Sebastian Heinze und die nachhaltige Altersklasse
U25-Bundestrainer Sebastian Heinze überzeugte in Pforzheim mit intensivem Training und klaren Gedanken. Der Pforzheimer Reitervereins-Vorsitzende Christian Kraus ist ein Mann mit Weitblick. Es ist jetzt acht Jahre her, da holte er einen jungen Dressurtrainer aus Westfalen zu einem Lehrgang, der bis dahin weitgehend als schüchterner Partner der Olympiareiterin Helen Langehanenberg bekannt war und sogar ihren Namen angenommen hatte.
Ein Jahr später wurde Sebastian (dann schon wieder mit Geburtsname) Heinze Bundestrainer der U25-Dressurreiter und damit ein „Medaillenregenmacher“ im deutschen Trainerteam. Es passt zur bescheidenen Art des bald 42-jährigen Pferdewirtschaftsmeisters, dass er sich auch in Amt und Würden Zeit nimmt, für einen Lehrgang in der schwäbischen Provinz und für jene Menschen, die ihn auch schon vor acht Jahren gut fanden.
Sebastian Heinze hat am Wochenende in Pforzheim als Trainer und als überzeugter Vertreter des Verbandssports mit klaren Gedanken mal wieder überzeugt. In der Mittagspause bei schwäbischen Fleischküchle mit Kartoffelsalat im Pforzheimer Casino bewies er, dass er im Jahr acht seiner Tätigkeit noch immer für diesen Job „brennt“.
Was diesen Kader und diese Altersklasse ausmacht, schildert er seinen Gesprächspartnern aus Baden-Württemberg am Beispiel von Ann-Katrin Lindner. In seinem Team hat die Dressurreiterin aus Leingarten bei zwei Europameisterschaften Gold und Silber gewonnen, wurde Piaff-Finalsiegerin und Deutsche Meisterin. Und sie hat sich in dieser Zeit enorm entwickelt.
„Wir haben viele U25-Reiter, die in dieser Zeit den Sprung in die Drei-Sterne-Klasse geschafft haben und Profis geworden sind“, erklärt Heinze. „Solche Leute prägen die Zukunft unseres Sports, deshalb ist das so nachhaltig, was wir machen“, findet er. Ann-Katrin Lindner, mit 26 Jahren aus der Klasse herausgewachsen, ist ein Beispiel. Ann-Katrin Lachemann, Süddeutsche Profi-Meisterin und Bereiterin am Dressurstall Burger/Neubert ist auch ein gutes Beispiel für Heinzes Philosophie. Sie ließ sich am Wochenende die Bundestrainer-Tipps vor der Haustür nicht entgehen. Ihr Fransje, das Kraftpaket, mischt in diesem Jahr im Grand Prix vorne mit. Galoppwechsel und Pirouette sind kraftvoll, der Holländer wirkt jetzt konzentrierter als früher. Heinze hält große Stücke auf die junge Bereiterin, die noch zwei U25-Jahre vor sich hat. Im Training feilte er an Feinheiten – und immer wieder an der Durchlässigkeit. Denn daran und an korrektem Reiten geht bei ihm kein Weg vorbei.
„Aki“ Lachemann wird in jedem Fall an dem Sichtungslehrgang im März in Warendorf dabei sein, wo Heinze und Chef-Bundestrainerin Monica Theodorescu die Teilnehmer am wichtigen Piaff-Förderpreis festlegen. Im Mai auf dem Mannheimer Maimarkt findet die erste Qualifikation statt. Wenn nichts dazwischenkommt, gehört sie dazu – sogar zum Kreis der Favoriten. Finale soll dann endlich wieder im November in Stuttgart sein.
„Seb“ Heinze hat die „U25er“ aus Baden-Württemberger auf der Rechnung, sagt er. Gespannt ist er auf Anna Casper mit Zalando und Holger Schulzes Donna Clara. Von Reitmeister Kalli Streng wird er regelmäßig über die Fortschritte informiert. Unbedingt will er diesmal auch Victoria Rohrmuss dabei haben mit ihrem „Zwerg“ Corelli de Luxe, der auf dem Papier nun ein Großpferd ist. Und dann hat er wohl in Pforzheim noch eine Entdeckung gemacht: Berenike Dörr, die sich mit ihrem Salitos im Wintertraining bei Dorothee Schneider nochmal deutlich in Richtung Drei-Sterne-Klasse entwickelt hat. In der Saison 2022 ist sie noch Junge Reiterin und will dort möglichst alles erreichen. „Aber da bin ich sicher, dass spätestens im Herbst der Aufstieg gut gelingt“, motiviert der Bundestrainer, der von seiner Aufgabe überzeugt ist. Roland Kern
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