Niels Carstensen: Schweigen ist Gold
Der junge Springreiter und eher workarge Niels Carstensen im Reiterjournal-Interview am Tag der Verleihung seines Goldenen Reitabzeichens auf den Immenhöfen
Immenhöfe, Fest der Pferde, mittags um drei. Niels Carstensen hat kein großes Springen mehr vor sich, aber eine Aufgabe, die ihn viel mehr anstrengt als das Parcoursreiten: Rede halten. Er hasst es. Aber diesmal kommt er nicht drumherum, denn am Abend bekommt er sein Goldenes Reitabzeichen verliehen. Dabei hält man eine Rede. Er reitet lieber als zu reden. Das Interview mit Niels Carstensen, bei dem sich auch Vater und Trainer Uwe Carstensen mal kurz einmischte, führte Reiterjournal-Redakteur Roland Kern am Nachmittag, wenige Stunden zuvor auf den Immenhöfen.
Weißt Du schon, was Du sagen willst?
Niels: Nein
Eigentlich dankt man dabei seinen Eltern, aber das machst Du ja wahrscheinlich auch.
Uwe: Darum bitte ich aber!
Niels: Irgendwas in der Art werde ich schon sagen.
Die erforderlichen Erfolge für das Goldene Reitabzeichen hatte Niels Carstensen schon als Junior zusammen, wegen Corona musste die Verleihung aber auf sich warten.
Was bedeutet Dir dieses Goldene Reitabzeichen?
Naja, schon Bestätigung, weil ich da ja auch viel Fleiß reingesteckt habe. Und Motivation weiterzumachen.
War Dir Reiten eigentlich auch mal zuviel?
Ja, aber da war ich noch ein Kind. Da wurde ich auf meinem Schimmelpony einmal übel umgeritten, da hatte ich eine Weile Angst.
Gibt es so was jetzt noch?
Angst? Nein. Aber nervös bin ich manchmal schon.
Wie wirkt sich das denn aus?
Uwe: Dann redet er noch weniger als sonst.
Wo kommt das denn eigentlich her, dass Du so still bist? Deine Eltern sind ja nicht auf den Mund gefallen?
Niels: Ich glaube vom Vater meiner Mama, der redet auch nicht viel. Und als Kind war ich viel bei ihm. Er ist so schön friedlich.
Uwe: Das ist okay, es gibt mehr schlimme Babbler als gute Reiter.
Niels Carstensein hat nach einer ausgiebigen Schulzeit jetzt Abitur gemacht. Er beginnt stattdessen eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann.
Froh, dass die Schule vorbei ist?
Uwe: Ja!
Niels: Schule war nicht so mein Ding; ich bin eher ein Praktiker.
Du willst zumindest erstmal kein Berufsreiter sein, wer oder was hat den Ausschlag zu dieser Entscheidung gegeben?
Uwe: Ich
Niels: Also erstens Papa und zweitens ist es mir auch wirklich wichtig, eine Existenz außerhalb des Pferdesports aufzubauen, das macht mich unabhängiger.
Aber ein Quereinstieg später ist denkbar?
Niels: Ja klar, das kann ich mir gut vorstellen. Wir haben ja auch unsere Reitanlage. Ich habe ja beste Voraussetzungen.
Uwe: Sind wir mal ehrlich, wer kann heute garantieren, dass man vom Pferdesport auch in 20 oder 30 Jahren noch leben kann. Uns war das wichtig, dass er eine andere Ausbildung macht. Reiten kann er immer noch. Meine Frau besitzt auch eine Firma, man kann sich vorstellen, dass er später jeweils halbtags dort und im Stall ist. Aber so hat er alle Möglichkeiten.
Wie soll das jetzt klappen während der Ausbildung?
Niels: Wir haben im Moment sowieso nur junge Pferde und können nicht so weit weg auf Turniere fahren. Und das Training dürfte nach Feierabend klappen, dann wird der Tag halt mal ein bisschen länger.
Wenn Du auf den Weg zum Goldenen Reitabzeichen blickst, was bleibt Dir besonders in Erinnerung?
Niels: Klar, mein erster Zwei-Sterne-Sieg in Bisingen (im November 2018), dann der Vizetitel bei den Deutschen Meisterschaften und natürlich der Gesamtsieg im Ey-Cup.
Wichtige Siege hast Du mit FBW Cornflake eingefahren, der Anfang des Jahres an Richard Vogel verkauft worden ist. Hat es weh getan, ihn abzugeben?
In dem Moment natürlich schon ein bisschen, aber es war ja schon immer klar, dass er einmal wegehen würde.
Dein Vater war schon immer Dein Trainer, funktioniert das?
Uwe: Sieht man doch.
Niels grinst
Ist er auch Dein Vorbild?
Uwe: Jetzt bin ich aber gespannt….
Niels: Mein Vorbild eigentlich Markus Ehning wegen seines feinen Reitens.
Bist Du schon mal bei ihm geritten?
Niels: Nein, aber ich hoffe, das klappt mal. Ich habe schon mal bei Franke Sloothaak trainiert und Ludger Beerbaum hat auch schon mal eine Runde von mir gesehen. Aber das war nicht so toll.
Ach, was war da?
Niels schweigt.
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