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Freitag, 06.01.2017 um 08:06

Fräulein Julias Gespür für Schnee

Sie hat, wie Fräulein Smilla in den berühmten Roman, ein besonderes Gespür für Schnee.
© honorarfreie Nutzung des Bildes

Kein Wunder. Mitte letzten Jahres hat sich Julia Kühn (die unter ihrem Mädchennamen Julia Machat noch bekannter ist) für eine besondere Art des Berufsreiter-Daseins entschieden. Mit ihrem Mann und Berufskollegen Nikolaus „Nikl“ Kühn ist sie auf die Reitanlage des Handschuhsheimer Landwirts Heinrich Hack am Neckarufer umgezogen. Dort gehören beide zu den gefragtesten und erfolgreichsten Ausbildern Baden-Württembergs. Beim „Hacke-Heiner“ gibt es keine Heizung und keine Reithalle. Alles Natur. Das gefällt Julia und Nikl Kühn.

Im Moment, wo es garstig und frostig ist, mischen sie Magnesium in den Sand ihres Reitplatzes, damit er nicht gefriert. Ein Traktor muss mehrmals am Tag den Boden aufreißen. Aber es geht. Julia Kühn reitet auch im Schnee. Und das ganz schön gut.

Wie jetzt wieder zum Höhepunkt des Dressurteils am „Wolf-Turnier“ auf den Birkighöfen bei Eppelheim zu sehen war. Julia Kühn, Pferdewirtschaftsmeisterin, Trägerin des Goldenen Reitabzeichens und Ausbilderin mit beachtlicher Eleganz, war dabei die beherrschende Sportlerin. Sie siegte nicht nur in der S-Dressur sondern platzierte weitere zwei Pferde unter den ersten fünf. Die arktischen Temperaturen und der Schnee kamen der Allwetter-Reiterin wohl sehr entgegen. Sie ist die Eis-Prinzessin der Dressurreiterei in Nordbaden.

Den überlegenen Sieg mit 70 Prozent der Punkte sicherte sie sich im Sattel des stattlichen Hannoveraners Borgetti von Breitling. Wie einige andere Pferde im Kühn-Stall steht die jetzt 15-jährige Fuchsstute im Besitz der Heidelberger Mäzenin Irmgard Berendsen – die Frau ist ein Segen für den Dressursport in der Region. Mit dem neunjährigen Westfalen Airforce, ebenso ein Berendsen-Ross, und dem dreizehnjährigen Faiano (dito) belegte sie die weiteren Plätze. Das war ein Saisonauftakt nach Maß für Julia Machat – sie hat alle anderen eiskalt erwischt.

Dabei war es gar nicht so einfach beim Saisonauftakt der Republik, der traditionsgemäß in Eppelheim stattfindet. Ann-Kathrin Lindner aus Weinsberg, zuletzt Zweite im baden-württembergischen Hallenchampionat, rückte am nähesten an die Siegerin heran, bis auf 17 Punkte. Mit der Oldenburger Stute Dulcia wurde sie Zweite, zwei Plätze vor der Hirschbergerin Anna-Louisa Fuchs mit ihrem Sympathikus; sie war immerhin in der Saison 2016 bundesweit die erfolgreichste Junge Reiterin überhaupt. Die jetzt 22-jährige Studentin will in diesem Jahr bundesweit in der „U25“-Altersklasse mitmischen, und sie hat gute Chancen. Anfang Februar steht für sie ein wichtiger Sichtungslehrgang in der deutschen Reiterzentrale Warendorf an.

Mit dem Dressurteil hat das „Wolf-Turnier“ erst ganz langsam angefangen. Mittlerweile ist der Springsport schon im Gange. Zu den Teilnehmern gehören internationale Reiter wie Hans-Dieter Dreher und Niklas Krieg sowie die komplette Landesspitze um  Hallenchampion Timo Beck und Landesmeister Markus Kölz. Es gibt erstmals ein zweites S-Springen am Samstag um 18 Uhr und natürlich den Großen Preis am Sonntag ab 15.30 Uhr (rok)

Foto/D.Matthaes: Julia Kühn mit Borgetti

 

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