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Donnerstag, 19.05.2022 um 14:20

„Die Grundlage wird bei den Kindern gelegt“

© honorarfreie Nutzung des Bildes

Das Unglück auf dem Mannheimer Maimarkt, bei dem Pia Reichs Springpferd Maserati stürzte und wegen eines Ellenbogenbruchs eingeschläfert werden musste, hat in Mannheim die Kommunalpolitik erreicht. Eine Fraktion aus LINKE, Die Partei und der Tierschutzpartei hat im Mannheimer  Gemeinderat ein Verbot von Reitturnieren gefordert. Dazu und allgemein zum Thema Tierschutz im Reitsport hat Reiterjournal-Redakteur Roland Kern ein Interview mit dem Mannheimer Reiterpräsidenten Peter Hofmann geführt, der auch Präsidiumsmitglied des Reiterverbandes FN ist.

Herr Hofmann, Sie waren beim Maimarkt zuhause in Corona-Quarantäne, als das tödliche Unglück geschah. Wann haben Sie davon erfahren?
Ich habe zu Hause in clipmyhorse das Springen verfolgt, allerdings nicht sehr aufmerksam und habe den Sturz und den Hergang nicht gesehen.

Was war Ihr erster Gedanke?
Natürlich war ich erschrocken, und der erste Gedanke war, hoffentlich ist nichts passiert. Nachdem die Kamera dann aber ausgeblendet hat, wuchs in mir der Verdacht, dass etwas Schlimmeres passiert sein muss. Ich weiß, dass vor Ort sofort mit einem Sichtschutz gearbeitet wurde und der mobile Operationssaal und die Tierärztecrew sofort vor Ort waren. Auch mich hat dieser Vorfall tief betroffen gemacht. Jeder Unfall, bei dem ein Pferd zu Schaden kommt, ist einer zu viel. Wir fühlen mit der Reiterin Pia Reich und dem Besitzer des Pferdes, die nicht nur ein tolles Pferd, sondern auch einen geliebten Sportpartner verloren haben.

Können Sie sich an einen ähnlichen Vorfall in Mannheim erinnern?
Ja, vor ungefähr 15 bis 20 Jahren hatten wir einen ähnlichen Vorfall, bei dem es auch zu einer irreparablen Verletzung des Pferdes kam. Davor war auf dem alten Platz, also vor 1985, ein Fall mit einem Aorta- Abriss, so dass ich sagen kann, in rund 40 Jahren waren es bei uns ganze drei Fälle, bei denen es sich um ein nicht beeinflussbares Unglück handelte.

Hat jemand einen Fehler gemacht, oder muss man im Sport mit solchen Unglücken leben?

Nein, es hat niemand einen Fehler gemacht. Was passiert ist, ist ein Unglück, das man nicht vorhersehen kann. Wir alle wissen, dass es keine hundertprozentige Sicherheit im Leben gibt.
Es gehört zu unseren größten Anliegen, den Sport für Reiter und Pferde so sicher wie möglich zu machen. Das gesamte Ausbildungs- und Turniersystem bietet die beste Voraussetzung, Pferde langfristig gesund zu erhalten. Speziell im Spitzensport wird maximal viel getan, um die Pferde zu versorgen und bestens auf den Wettkampf vorzubereiten. Der Fitnesszustand wird ständig überprüft, zum Beispiel durch einen Vet-Check und eine Verfassungsprüfung bei jedem internationalen Turnier, das Einhalten von Mindestqualifikationen von Reitern und Pferden vor dem Start gehört selbstverständlich dazu. Auch die Entwicklung bei der Gestaltung der Hindernisse ging und geht dahin, möglichst Unfälle zu vermeiden. Aber wie gesagt, trotz aller Sicherheitsmaßnahmen wird, wie im wirklichen Leben auch, immer ein Restrisiko bleiben.

Jetzt ist das Unglück wieder zum Politikum geworden, Tierschützer und sogar politische Kräfte im Gemeinderat fordern als Konsequenz die Abschaffung des Turniersports – und damit auch ein Ende der Maimarkt-Turniere. Wie ernst nehmen Sie das?
Natürlich muss man das ernst nehmen. Nicht nur wegen dieser Stimmen, sondern aufgrund unserer Überzeugung ist es unsere Aufgabe darzustellen und immer weiter voranzutreiben, was wir im Einzelnen für die Gesundheit von Pferden und Reitern tun. Wir können in diesem Zusammenhang feststellen, dass es den Pferden in ihrer ganzen Geschichte vermutlich nie so gut ging, wie jetzt. Gerade die Hochleistungspferde im Sport werden optimal gehegt und gepflegt. Das beginnt bei den Stallungen, geht über die Fütterung und die veterinärmedizinische Begleitung des Pferdes, mit dem Ziel das Pferd langfristig auch im Sport zu erhalten. Dass auch Pferde, die auf höchstem sportlichen Niveau wie bei den olympischen Spielen waren, ein langes, gesundes Leben führen, zeigt die Filmreihe „Alte Helden“.

Im Moment hat man den Eindruck, dass in der Öffentlichkeit das Unglück mehr haften bleiben könnte als der Topsport, finden Sie das ungerecht?
Ich weiß nicht, ob das in der Tat so ist. Mein Eindruck ist, dass der größte Teil der rund 50 000 Zuschauer mit Freude unseren wunderbaren Sport verfolgt hat. Auch in den Medien steht das sportliche Geschehen im Vordergrund. Das mag man nun ungerecht empfinden, aber es ist nun einmal so, dass ein solcher Vorfall bei manchen eher haften bleibt als unser wunderbarer Sport.

Was können Sie nun tun, um in Mannheim in der Politik und überhaupt den Sport wieder ins richtige Licht zu rücken?
Ich denke nicht, dass wir den Sport wieder ins richtige Licht rücken müssen. Wir müssen die Dinge einordnen. In den letzten vier Jahren gab es bezogen auf 250 000 Starts in allen Disziplinen in Deutschland ein tödliches Unglück mit einem Pferd. Das sind 0,004 Prozent. Wir müssen darstellen, dass Pferde seit jeher Partner des Menschen sind, ob als Arbeits-, Last-, oder Reittier. Die Rolle des Pferdes hat sich gewandelt – hin zum Sport- und Freizeitpartner. Wir bekennen uns klar zur Haltung und Nutzung von Pferden auch im Sport. Dies gibt den Pferden in der heutigen Zeit Lebensraum und Lebensinhalt.

Sie sind Jurist, sehen Sie die Gefahr, dass Turniersport rechtswidrig werden könnte?
Wir haben einen gesetzlichen Rahmen für den Pferdesport in Deutschland.  Gebildet wird er durch das Tierschutzgesetz und die „Leitlinie zum Tierschutz im Pferdesport“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Die Richtlinien und Regelwerke des Bundesverbands FN konkretisieren dies und setzen damit den sportrechtlichen Rahmen. Das Thema Tierschutz zieht sich wie ein roter Faden durch all diese Regelwerke. Das Ausbildungssystem für Pferde ist im Hinblick auf die Gesunderhaltung so aufgebaut, dass die Pferde behutsam und fachgerecht auf ihren Einsatz im Turniersport vorbereitet werden und viele Jahre dort gemeinsam mit ihren Reitern erfolgreich sein können.  Ebenso ist die Ausbildung der Reiter darauf ausgerichtet sicher und tierschutzgerecht mit dem Pferd umzugehen. Im Mittelpunkt steht immer das Pferd mit seinen natürlichen Bedürfnissen. Eine fachgerechte Ausbildung von Menschen und Pferden ist die Grundlage für Unfallverhütung und Tierwohl. Mit ihrem Ausbildungssystem sorgt die FN dafür, dass Menschen die Fähigkeiten und Kompetenzen für einen sicheren Umgang mit dem Pferd sowie im Reiten, Fahren und Voltigieren erlangen.

Sie sind lange im Sport, war die Kritik gegenüber dem Turniersport in Ihrer Erinnerung schon einmal so heftig und laut wie im Moment?
Es gab in den letzten 30, 40 Jahren immer Phasen, in denen der Turniersport im Fokus der Kritik stand. Es gab Vorfälle, Handlungsweisen, die kritisiert worden sind und wir alle haben daraus Schlüsse gezogen und haben das System weiterentwickelt und somit ständig verbessert.

Wo bietet der Sport Ihrer Ansicht nach in der Tat Angriffspunkte? Was muss man ändern?
Spezielle Angriffspunkte, sehe ich nicht. Unsere Aufgabe ist es, den Sport mit Pferden, auch den Hochleistungssport zu beobachten, zu kontrollieren und , falls nötig, Regeln zu ändern. Unsere wichtigste Aufgabe ist es dabei, den Menschen, die mit Pferden zu tun haben, das Thema Respekt vor dem Mitgeschöpf Pferd nahezubringen und auf dieser Basis auch das eigene Verhalten gegenüber dem Pferd, sei es in der Freizeit, sei es im Sport, sei es Spitzensport zu reflektieren.Das ist eine ständige Aufgabe, der wir uns gerade in den Reitervereinen widmen müssen. Die Grundlage hierfür wird schon bei den Kindern gelegt.

 

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