Der neue Beni Wulschner
Es sind ungewohnte Worte. „Ich würde im Parcours nie mehr eine Gerte einsetzen, wir müssen in unserem Sport sehr vorsichtig sein.“ Der Satz stammt von einem Springreiter, der zu seiner baden-württembergischen Zeit nicht gerade für ein sanftes Händchen bekannt war, aber jetzt beim Turnier in Killingen einen ganz anderen Eindruck macht: Benjamin Wulschner.
Als junger Profi war der Sohn des Weltcup-Reiters Holger Wulschner einige Jahre in Oberschwaben ansässig. Da galt er vor allem als "starker Jockey". Seit einigen Jahren reitet er in Dahlen (das liegt zwischen Leipzig und Dresden) auf der Reitanlage der Unternehmer- Familie Thiele, die aus Baden-Württemberg stammt – sogar von de Ostalb, wo Wulschner am Wochenende erfolgreich sattelt. Am Freitag landete der 34-jährige Familienvater einen Doppelsieg, am Sonntag gilt er als Favorit im Großen Preis. Seine Pferde sind in Topform. Überhaupt sagt er: „Bei mir stimmt im Moment alles.“ Zurück im Schwabenland zeigt er sich als gereifter Profi, der sich Gedanken um seinen Sport und dessen Zukunft macht.
„Ich habe früher Pferde so hart angepackt, das würde ich heute nicht mehr machen“, sagt Wulschner. Jeder Reiter müsse sich heute im Klaren sein, dass der Sport unter Beobachtung steht und sich entsprechend verhalten. Das sei aber auch richtig und gut für den Sport. „Wenn ich heute spüre, ein Pferd braucht zuviel Druck, dann war es einfach zu schwer und ich gehe eine Stufe zurück“, beschreibt Wulschner, der für die Ostländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auch im deutschen Springreiterclub mitwirkt. Er ist aktuell auch der erfolgreichste Reiter aus dem Osten. Und Pferde, die für den großen Sport nicht geeignet sind, nehme er erst gar nicht ins Training.
„Mit Gewalt und Druck kommt man auf unseren modernen Pferden sowieso nicht weiter“,weiß Wulschner mittlerweile. Und auf diesem Weg will er zu Sieg im Großen Preis von Killingen am Sonntag. (rok/Foto: Kern)
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