Klaus Dieterich ohne Gegenstimme gewählt
Der Generationswechsel im Pferdesportverband Baden-Württemberg ist reibungslos gelungen. Die Delegierten auf dem „Landtag der Reiter“ in Ditzingen wählten den 53-jährigen Wirtschaftsingenieur und Geschäftsführer Klaus Dieterich ohne eine einzige Gegenstimme zum neuen Landespräsidenten und Nachfolger von Gerhard Ziegler. Die Versammlung stimmte demonstrativ offen ab, um die große Geschlossenheit zu demonstrieren. Einen Gegenkandidaten gab es nicht (mehr).
In seiner Antrittsrede kündigte der Vereinsvorsitzende und Turnierleiter aus Bietigheim-Bissingen erneut sein Ziel an, den Stellenwert des Pferdesports zu steigern. „Die Zukunft unseres Sports hängt ganz deutlich davon ab, wie gut das Ansehen unseres Sports in der Öffentlichkeit ist“, betonte er. Bei Fragen des Tierschutzes forderte er einen selbstbewussten Umgang mit Tierschutzfragen. So müsse der verantwortungsvolle Umgang auch mit Hilfsmitteln weiter möglich und zulässig bleiben, wenn man gefahrlos mit Tieren umzugehen habe. Dieterich betonte erneut, dass er sich als Vermittler zwischen den Regionalverbänden sieht. Bei der Turnierorganisation wünscht er sich mehr Flexibilität. Die Stärkung der Basisarbeit sei ihm ein besonderes Anliegen.
Ziegler wird Ehrenpräsident
Gerhard Ziegler verabschiedete sich durchaus mit emotionalen Worten. „Die Pferde geben uns so viel, da ist jede Stunde Engagement wertvoll“, erklärte er. Zwar sei seine Amtszeit durchaus von Krisen geprägt gewesen. „Es würde mich aber freuen, wenn ich als Manager von Krisen und nicht deren Verursacher in Ihren Köpfen bleibe“, wünschte er sich von den Delegierten. „Dank Ihnen wird die Reiterei Baden-Württembergs bei der FN in Warendorf besser wahrgenommen“, würdigte die nordbadische Verbandspräsidentin Nadja Weißbrod den scheidenden Präsidenten. Ziegler wurde daraufhin zum Ehrenpräsidenten ernannt.
Auch die weiteren Präsidiumsmitglieder wurden einstimmig gewählt: Christoph Möhl als Schatzmeister, Lukas Vogt als neuer Breitensport-Beauftragter (für Rolf Berndt, der nicht mehr kandidierte). Seine Wahl als langjähriger WPSV-Breitensportbeauftragter und zum Beispiel als Organisator der Breitensport-Festivals und des Allround-Reitercups war naheliegend. Er kündigte an, die Regionalverbände besser zu vernetzen und den Breitensport zu stärken. Dr. Oliver Pettrich bleibt Tierschutzbeauftragter. Der Ehrenrat wird von Gerhard Ziegler, Dr. Dietrich Plewa, Gerd Sickinger, Dr. Gerhard Klotz und Walter Klein gebildet. Als Jugendwartin wurde Petra Schubert bestätigt, ebenso Uli Collee als Aktivensprecher.
Keine Geschäftsführer ins Präsidium
Der Regionalverband Südbaden scheiterte mit seinem Antrag, die Regionalgeschäftsführer satzungsgemäß im Präsidium des Landesverbandes zu installeren. Südbaden-Geschäftsführer Martin Frenk argumentierte damit, dass die ehrenamtlichen Geschäftsführer sehr nah' an der Basis arbeiten. Auch Südbaden-Präsidentin Iris Keller war dafür. Während WPSV-Präsident Frank Reutter davor warnte, das Präsidium "aufzublähen", auch werde der Einfluss des Hauptamtes gegenüber dem Ehrenamt zu groß. Die Stimmung in der Versammlung wurde kurzzeitig hitzig. "Schämen Sie sich nicht, Herr Reutter", hörte man Martin Frenk. Der neue Präsident Klaus Dieterich sprach sich ebenso dafür aus, das Präsidium in der jetzigen Größe zu belassen. Die Mehrheit der Versammlung lehnte eine entsprechende Satzungsänderung ab.
Rückgang bei Mitgliedern und Turnieren
Der neue Präsident übernimmt den Verband in einer schwierigen Zeit. Die Pandemie hat den Pferdesport in den vergangenen zwei Jahren zurückgeworfen. Traditionell veröffentlicht der Landesverband zur Delegiertenversammlung die Statistik mit allen Rahmendaten. Da sieht es teilweise alarmierend aus. Die Gesamtzahl der Mitglieder im Landesverband ist von 2020 auf 2021 um rund 1250 Mitglieder auf rund 97 000 Personen gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit 20 Jahren – auch wenn die Entwicklung in anderen Landesverbänden noch schlechter ist. „Ich fürchte, der Trend bleibt uns erhalten“, so gab Gerhard Ziegler seinem Nachfolger mit auf den Weg. Unter anderem sei dies auf einen Mangel an Schulpferden zurückzuführen. "Wer tritt denn einem Reiterverein bei, wenn er gar nicht reiten kann?"
Interessant dabei, aber nicht weniger alarmierend: Der Schwund ist bei den jugendlichen Mitgliedern am größten. Bei den erwachsenen Mitgliedern über 26 Jahre gibt es hingegen sogar ein leichtes Wachstum. Württemberg bleibt mit knapp 55 000 Mitgliedern der größte Regionalverband. Nordbaden weist 21 600 Mitglieder auf, Südbaden 20 400.
Die Zahl der Vereine ist hingegen fast gleich geblieben: Es gibt jetzt 848 im Land, am meisten (495 in Württemberg), 174 in Nordbaden und 179 in Südbaden. In Württemberg sind sogar zwei Vereine dazugekommen.
Auch die weiteren Zahlen sind – coronabedingt - nicht gerade erfreulich: 382 Pferdesportveranstaltungen waren es im Jahr 2021. Das waren zwar 55 Prozent mehr als im noch schlimmeren Coronajahr 2020 – aber immer noch deutlich weniger als vor Corona. Da waren es jeweils über 600. Wohin die Entwicklung auf Dauer führt, ist unklar. Ähnlich ist es bei der Entwicklung der Starts und der Reitabzeichen. Knapp 6000 Abzeichen und andere Leistungsnachweise wurden ausgestellt – zwischen 8000 und 9000 waren es noch vor Corona.
Die Berichte der Disziplinbeauftragten fielen unterschiedlich aus. Christoph Niemann und Jürgen Kurz berichteten über Springen und Dressur. Niemann nutzte die Gelegenheit, um einen Schub bei der Nachwuchsarbeit in den Vereinen zu fordern sowie eine verstärkte Förderung des Amateursports. Weitere Berichte waren ebenso von der Coronakrise geprägt. Turniere sind weggefallen; Training wurde schwieriger. Besonders hatte der Fahrsportbeauftragte Lars Weimer über wegfallende Turniere und weniger Sportler zu klagen. Aufstrebend ist der Vierkampf, nicht zuletzt wegen eines erfolgreichen Bundesvierkampfs in Achern. Jugendwartin Petra Schubert stellte ein neues Internetportal vor, mit dem Familien mit Kindern der Einstieg in den Reitsport erleichtert werden soll.
Kritik an PETA
Ziegler äußerte zum Abschied auch nochmal Kritik an der Politik, die seiner Ansicht nach in die falsche Richtung geht. „Wir haben eine Regierung, die mehr nach Tierwohl schaut als nach dem Sport“, so Gerhard Ziegler. Außerdem beschwerte er sich über „völlig überzogene Forderungen“ der Tierschützer und bezog sich auf den aktuellen Fall, der im Moment vor dem Amtsgericht in Rottweil anhängig ist (wir haben berichtet). „Den Pferden geht es mehrheitlich so gut wie noch nie“, fasste er zusammen. Auch bereite ihm die Entwicklung des Turniersports große Sorgen. Ziegler kündigte an, dass die FN im nächsten Jahr wohl Gebühren erhöhen muss.
Wie Schatzmeister Christoph Möhl berichtete, hat eine Corona-Soforthilfe von fast 100 000 Euro den Haushalt gerettet. So stehen 912 000 Euro Erträge im Haushaltsjahr 2021 Aufwendungen von 892 000 Euro entgegen. Das ergibt einen Überschuss von rund 20 000 Euro. Der nächste Haushalt 2022 ist bei einem Volumen von rund einer Million Euro ausgeglichen geplant (rok/Foto: Doris Matthaes)
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