Springreiter-Krimi auf dem Maimarkt
Die deutsche Equipe im Nationenpreis landete im Nationenpreis von Mannheim denkbar knapp hinter der Schweiz. Man hätte es nicht besser inszenieren können: Der EEF-Nationenpreis wurde in einem Herzschlagfinale entschieden. Nach zwei Umläufen lagen die Teams aus der Schweiz und aus Deutschland gleichauf. Beide Mannschaften hatten jeweils einen Abwurf auf dem Konto, als beide Schlussreiter jeweils einen weiten Fehler im Parcours hinnehmen mussten: Europameister Andrè Thieme mit Conacco und Alain Jufer mit Dante. Damit war wieder alles offen.
Das klassische Reglement schreibt vor, dass bei Punktgleichheit jeweils ein Reiter pro Team in einem Stechen um die beste Zeit antreten muss. Für Deutschland war klar: Sophie Hinners mit dem überragend springenden belgischen Hengst Million Dollar sollte es machen (Foto: Stefan Lafrentz). Sie ging als Favoritin in die Bahn. „Sie wird es schaffen, sie ist so cool“, war zum Beispiel ihr früherer Lehrmeister Emil Hendrix überzeugt. Tatsächlich gelang der 24-jährigen amtierenden Deutschen Meisterin die dritte Nullrunde des Tages, stilistisch wie immer perfekt. Die Uhr blieb bei 42,01 Sekunden stehen. „Das ist der Sieg“, glaubte der Mosbacher Reitmeister Karl-Heinz Streng, der das Springen vor Ort verfolgte.
Dann nochmal Alain Jufer. Man konnte eine Stecknadel fallen hören. Die lange Diagonale gelang besser: 41,03 Sekunden führten zum Schweizer Sieg vor Deutschland und Schweden. Der Nationenpreis war für Mannheim und die Region das erwartete historische Ereignis. „Wir haben heute ein neues Level für den Reitsport in Mannheim erreicht“, freute sich Turnierchef Paul Hofmann.
Dabei hatte der Wettbewerb hatte für das deutsche Team nicht optimal begonnen. Kendra Brinkop, 28-jährige Bereiterin am Stephex-Stall in Belgien, bekam im Sattel des neunjährigen Belgiers Narcos vd Smidshoeve nach der zweifachen Kombination zuviel Schwung, so dass ein Folgefehler an einer luftig gebauten Planke passierte. Da lagen kurz die Nerven blank.
Da war schon klar, Parcourschefin Christa Jung hatte eine technisch sehr anspruchsvolle Springbahn gebaut. „Viel zu gucken“, wie Kendra Brinkop schon vor den Einritt befürchtet hatte.
Auch Marcus Döhring, der neue Co-Trainer des deutschen Teams, wirkte kurz nervös. Ansonsten aber machte der Westfale in seiner neuen Rolle eine gute Figur. Sehr konzentriert unterstützte er seine Schützlinge auf dem Abreiteplatz. Aber die Anspannung wuchs nach diesem Flüchtigkeitsfehler. Dann Patrick Stühlmeyer, der „Rider oft the year“, mit elfjährigen der Württemberger Stute Carmina aus der Zucht von Gerherd Pfeifer im oberschwäbischen Wellendingen. Der Züchter hatte die Casall-Tochter in Riedlingen als Fohlen verkauft. Spannende Story am Rande: In der Nacht zum Mannheimer Nationenpreis kam in Wellendingen ein Vollbruder zu Carmina zur Welt.
Die Stute zeigte sich sehr vorsichtig, sprang mit viel Luft über die Stangen. Null Fehler in beiden Umläufen. Sophie Hinners, die für Viernheim startet, zog gemeinsam mit ihrem belgischen Hengst Million Dollar schon auf dem Vorbereitungsplatz alle Blicke auf sich: Der bunte Hengst lässt sich von seiner zierlichen Reiterin mit leichter Hand führen – es sind Ritte aus dem Lehrbuch für feines Reiten.
„Dieses Pferd hat bislang alles richtig gemacht und es gibt nach oben wohl keine Grenzen für ihn“, lobte Hinners Trainings- und Lebenspartner Richard Vogel nach der entspannten Runde. André Thieme, der Europameister, musste im Sattel des elfjährigen Oldenburgers Conacco seine ganze Klasse zeigen. Der schlaksige Braune ließ sich von der Mannheimer Stadion und den 10 000 Zuschauern doch schwer beeindrucken. „Mein Pferd hat sich nach dem dritten Sprung etwas festgehalten, da musste ich mehr drücken als gedacht“, beschrieb der Championatsreiter. Nach seinem Ritt zog die deutsche Equipe Kopf an Kopf mit der Schweiz in den zweiten Umlauf. Auch das Team mit Elin Ott auf Nanu, Nikolaus Schurtenberger mit Quincassi, Edwin Smits mit Best of Berlin und Alain Jufer mit Dante MM hatte drei fehlerfreie Runden zu bieten.
Mit einem Deja Vu begann der zweite Umlauf über den identischen Parcours. Wieder startete das deutsche Team mit vier Fehlern: Diesmal schaffte Kendra Brinkop mit Narcos die Distanz zur Planke, dafür patschte der Belgier einmal in den Wassergraben. Jetzt durfte nicht mehr viel schiefgehen. Als Thiemes Conacco im zweiten Umlauf weiter abgelenkt war vom großen Rund, war klar, dass es zum Showdown kommen würde. Roland Kern
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