„Schwieriger als eine Europameisterschaft“
Warum der Mannheimer Reiterpräsident Peter Hofmann sein Maimarkt-Reitturnier sogar pandemiesicherer macht als gefordert. Peter Hofmann gehört in Deutschland und der Welt zu den routiniertesten Pferdesport-Funktionären überhaupt. Seit 1982 ist der Mannheimer Reiterpräsident Vorsitzender im Mannheimer Reiterverein und Chef der Maimarkt-Reitturniere. Der 71-jährige Jurist hat schon Turniere gemacht, da waren viele der heute erfolgreichen Reiter noch gar nicht auf der Welt.
Die zwei Springreiter-Europameisterschaften 1997 und 2007 im Mannheimer MVV-Stadion waren seine Meisterstücke. Aber was jetzt vor ihm liegt, ist schwieriger, sagt er selbst. Anders.
Hofmann ist ein Mann, der Verantwortung sucht und kennt. Im Moment lernt in Zeiten von Corona, die Dinge einzuordnen. „Bei einer Europameisterschaft“, beschreibt er, „gehört es zu den wichtigsten Aufgaben, dass die Sponsoren zufrieden sind“. Aber jetzt bei dem wohl schwierigsten Maimarkt-Reitturnier in dessen fast 60-jährigen Geschichte, „geht es um die Gesundheit und letztlich das Leben von Menschen“.
Die sportliche Organisation tritt dieses Jahr vom Mittwoch, 28. April bis Dienstag, 4. Mai, fast in den Hintergrund – wie gut, dass alles seit Jahren eingespielt ist. Denn die Aufgaben für Hofmann und sein Team liegen im Kampf gegen die Viren.
Die Reiter kämpfen bekanntlich an zwei Fronten: Corona heißt der erste virale Feind, Herpes der zweite. Der eine attackiert die Reiter, der andere die Pferde. Wer in dieser Phase ein internationales Vier-Sterne-Turnier organisiert, ist selbst von einem Erreger befallen, der jene Faszination für den Reitsport auslöst: dem sprichwörtlichen Pferde-Virus. Dass Peter Hofmann ihn in sich trägt und dabei sogar hochansteckend ist, das ist bekannt.
Er nimmt die Aufgabe an, und wie alles andere auch, löst er sie zu 120 Prozent. Das Reiterstadion gleicht ab Mittwoch für eine knappe Woche eher einem Hochsicherheitstrakt. Hofmann hat eigens eine Fachfirma beauftragt, damit kein Mensch ohne einen negativen Corona-Schnelltest aufs Gelände kommt. Sie haben die Anweisung, ganz genau zu sein: Oben in die Nase! Etwa 500 Mal am Tag. Ein mitgebrachtes Zertifikat reicht nicht.
Nun muss man wissen, dass die Reitturniere derzeit ohnehin nur Profi-und Spitzensportler zulassen, keine Zuschauer. Wie viele Begleiter und Betreuer ein Reiter an seiner Seite braucht, regeln die Veranstalter unterschiedlich. „Eine Person muss reichen“, hat Hofmann entschieden. Es ist die rigoroseste Auslegung. Die Luca-App ist Pflicht, das Essen für Reiter und Pferdepfleger ist verpackt. Wegen des Herpes-Ausbruchs im März muss eine Armada von Tierärzten die Pferde ständig kontrollieren. In den Stallzelten stehen die Ställe separiert. Zwei Stallzelt-Dörfer wurden getrennt aufgebaut, dass eines gereinigt werden kann, wenn das andere benutzt wird.
Warum ist Hofmann so streng? Weil er erstens weiß, dass er besonders beobachtet wird. Schließlich ist er selbst Präsidiumsmitglied im deutschen Reiterverband FN und dort auch noch Vertreter der Turnierveranstalter. Und weil er – genau deshalb und zweitens – ein Zeichen setzen will: Dass es geht, Turniere zu reiten ohne eine Ansteckungsgefahr! Und wenn es für die Profis geht, warum dann nicht auch für Amateure? Auch diese halten im Sattel ganz automatisch Abstand, denn Reiter im Sattel kuscheln höchstens mit dem Pferd, auf dem sie sitzen. Der Mannheimer will wieder einmal etwas bewegen. So soll vom Corona-Maimarkt 2021 ein Signal ausgehen, die Peter Hofmanns Lebensmotto sein könnte: Reiten geht immer (rok/ Foto: Hartig)
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