, stagnierende und zurückgehende Mitgliederzahlen, das Ansehen des Pferdesports, die rückläufige Zahl der Turnierteilnehmer (auch wegen eines zu komplexen Systems) – was wiederum die Kostenstruktur der Verbände in Schieflage bringt.

Das waren klare Worte und eine scharfe Analyse des Berichts, der den Delegierten schon mit der Einladung versendet worden war.

Mitgliederzahl insgesamt stabil, aber die Jugend geht verloren

Ganz grundsätzlich und auf den ersten Blick haben die Reitervereine in Baden-Württemberg die Corona-Krise weitgehend stabil überstanden. „Der Abwärtstrend der Mitgliederzahlen in der Coronapandemie hat sich 2022 glücklicherweise nicht fortgesetzt. Im Gegenteil, die Mitgliedszahlen konnten minimal um 0,07 Prozent gesteigert werden.“ So heißt es im Jahresbericht von Miriam Abel, der Geschäftsführerin von Landesverband und Landeskommission. Der „Landtag der Reiter“ tagte zum ersten Mal in Bietigheim-Bissingen, dem Wohnort des Landespräsidenten Klaus Dieterich, der jetzt auf sein erstes Amtsjahr zurückblicken konnte.

Der Pferdesportverband Baden-Württemberg hatte zum Ende 2022 exakt 97 094 Mitglieder. Damit hält er seine Position als mitgliederstärkster Landesverband innerhalb der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Es folgen die Verbände Westfalen (95 890 Mitglieder), Bayern (85 491 Mitglieder) und Hannover (78 944 Mitglieder) auf Rang zwei bis vier. Die Anzahl der Vereine ist erneut minimal zurückgegangen:  Von 848 auf 844.

Dann das Detail aus der Analyse des Präsidenten: Betrachtet man die Mitgliederstärke in den unterschiedlichen Altersklassen so fällt auf, dass die Vereine im Verband bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen insgesamt einen Rückgang von 317 Mitglieder zu verzeichnen hat, alleine bei der Altersklasse U14 sind es 143 Mitglieder. Der Zuwachs bei den Erwachsenen gleicht das insgesamt noch aus. Aber wie lange noch?

Turniersport rückläufig – aber nicht überall

Gar nicht erfreulich sieht es aktuell im Turniersport aus. Geschäftsführerin Miriam Abel führt das unter anderem auf den Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Preissteigerungen zurück. Beim Vergleich mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sind die Zahlen besorgniserregend. „Die Anzahlder  Mitglieder, die eine Jahresturnierlizenz beantragt haben, ist deutlich zurückgegangen. Dies hat man insbesondere im Springen an geringen Nennungsergebnissen und entsprechend kleinen Starterfeldern gemerkt“, so die Geschäftsführerin. Insgesamt 108 Veranstaltungen, davon 89 Pferdeleistungsschauen und 19 breitensportliche Veranstaltungen wurden abgesagt. Die zum Teil schlechten Nennungsergebnisse führten dazu, dass 15 Veranstalter ihre Turniere noch vor Nennungsschluss oder kurz danach absagten.

Die Zahl der reinen Pferdeleistungsschauen ist im Vergleich zu 2019 um 6,7 Prozent gesunken. Die reinen breitensportlichen Veranstaltungen liegen noch um 14 Prozent hinter dem Wert von 2019.  Ähnlich stellt sich die Situation bei den Prüfungen dar. Nur bei den Prüfungen der Klasse E Bereich ist ein Zuwachs zu verzeichnen. Über alle anderen Prüfungsklassen hinweg wurden allerdings zwischen 13 Prozent und 25 Prozent weniger Prüfungen angeboten. Die Anzahl der Starts auf Turnieren ist gar um fast 29 Prozent zurückgegangen

Nur bei den Fahrprüfungen ist die Entwicklung nicht nur im Vergleich zum Vorjahr positiv, sondern auch verglichen mit den Vor-Coronajahren. In 2022 haben in Baden-Württemberg so viele Fahrprüfungen stattgefunden wie zuletzt in 2007. Im Vergleich zu 2019 wurden 12,5 Prozent weniger Turniersport-Lizenzen beantragt. Der Anteil der organisierten Pferdesportler in Baden-Württemberg, die am Turniersport teilnehmen wolllen, lag im Berichtsjahr bei 8,59 Prozent (rok/Fotos: D. Matthaes).

 

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