Zum Tod von Roland Janson
Auch die härtesten Knochen gehen mal in die Knie: Roland Janson, Pferdewirtschaftsmeister und Urgestein der Berufsreiterei in Baden-Württemberg, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Er war für viele seiner Berufskollegen, aber auch für seine zahlreichen Schülerinnen und Schüler ein Vorbild an Disziplin und Verlässlichkeit. Er hat den Sport im Land in allen drei Disziplinen über Jahrzehnte geprägt.
Der Mai 1976 zum Beispiel war für Roland Janson ein ganz normaler Berufsreiter-Monat. Erst startete er mit Bland-Star, Stan und der Stute Ascona in Walldorf in S-Dressuren, platzierte sich mit allen drei Pferden. In der Vielseitigkeit der Klasse M belegte er auf demselben Turnier mit dem Wallach Florian Rang vier, eine Woche später startete er mit dem Vollblüter Whindamus in einem L-Springen, mit Ostara und Wilna in seiner Spezialität, seiner Lieblingsprüfung: einer „Jagd um Punkte“. Das waren also drei Turniere, drei Disziplinen auf sieben selbst ausgebildeten Pferden. Aber ein solcher Monat war nicht die Ausnahme im Berufsreiterleben des Pferdewirtschaftsmeisters Roland Janson – er war die Regel. So verlief sein Leben. Er wollte es nie anders.
Zu seinem 80. Geburtstag hat das Reiterjournal Roland Janson noch einmal für eine Reportage einen längeren Besuch abgestattet. Da saß er noch täglich auf dem Pferd. Sein Alter sah und merkte man ihm nicht an. Groß und schlank wie eh und je saß er im Sattel, kantig war er schon immer. Und Haare auf dem Kopf hatte er auch als junger Mann nicht.
Seine Stimme war ein bisschen leiser geworden; die Stimmbänder haben sich in 60 Jahren Berufsreiterei ein bisschen abgeschliffen. Zu seiner Zeit gab es noch keine „Coachphones“ sondern Kommandos. Roland Janson war Bereiter und Reitlehrer in bedeutenden Turnierställen des Landes. Er war vor Karl-Heinz Streng in Mosbach und vor Udo Lange auf dem Wagbachhof in Wiesental. Vor sage und schreibe 58 Jahren holte Janson in Baden-Württemberg seinen ersten Landesmeister-Titel. Das war 1968 in Walldorf in der Vielseitigkeit, im selben Jahr bekam er in Mosbach – in der Dressur – die Bronzemedaille. 1970 hat er das Goldene Reitabzeichen verliehen bekommen; das war damals noch eine Rarität.
Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte der gebürtige Rheinhesse in der Region Karlsruhe. Seinen leichten hessischen Zungenschlag hat er nie ganz abgelegt. Dabei ist er in der ganzen Republik herumgekommen.
Testreiter für die Olympiastrecke von 1972
Zum Reiten kam Janson als Sohn eines Goldschmiedes in Worms unweit von Mainz, weil der Nachbar ein Fuhrunternehmer war und natürlich Pferde im Stall hatte. Die Kutschenpferde faszinierten ihn. Fürs Ausmisten unter der Woche durfte er am Wochenende auf ihren Rücken sitzen und ausreiten. Da wuchs der Wunsch, Berufsreiter zu werden. Ein glücklicher Zufall verschlug ihn zur Lehre nach Ludwigsburg zu Reitmeister Herbert Aust, wo auch andere spätere Größen des baden-württembergischen Turniersports lernten, wie zum Beispiel Udo Lange, Hans-Joachim Braun oder Helmut Hartmann. Roland Janson war im Umgang kein bequemer Mensch, er konnte ausrasten, wenn ihm etwas nicht passte. Er hatte und sagte immer seine Meinung, manchmal so sehr, dass er sich später entschuldigte. Beides tat er mit ehrlicher Wucht – das Austeilen, aber auch das Einstecken.
Aber durch diese Art kam es, dass er in seinen Anfangsjahren oft den Arbeitsplatz wechselte. Er ritt in Hamburg und in Warendorf, meistens Vielseitigkeit. Ende der 60er-Jahre kam er dann wieder ins Land, an den Mosbacher Stall Baumann, der damals im Vielseitigkeitssport eine feste Größe war. Eine kuriose, ja historische Rolle nahm Janson vor den Olympischen Spielen 1972 in München ein. Da suchte das Olympische Komitee einen furchtlosen „Buschreiter“, der die Olympiastrecke testen sollte. Und furchtloser als er war keiner. Er hat ungezählte Stürze erlebt, saß immer wieder auf. Junge Kollegen machten damals Witze, den Janson könne man röntgen und im Hörsaal einer Gruppe von Medizinstudenten vorführen. Sie könnten lernen, welche Knochen in einem Körper denn brechen und wieder zusammenwachsen können.
Der Unternehmer Dr. Herbert Bauer holte Janson in den 70er-Jahren nach Waghäusel-Wiesental, um dort einen neuen Turnierstall aufzubauen, den Wagbachhof. Es wurden sportlich die erfolgreichsten Jahre des asketisch lebenden Berufsreiters, der sich jeden Morgen auf die Waage stellte. Zeigte sie einmal über 70 Kilo an, nahm er zwei Tage keine feste Nahrung zu sich. Roland Janson war zäh und meist kompromisslos. Anfang des Jahrtausends machte er sich auf dem Fasanenhof bei Bruchsal nochmal selbstständig. Die Reiterei war sein Leben, so wie er sich gewünscht hatte. Jetzt ist er zum ersten Mal abgestiegen ohne wieder aufzusteigen. Roland Janson ruhe in Frieden!
Ähnliche Meldungen
Warte mal kurz...
Hat Dir der Beitrag gefallen? Ja? Dann schnupper doch mal in unsere Printausgaben.