Mit Leidenschaft, Liebe, Struktur und Spaß zum Erfolg
Nach einem Geburtstagsständchen für Landestrainer Rudi Brügge und einführenden Begrüßungsworten durch Heinz Bürk begann der zweitägige Landeskaderlehrgang in Neubulach. Dieses Mal kamen die baden-württembergischen Ponykinder in den Genuss eines prominenten Gastes und das war keine geringere als die Bundestrainerin der Ponyreiter, Caroline Roost. Die Aufregung der Kinder war von der ersten Sekunde an zu spüren. Diese versuchte Caroline Roost ihnen gleich zu nehmen. „Ich erwarte gute Laune, geputzte Stiefel, Trensen und Ponys sowie keine Shows von Euch. Ihr sollt mir klar eure Probleme schildern, damit ich euch in den zwei Tagen weiterhelfen und euch Tipps zur Verbesserung geben kann. Wenn ihr eine Show abzieht und eure Probleme versucht zu verstecken, hilft das euch und mir nichts.“ – so beschrieb Caroline Roost zugleich ganz klar ihre Erwartungshaltung. Diese Worte zogen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Lehrgang. So erkannte die sympathische Bundestrainerin die spezifischen Probleme der Paare, an welchen sie konsequent sowie mit einer gewissen Portion Humor arbeitete. Roost legte ebenso großen Wert auf korrekte Hufschlagfiguren und einen guten Sitz. „Beispielsweise sind zu große oder eierförmige Volten ein absolutes No-Go“, mahnte die Bundestrainerin. Zur Verdeutlichung der Wichtigkeit von Hufschlagfiguren holte sie alle Lehrgangsteilnehmer in die Halle, wo die Buchstaben und spezifische Linien, wie die Viertelslinie, genau besprochen wurden. „Auf dem Turnier solltet ihr vor jeder Prüfung das Viereck begutachten und euch markante Punkte durch Bäume, Blumentöpfe oder auch durch Platzierung eurer Eltern merken“, beschrieb Roost ihren Tipp an die Ponykinder. Die Lehrgangsteilnehmer selbst waren von den Trainingseinheiten sichtlich begeistert. „Frau Roost hat sofort die Probleme erkannt und wusste, wie man diese verbessert“, beschreibt Leni Wächter ihre Erkenntnisse aus dem Training. Auch Hannah Käppler begeisterte, dass die Bundestrainerin immer das richtige Gleichgewicht finde und neben Kritik zugleich auch Lob ausspreche. Apropos Konsequenz: Für Caroline Roost sind die Ecken ein zentraler Punkt in der Vorbereitung von Lektionen. Aus diesem Grund stellte sie in jede Ecke der Halle Kegel und wie soll es anders sein, sie führten zu einem wirklich tieferen Ausreiten der Ecken und zugleich zu einer verbesserten Vorbereitung der Lektionen.
Nach dem Lehrgang haben wir uns mit Caroline Roost über den Lehrgang, ihre Überraschungen der Trainingstage sowie die aktuelle Stärke der Ponyreiter in Deutschland unterhalten. Zum Abschluss gab die Bundestrainerin „exklusive“ Tipps für Reiter:
Sie hatten in letzter Zeit schon einige Male Kontakt mit einzelnen baden-württembergischen Landeskaderreitern. Nun haben Sie an zwei Tagen den kompletten Kader kennengelernt. Wie hat Ihnen der Lehrgang gefallen und was für einen Eindruck haben Sie von den Ponyreitern in Baden-Württemberg?
Mir hat es sehr gut gefallen. Es ist ein sehr sympathisches Team. Zu jeder Zeit war ein Teamspirit zu spüren. So waren alle an den Trainingseinheiten der anderen interessiert und haben sich mit ihnen gefreut, wenn etwas gut geklappt hat. Auch die Eltern waren sehr engagiert und interessiert, was mich sehr freut. Alles in allem eine sehr gute, fröhliche und trotzdem ehrgeizige Stimmung. Das hat mich begeistert!
Haben Sie bestimmte Lehrgangsteilnehmer besonders überzeugt?
Ich möchte nun niemanden speziell hervorheben. Doch ich kann sagen, dass es beim Lehrgang Neuentdeckungen gab und das hat mich wirklich gefreut. Gleichzeitig hat mich unglaublich begeistert, dass sich bekannte Gesichter, die ich von vorherigen Lehrgängen schon kannte, weiterentwickelt haben.
Wie würden Sie in der Breite die Stärke vom baden-württembergischen Landeskader beschreiben?
Ich finde, dass der Kader gut aufgestellt ist. Es gibt einige sehr gute Paare. Dabei muss man besonders hervorheben, dass Baden-Württemberg auch mit jüngeren Kindern gut aufgestellt ist. Ich freue mich auf die Zukunft, da hier wirklich etwas nachkommt. Der Landesverband sowie die Landestrainer haben gute Arbeit geleistet.
Betrachten wir den Ponysport etwas allgemeiner. Was zeichnet für Sie ein guter Ponyreiter und ein gutes (FEI)-Pony aus?
Ein guter Ponyreiter benötigt Leidenschaft, Liebe und Spaß für das Pony und den Ponysport. Das ist wirklich die Grundvoraussetzung und geht für mich teilweise sogar über das Talent. Dann sind sicherlich Durchhaltevermögen und ein gewisses reiterliches Gefühl wichtig. Außerdem benötigt ein Ponyreiter speziell für die Dressur eine gewisse Liebe zum Detail, da die Dressur schon etwas akribisch ist. Beim Pony wünscht man sich natürlich drei gute Grundgangarten. Wichtig ist dann die Einstellung des Ponys zum Sport. Ich bin der Meinung, dass eine sehr gute Arbeitseinstellung manchmal auch mehr Wert ist als sehr gute Grundgangarten. Denn die richtige Einstellung eines Ponys oder auch eines Pferdes kann wirklich Berge versetzen. Viele Ponys können wirklich über sich hinauswachsen, weil sie es einfach richtig und gut machen wollen. Wenn die Ponys reel und gut ausgebildet sind, hat man auch mit einem „normal“ durchschnittlichen Pony, was sicherlich seine Stärken und eine gute Einstellung hat, eine Chance erfolgreich zu sein.
Dieser Meinung können sicherlich einige Reiter zustimmen. Bleiben wir bei der allgemeineren Betrachtung des Ponysports: Wie sind die deutschen Ponyreiter aufgestellt? Sind Auswirkungen der Pandemie aktuell zu spüren?
Ich glaube, dass durch die guten Maßnahmen und die gute Organisation in den einzelnen Landesverbänden in der Pandemie „Schlimmes“ vermieden werden konnte. Natürlich werden es allgemein etwas weniger Ponyreiter. Es muss jedoch ganz klar hervorgehoben werden, dass die Ponyreiter dennoch nicht schwächer werden, ganz im Gegenteil. Auch ist die allgemeine Befürchtung, dass ein Loch durch die Pandemie entsteht, nicht eingetreten. Das bedeutet, dass die 11- und 12-jährigen wider Erwarten dabeigeblieben und uns durch die Pandemie nicht weggebrochen sind. Beim Bundesnachwuchschampionat waren besonders diese 11- und 12-jährigen an der Spitze des Feldes vorzufinden. Das fand ich wirklich erstaunlich und das hatten wir so nicht erwartet. Auch Corona konnte die Kinder nicht davon abhalten, dass sie weiterhin ihren Sport ausüben und auch positiv auffallen. Wir müssen uns wirklich glücklich schätzen, dass unser Sport und speziell der Ponysport nicht allzu schwer getroffen wurde. Unser System und auch das Engagement in den Landesverbänden sind wirklich gut.
Kommen wir zu ihrer Position als Bundestrainerin der Ponyreiter. Sie haben ein großes Erbe von Cornelia Endres übernommen. Was hat Sie an der Position gereizt und haben Sie durch den großen Erfolg von Frau Endres jemals Druck verspürt?
Klar, ein gewisser Druck ist in dieser Position immer da. Doch ich habe nie den Druck verspürt, die Erfolge von Frau Endres zu übertrumpfen. Das ist nämlich einmalig. Ich hatte die Chance neben ihr groß zu werden und viel von ihr zu lernen. Ich war zuvor schon vier Jahre Equipechefin, wodurch ich strategisch wirklich gut auf das Amt vorbereitet wurde. Ich finde, dass jeder seinen eigenen Job macht und seine eigenen Wege finden muss. Es hätte nichts gebracht, wenn ich versucht hätte Frau Endres nachzuahmen. Nichtsdestotrotz habe ich natürlich viel aus der ganzen Situation, also von Frau Endres und anderen Kollegen, gelernt. Alle standen immer unterstützend an meiner Seite, wofür ich auch wirklich dankbar bin. Die Arbeit mit Kindern hat mich letztendlich am Amt der Bundestrainerin gereizt. Es ist wirklich meine Passion und meine Leidenschaft mit Kindern und mit Ponys diesen Sport zu betreiben. Mich freut es wahnsinnig und es macht mich unglaublich stolz, wenn ich die Weiterentwicklung der Kinder zum Jugendlichen bis hin zum Seniorensport beobachte. Es ist für mich eine Ehre, wenn ich daran teilhaben und einen kleinen Beitrag leisten darf, dies möglich zu machen. Unabhängig von der sportlichen Entwicklung ist mir auch die Persönlichkeitsentwicklung wichtig. Der Pferdesport birgt so viele Möglichkeiten für eine positive Persönlichkeitsentwicklung und genau das macht mich so viel Spaß.
Gehen wir nochmal zurück „ins Ländle“. Was ist ihr Fazit vom Lehrgang in Neubulach?
Mein Fazit ist, dass ich wieder erlebt habe, wie viel Freude mir die Arbeit mit jungen Menschen, unabhängig von ihrem Niveau, macht. Das hat mir wieder gezeigt, wie viel Spaß mir das Ganze macht und weswegen ich das auch mache.
Der Weg von den ersten E-Dressuren bis hin zu einem etablierten FEI-Ponyreiter ist lang und oftmals steinig. Können Sie zum Abschluss noch „exklusive“ Tipps aus Sicht der Bundestrainerin für (angehende) Ponyreiter geben?
Wichtig ist, dass jeder Reiter, nicht nur die Ponyreiter, den Spaß am Reiten behält. Aus meiner Sicht ist das Vorhandensein einer gewissen Struktur die Voraussetzung dafür, dass der Spaß erhalten bleibt. Jeder sollte sich eine systematische Struktur schaffen und sich genau festlegen, was die eigene Zielvorstellung ist und wie ich zu meinem Ziel komme. Diesen Weg sollte sich jeder einmal festlegen und dann natürlich verfolgen. Viele Reiter verlieren den Spaß und bekommen besonders im Nachwuchssport zu viel Stress, weil teilweise unstrukturiert und nicht zielorientiert agiert wird. Aus diesem Grund bin ich immer für die Schaffung von Struktur, wodurch man dann mit Herzblut und Liebe dabei sein kann.
(mb)
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