Reitmeister Udo Lange zum 80. Geburtstag
Wohl niemand hat den Dressursport in Süddeutschland in den vergangenen 50 Jahren mehr geprägt als der Reitmeister und internationale Dressurausbilder Udo Lange. Er ist eine Legende zu Lebzeiten und feiert am heutigen 13. April seinen 80. Geburtstag – bei erfreulich guter Gesundheit, voller Tatendrang, allerdings auch mit Dankbarkeit und Demut gegenüber den Pferden, die sein Leben zu dem gemacht haben, was es geworden ist. Wer seine aktive Zeit im Dressurviereck zumindest teilweise begleitet hat, der hat Erinnerungen an Auftritte des Reitmeisters, die er nicht mehr vergisst. Es waren Ritte für die Ewigkeit dabei. Udo Langes Lebengeschichte ist eine vom „Flüchtlingskind zum Reitmeister“.
Als er 1943 in der Nähe von Dresden auf die Welt kommt, tobt der Krieg. Die Mutter flieht mit dem Jungen 1948 aus der „Ostzone“ (und künftigen DDR) in den Westen. Nur mit dem Hab und Gut, das sie bei sich haben. Die kleine Familie verschlägt es in den Ort Düren bei Köln: Eine Pferdegegend. Zum Glück.
Lehre bei Paul Stecken in Münster
Dort gibt es einen Reitlehrer namens Otto Nagel, der den Nachbarjungen im Stall helfen lässt – und manchmal auch reiten. Er erkennt sein Talent, schätzt seinen Fleiß und seine Zähigkeit. Die Berufsreiterwelt ist klein damals. Jeder kennt jeden. Als Udo die Schule beendet hat, schickt Nagel ihn zur Bereiterlehre an die Westfälische Landesreitschule. Diese wird vom großen Hippologen Paul Stecken geleitet. Er wird sein erster und prägender Lehrmeister. Anfang der 60er-Jahre empfiehlt Paul Stecken den jungen Bereiter an seinen alten Freund Herbert Wilhelm Aust, der damals in Ludwigsburg den führenden Dressurstall in Baden-Württemberg leitet. So kommt Udo Lange in den Süden und nach Baden-Württemberg. Die nächsten 53 Jahre wird er dort wirken. 1968 holt der Stuttgarter Bauunternehmer Epple Udo Lange an seinen Turnierstall und macht ihn beritten. 1971 reitet Lange seinen ersten Grand Prix; solche Wettbewerbe muss man damals lange suchen.
Auch die Werndls holen Udo Lange
Schon 1975 macht sich Lange selbstständig, zunächst in Büchenbronn bei Pforzheim. 1977 wird er erstmals Landesmeister in Baden-Württemberg, weitere sechs Titel auf Landesebene werden folgen. Ein Jahr später in München wird Udo Lange zum ersten Mal Deutscher Berufsreiterchampion. Seine Serie von sechs nationalen Titeln bleibt lange ein Rekord.
In den 80er-Jahren besteht das Bereiterteam an seinem Stall aus den besten jungen Berufsreitern des Landes: Olaf Nowak, Andreas Vornmoor, Wolfgang Reulen, Götz Brinkmann, Martin Waldvogel - dazu kommt ein junger Holländer namens Ton de Ridder, der später selbst internationaler Championatstrainer werden sollte. Eine junge Frau lässt sich mehrmals im Monat aus Paris einfliegen, um in Büchenbronn zu trainieren: Margit Otto-Crepin, sie wird ein paar Jahre später Europameisterin.
Furioso, Walamo, Isanto, Fashion und Impuls sind seine besten Pferde in dieser Zeit. Seine Auftritte im Viereck sind von hoher Konzentration und Präzision geprägt. Er ist nahe an der Perfektion. Willy Schultheis, damals Bundestrainer der deutschen Dressurreiter, empfiehlt seinen Schülern: „Schaut Euch den Lange an, so reitet man Aufgaben.“
Unvergessene Momente sind die Landesmeisterschaften in Baden-Württemberg, die damals im Pferdewechsel-Finale entschieden werden. Die Pferde der Konkurrenten wachsen unter dem Sattel Udo Langes über sich hinaus. Es sind Sternstunden des Dressursports.
1990 nach der Wende erhält Lange vom damaligen Ausbildungschef der FN übrigens einen Sonderauftrag: Als Honorartrainer des DOKR trainiert er einige Zeit die Dressurprofis in den neuen Bundesländern. So leistet der gebürtige Sachse nun Aufbauhilfe Ost.
In den 90er-Jahren ernennt die FN Udo Lange zum Reitmeister, er trainiert Dressurreiter auf der ganzen Welt, auch in den USA und Kanada. Die Frau an seiner Seite ist damals und lange Jahre die kanadische Championatsreiterin Christilot Hanson-Boylen, sieben olympische Spiele ist sie geritten. Ihre letzte gemeinsame Station im Süden ist der Gammertshof in Röttingen bei Würzburg. Zu seinen Schülern damals gehören auch Jessica und Benjamin Werndl.
„Ich will jedes Pferd verstehen“, beschreibt er. Bevor er in der Halle Unterricht gibt, schaut er sich die Pferde in der Box an, will spüren, ob sie zufrieden sind – oder was ihnen fehlt. Udo Lange ist Reitmeister und Horseman. Roland Kern
(Ausführliches Portrait in den aktuellen Ausgaben von Reiterjournal und BayernsPferde).
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