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Freitag, 16.08.2019 um 17:57

Michi Jung und Japan: "Überall wird geputzt"

Multi-Champion Michael Jung berichtet in Donaueschingen von seinen frischen Eindrücken aus Tokio und über seine Pläne in Richtung der nächsten Olympischen Spiele.

Michael Jung schlendert entspannt über den Donaueschinger Turnierplatz. Es ist eine Art Heimspiel für den 37-jährigen Multi-Champion aus Horb. Ein Turnier ohne Übernachtung und ohne Party am Freitagabend; sein Zuhause liegt gerade mal 40 Minuten entfernt. Nach dem Springen in der Großen Tour mit Fischerchelsea fährt er nach Hause. Am Samstagmorgen soll fischerChipmunk eine lange Galoppstrecke gehen. Die beiden sind in der Endphase des Trainings für die Europameisterschaften in Luhmühlen. Aber auch das kratzt ihm nicht mehr an den Nerven.

Vor zwei Tagen ist Michael Jung erst aus Tokio zurückgekehrt, er gehörte dort zu den Reitern, die einen ersten Test für die Olympischen Spiele in einem Jahr in Tokio absolvierten. Auf dem jungen Holsteiner fischer Wild Wave setzte er schon mal einen Pflock in die japanische Erde. Eigentlich hatte niemand etwas anderes erwartet als seinen Sieg. Der erste olympische Sieger von Tokio titelten einige Medien überschwänglich. Der Olympiasieger von 2012 und 2016 ist 2020 in Japan Titelverteidiger. Die Eindrücke seiner Reise sind noch frisch. Er plaudert angeregt mit Reiterjournal-Redakteur Roland Kern.

Sushi oder Teryaki?

Michael Jung: Ich mag keinen Fisch, deshalb ist die Antwort klar. Aber wir haben wunderbar gegessen, es gab tolles Barbecue, viel Salat und viele frische Zutaten und überall eine große Auswahl.

Hattest Du einen Gastro-Führer durch Tokio?

Nicht direkt, aber mein japanischer Schüler und Trainingspartner Kenki Sato war ja dabei. Er stammt zwar nicht direkt aus Tokio, aber er kannte wiederum genug Leute, die sich auskennen. So sind wir in Restaurants gekommen, die von außen eher unscheinbar, fast ein bisschen abenteuerlich ausgesehen haben.

Du warst das erste Mal in Japan, was hat Dich an dem Land beeindruckt?

Ganz klar, die Ruhe, die Höflichkeit und die Disziplin der Menschen. Und die Sauberkeit. Immer wird irgendwo geputzt. Es liegt trotz der Größe irgendwie eine Ruhe über der Stadt.

Weiß man dort eigentlich, wer Michael Jung ist?

Ja tatsächlich, zumindest in den Kreisen, in denen ich jetzt dort unterwegs war. Die Menschen, die ich getroffen habe, sind sehr begeisterungsfähig für den Pferdesport.

Sind denn die olympischen Reitanlagen schon fertig?

Nein, das nicht. Für die Tribünen zum Beispiel stehen erst nur Gerüste, eine Reithalle fehlt noch. Aber das, was zu testen war, das war fertig, also vor allem die Böden und die Stallungen. Und das war picobello. Vor allem merkt man, dass die Japaner stabil und mit viel Qualität bauen. Man hat den Eindruck für die nächsten 100 Jahre. Oft werden ja olympische Anlagen hochgezogen, die hinterher nicht mehr genutzt werden. Aber das hier wird nachhaltig und praktisch.

 War es nicht zu heiß?

Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Natürlich ist es sehr heiß und beim Reiten schwitzen beide schnell: Reiter und Pferd. Aber die Japaner gleichen viel aus über ihre perfekte Logistik bei der Pferdehaltung und im Umfeld. Zum Beispiel sind die Stallungen klimatisiert, die Hallen und Aufenthaltsräume für die Reiter sowieso. So haben die Pferde immer wieder Gelegenheit zur Erholung. Da sind manche Turniere in Europa schlimmer. Vier Tage und Nächte in einem warmen stickigen Stallzelt zu stehen, das macht den Pferden viel mehr aus als die sportliche Anstrengung; da sind unsere Pferde ja auch alle gut trainierte Athleten. Auch mein fischer Wild Wave war frisch bis zuletzt. Aber natürlich müssen die Pferde dort in einem optimalen Trainingszustand sein.

Wie ist eigentlich der Pferdeplan in Richtung Olympia? Läuft es auf Fischer Chipmunk hinaus?

So ist der Plan, Fischer Chipmunk ist derzeit mein bestes Pferd, jetzt bestreiten wir in Luhmühlen ja unser erstes gemeinsames Championat. Er ist gut in Form. Natürlich weiß man nie, wie sich das in den nächsten Monaten entwickelt. Aber im Moment läuft es auf ihn hinaus.

Es werden Deine dritten Olympischen Spiele sein nach London und Rio de Janeiro. Können Olympische Spiele zur Routine werden?

Ja schon, und das ist auch gut so. Man weiß, wie manche organisatorischen Abläufe sind, zum Beispiel der Transfer, und dann wird man eben entspannter. Aber jedes Championat ist anders und bleibt etwas Besonderes.

Es werden definitiv Deine ersten Olympischen Spiele ohne FBW Sam sein. Geht es ihm gut?

Ja, sehr gut. Er wird jeden zweiten Tag ein bisschen geritten und geht ansonsten auf die Koppel. Wir haben nach wie vor ein enges emotionales Verhältnis; und auf Turnieren vermisse ich ihn besonders.

1964 gab es in Tokio schon einmal Olympische Spiele. Weißt du, wer damals bester deutscher Reiter in der Vielseitigkeit war?

Hm, nein.

Das war Fritz Ligges. 1972 wurde er Teamweltmeister im Springreiten.

Interessant.

Ist das für Dich ein Vorbild, die nächsten Olympischen Spiele 2024 vielleicht im Parcours statt im „Busch“?

(lacht) Warum nicht beides?

Stimmt, das gab es noch nie.

Dann wären wir jedenfalls lange dort. Aber im Ernst: Ich habe vor, eine ganze Weile noch beides so gut und erfolgreich zu reiten wie ich kann. Das hängt dann immer von den Pferden ab, die ich gerade habe. Da bin ich ganz offen.

 

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