60 Jahre Gestüt Birkhof: Ein Dressurturnier in neuen Dimensionen
Dass das Gestüt Birkhof mit seinem diesjährigen Jubiläumsfestival groß auftrumpfen möchte, ist mittlerweile in der Szene bekannt, welche Dimensionen das facettenreiche Event vom 28. bis 31. Juli letztendlich aber wirklich haben soll, verdeutlichte Gestüts-Chef und Turnierleiter Thomas Casper nun im Rahmen eines Presse-Gesprächs. An vier Tagen dreht sich auf dem Birkhof alles rund ums Pferd, dabei sollen aber nicht nur Reiter und Züchter angesprochen werden, auch Menschen und vor allem Kinder, die bisher nur wenige Berührungspunkte mit den Vierbeinern gehabt haben, sollen eine schmackhafte Kostprobe vom Reitsport bekommen. Ein Gedanke, der Thomas Casper und seinem Team wirklich am Herzen liegt: „Der Reitsport ist erst kürzlich nach den unschönen Vorkommnissen in Aachen wieder harscher gesellschaftlicher Kritik ausgesetzt, dem müssen wir entschlossen gegenwirken. Die Gesellschaft mitnehmen! Die Besucher unseres Turniers müssen danach nicht alle mit dem Reiten anfangen, aber sie sollen ein Verständnis für unseren Sport entwickeln.“
In den letzten Jahren bewies das Gestüt Birkhof mit seinem Dressur-Turnier bereits eindrücklich, dass es zur ersten Liga der Veranstalter gehören möchte. Neben mehreren S-Prüfungen bis auf Grand Prix-Niveau sowie den Bundeschampionats-Qualifikationen der fünf- und sechsjährigen Dressurpferde, darf sich das Publikum besonders auf die Etappen des IWEST Dressur-Cups und des Louisdor-Preises freuen. Vor allem für den Zuschlag letzterer hatte man sich mächtig ins Zeug gelegt. „Es ehrt uns mit nur wenigen anderen erstklassigen Turnieren den Zuschlag erhalten zu haben.“ sagte Thomas Casper dazu. Mit der Station des Louisdor-Preis erhofft man sich nicht nur größere Namen nach Donzdorf zu locken, sondern das Turnier sowie das Gestüt auch über die Ländles-Grenzen hinaus bekannter zu machen. Sowohl der Nachwuchspferde-Grand Prix der Louisdor-Serie, als auch die Kür des IWEST Dressur-Cups werden am Sonntagnachmittag stattfinden. Am Vormittag werden ca. 100 Fohlen der Birkhof-Vererber beim Fohlenchampionat erwartet.
Doch auch das Programm an den Vortagen lässt keine Wünsche offen. Nach ersten Dressurprüfungen am Donnerstag, wird es am Abend beim Beachvolleyball-Turnier rund gehen. Nicht nur die Reiter des Gestüts werden eine Mannschaft stellen, auch die Feuerwehr, die Fußballer, Handballer und das Männer-Ballett des örtlichen Fasching Vereins wollen mitmischen, ebenso eine Equipe des hiesigen Pferdezuchtverbands. Der Donnerstag soll neben den sportlichen Höhepunkten ganz im Zeichen der Jüngsten stehen. Im Vorfeld haben sich über 300 Kinder angemeldet. Ursprünglich waren kleinere Gruppen aus sechs städtischen Kindergärten geplant. Die Kinder können vor Ort erste Kontakte zu Pferden und Ponys knüpfen, den Stall entdecken, putzen und natürlich selbst in den Sattel steigen. Thomas Casper hatte bereits im Vorhinein die Fohlenschauen baden-württembergischer Pferdezuchtvereine mit 250 Euro unterstützt, sollten sie ein Ponyreiten vor Ort anbieten. Die Kinder liegen ihm am Herzen: „Nicht nur weil sie der Nachwuchs im Sport sind, sondern auch die Wähler von Morgen.“ Zu viele würden diesen Umstand verdrängen, führte Casper im Rahmen des Presse-Gesprächs weiter aus.
Am Freitag stehen neben Dressurprüfungen auch ein gemeinsamer Kino-Abend auf dem Programm. Beim aktuellen Kassen-Schlager der Kinos „Top Gun II“ sollen Reitersleute und Gemeinde näher zusammenrücken. Der Samstag trumpft mit einer großen Gala-Show auf. Auch hier sind alle herzlich eingeladen wie die Organisatoren betonen, der Eintritt ist wie an allen Tagen frei und es wird „kein Frack“ benötigt, wie die Verantwortlichen klarstellten. Es werden bunte Show-Einlagen aus allen Ecken des Reitsports erwartet - Isländer, Westernreiten, Voltigieren und noch vieles mehr! Ganz besonders darf man sich auch auf den Auftritt von Gerd Nefzer freuen. Nefzer hatte für seine Effekte bei den Kino-Hits Blade Runner und Dune jeweils einen Oscar erhalten, einmalig in Baden-Württemberg! Seit vielen Jahren ist Gerd Nefzer mit der Familie Casper befreundet, am Samstagabend wird er auf dem Birkhof-Festival aus dem Nähkästchen seiner beeindruckenden Arbeit plaudern. Der 57-Jährige aus Schwäbisch Hall arbeitete auch an den weltbekannten Produktionen wie Tribute von Panem, Monuments Men, Grand Budapest Hotel oder The First Avenger: Civil War.
Also eine echte Mammut-Aufgabe, die Thomas Casper mit seiner Familie und seinem Team an diesem letzten Juli-Wochenende stemmen will. Man rechnet mit tausenden von Besuchern in Donzdorf. Eine riesige Schar an Helfern wird daher benötigt. Der Turnierleiter plant aktuell mit einem Gesamt-Etat von 200.000 Euro, welches nur zum Teil von Sponsoren abgefangen werden kann. „Das Gestüt wird mit zwei blauen Augen davonkommen, wir sehen das Event aber auch als Marketing-Maßnahme.“ winkt Casper ab. Caspers rechte Hand Ulrike Steeb fügt hinzu: „In dieser Rechnung fehlen noch Strom, Wasser, Energie und unser aller Arbeitszeit. Nicht zu vergessen die Umbau-Maßnahmen mit dem neuen Dressurplatz auf der Höhe sowie der aufgerüsteten Flutlichtanlage.“ Zwei Investitionen, die die Infrastruktur auf dem Turnier maßgeblich verbessern werden.
„Etwas Bauchweh hatten wir mit den Nennungszahlen.“ gibt Thomas Casper gegenüber dem Reiterjournal zu. Mittlerweile sei man mit den Zahlen zufrieden, doch bis vor zwei Wochen sah das noch ganz anders aus. Casper kritisiert, dass die Offiziellen es den Turnierveranstaltern nicht erlauben, die Starterzahlen der Prüfungen nach eigenem Wunsch zu regulieren. Nach wie vor ist nur eine Begrenzung auf 50 Teilnehmer möglich. „Um die Attraktivität des Programms für jedermann zu erhalten, wollten wir einige Prüfungen auf 30 Startplätze begrenzen. Ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man anfragt! Infolgedessen versuchten wir über eine beschränkende Ausschreibung, die Starterfelder im Rahmen zu halten. Und mit welchem Ergebnis? Die Nennungszahlen fielen dann viel zu gering aus.“ Erst erneut aufgelegte Ausschreibungsänderungen verschafften Abhilfe, wie Casper weitererzählt. „Ich verstehe das Argument des sportlichen Wettkampfs, aber wirklich niemand möchte 50-mal hintereinander die gleiche Dressuraufgabe anschauen!“ führt der Gestüts-Chef gereizt weiter aus. Er habe dazu schon Kontakt mit anderen ambitionierten Veranstaltern im Land aufgenommen und möchte auch in Zukunft für mehr Flexibilität im Turniersport-Reglement kämpfen. (akb)
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