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Donnerstag, 20.07.2017 um 18:06

Isabell Werth und Deutschland führend

© honorarfreie Nutzung des Bildes

Mit Spannung wurde das erste Freilandturnier dieser Saison von Isabell Werth und Weihegold OLD erwartet, die in Balve bei den Deutschen Meisterschaften aufgrund einer Verletzung der Don Schufro-Tochter Dispens hatten. Nach dem Sieg beim Weltcup-Finale in Omaha waren die beiden kein Turnier mehr gegangen. Und das Paar zeigte, warum es aktuell die Nummer eins in der Welt ist: Mit 83,171 Prozent war der Sieg im Grand Prix beim CHIO Aachen deutlich. US-Amerikanerin Laura Graves, die im Vorfeld eine Kampfansage an Werth machte, musste sich dann doch mit Rang zwei und 79,514 Prozent zufrieden geben. Doch die stärkste Konkurrentin hatte auch Fehler in den Zweier-Wechseln. Isabell Werth jedenfalls sprudelte wieder zufrieden los: "Weihe war sehr fokussiert und konzentriert. Ich glaube, sie war glücklich, sich wieder präsentieren zu können." Einziger Fehler in der Prüfung: Der Wechsel zwischen den Pirouetten war nach der Hilfe gesprungen.

Dritter im Grand Prix wurde Sönke Rothenberger (GER) mit 78,757 Prozent auf Cosmo. Damit liegen die Deutschen deutlich vorne vor dem Special mit insgesamt 236,457 Prozent vor den USA mit 222,842 Prozent und den Dänen mit 218,457 Prozent.

Vorgelegt hatte Dorothee Schneider mit Sammy Davis Jr. - ihr Rio-Pferd Showtime ist verletzungsbedingt für die diesjährige Euro keine Option. Mit 74,529 Prozent brachte die Mannschafts-Goldmedaillengewinnerin von Rio ein gutes erstes Ergebnis zu Protokoll. “Als erster Starter ist es nicht immer ganz so einfach”, erklärte Schneider. “Aber jetzt fällt erstmal ein bisschen Druck ab.” Der elfjährige Rappe hatte bei seinem ersten Auftritt im Aachener Dressurstadion etwas die Luft angehalten, wie Schneider berichtete. “Er hätte ein bisschen mehr oben ran ziehen können. Er hat sich ein bisschen weggeduckt. Aber er war nicht richtig nervös, nur etwas selbstbewusster hätte er sein können.”

Enttäuscht war der zweite Starter im deutschen Team nach seinem Ritt, Hubertus Schmidt. Sein Trakehner Hengst Imperio blieb mit 71,371 Prozent deutlich unter seinen Möglichkeiten. Die Chancen auf einen Einsatz in Göteborg bei der EM nach der Reservistenrolle in Rio sind – vor allem nach dem Auftritt von Helen Langehanenberg im gestrigen CDI-Grand Prix – deutlich gesunken. “Das muss ich realistisch sehen”, so der 57-Jährige. “Wir haben einfach gute Paare. Ich habe mir das anders vorgestellt. Das war heute die Höchststrafe. Aber wir haben jetzt zwei Tage Pause und vielleicht können wir ja noch mal durchstarten. Wir gucken mal, wie es weiter geht.” Eine richtige Erklärung für das Summieren der Fehler hatte Schmidt nicht: “Eigentlich fühlte er sich richtig gut an. Im Trab ist er normal eine sichere Bank. Dass er da gleich am Anfang so einen Patzer hat, ist natürlich nicht gut für das Gesamtbild. Dann kommt das Äppeln im Schritt dazu und in den Piaffen hätte ich mir auch mehr gewünscht.”

Sönke Rothenberger folgte als Dritter in der Mannschaft von Monica Theodorescu. Mit dem zehnjährigen Cosmo wurden es 78,757 Prozent. Der Reiter aus Bad Homburg war jedoch auch nicht gänzlich zufrieden: “Das Pferd war in einer super Verfassung, aber der Reiter nicht ganz konzentriert.” In der Zick-Zack-Traversale ritt Rothenberger jeweils einen Galoppsprung zu viel. “Das hat richtig reingehauen”, so der 22-Jährige. Auch im Rückwärtsrichten gab es Abzug für das Paar. “Ich wäre schon gerne an die 80 Prozent rangekommen”, erklärte der Goldmedaillengewinner vom Vorjahr. “Ich habe dann heute aber auch etwas Druck verspürt, nachdem die Punkte bei den anderen vielleicht nicht so waren wie erwartet.”

Die deutsche Bundestrainerin Monica Theodorescu zog ein Zwischenfazit: "Ich bin sehr zufrieden. Hubertus hatte Pech mit dem Erschrecken gleich zum Auftakt und dann waren die Punkte nicht euphorisch. Aber er hat eine gute Runde gezeigt. Doro hatte schon gut vorgelegt. Es ist beeindruckend, wie sauber sie da durchgeritten ist und das in der ersten Grand Prix-Saison des Pferdes - die beiden haben eine tolle Entwicklung gemacht. Sönkes Pferd ist in einer tollen Verfassung. Das mit dem Zählen müssen wir noch üben, aber die beiden hatten gigantische Höhepunkte. Naja, und Isabells Stute war nach der langen Pause einfach souverän. Ihr fällt alles leicht und alle Kriterien, die der Grand Prix verlangt, sind bei ihr Spitzenklasse." (mos)

Foto: Stefan Lafrentz

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