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Dienstag, 09.07.2024 um 11:16

FN bezahlte Boni noch in der Krise

Unabhängiger Wirtschaftsbericht macht Defizite in Controlling und Liquidität deutlich

Die FN kommt derzeit nicht zur Ruhe. Ein unabhängiger Wirtschaftsbericht bezeichnet die aktuelle finanzielle Lage als "angespannt". / © Hartwig

Der deutsche Reiterverband FN hat an insgesamt 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jahr 2023  noch rund 200 000 Euro Gehalts-Boni ausbezahlt, obwohl die Finanzkrise schon deutlich spürbar war. Denn schon im Jahr 2023 hatte die FN mit erheblichen Liquiditätsproblemen zu kämpfen. Das geht aus einem internen Papier hervor, das den MatthaesMedien vorliegt. In dem sechsseitigen Schreiben geht der Verband auf einen Fragenkatalog der Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände ein.

Neue Erkenntnisse daraus werden sicher für weiteren Zündstoff sorgen, wenn am Donnerstag, 11. Juli, in Warendorf der Verbandsrat der FN in Warendorf zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommt. Dabei geht es im Wesentlichen um die Aufarbeitung der Vorgänge um die Finanzmisere, die im Mai mit dem Rücktritt/Rausschmiss des Finanzvorstandes René Straten bekannt geworden ist. Geht es nach der Verbandsspitze, wird diesmal mit Zeitverzögerung auch die Entlastung des Präsidiums und die Genehmigung des Haushaltes 2024 vorgenommen. Beides gilt aber noch als unsicher. Mit Spannung erwartet wird auch der Prüfbericht der externen Gutachter und Wirtschaftsprüfer Dr. Michael Kaufmann und Dr. Tobias Tebben, von der HLB Schumacher in Münster. Jedenfalls gab es, wie das Schreiben an die Landesverbände dokumentiert, schon vorher massive Anzeichen für eine wirtschaftliche Schieflage des Verbandes. „Richtig ist, dass es 2023 Liquiditätsengpässe gab“, muss der geschäftsführende Vorstand der FN zugeben. Um diese auszugleichen musste der Verband Wertpapiere in Höhe von 940 000 Euro veräußern – gewissermaßen das Tafelsilber.

Auch der Prüfbericht liegt den MatthaesMedien bereits vor -  er enthält durchaus brisantes Material. Besonders spektakulär stellt sich nach dem Bericht die Entwicklung der Liquidität dar. Und zwar nicht erst seit dem Jahr 2023. So heißt es in dem Bericht an einer Stelle etwa, dass die Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung der Jahre 2019 bis 2023 zeige, dass es in diesem Zeitraum zu einer zunehmenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage gekommen sei. Es werde deutlich, dass kurzfristige Verbindlichkeiten selbst unter Berücksichtigung des Wertpapierbestandes nicht durch das Umlaufvermögen gedeckt seien.

Auffällige Entwicklung der Liquidität

Weiter geht aus dem Bericht hervor, dass der Wertpapierbestand zunächst teilweise, und dann im Verlauf des ersten Halbjahres 2024 komplett aufgelöst worden sei. Im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage ließe sich für das Jahr 2024 eine weitere Verschärfung der Liquiditätslage daran festmachen, dass im ersten Halbjahr 2024 das Wertpapierdepot vollständig aufgelöst worden sei.

Auch einen Ausblick in die nähere und mittlere Zukunft gibt der Bericht. So heißt es an einer Stelle, dass davon auszugehen sei, dass die FN weitere Defizite im Ausmaß der Jahre 2020 bis 2023 ohne ergänzende Finanzierungsmaßnahmen mittelfristig nicht gut verkraften könnte. Zu den öffentlich diskutierten Mutmaßungen zur Frage einer eventuellen Insolvenz erklären die Wirtschaftsprüfer das festgestellt werden könne, „dass die Insolvenzeröffnungsgründe der  Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung - nicht vorliegen“ .

Nach Auffassung der Prüfer handelt es sich aber „um  eine angespannte wirtschaftlichen Lage“. Einhergehend mit den besonders auffälligen Entwicklungen der Liquidität fällt auf, das gerade in der Bewertung der unterschiedlichen Kontroll- und Steuerungsmöglichkeiten die in den Abläufen der FN praktiziert werden, besonders im Bereich Liquiditätsmanagement, Monatsabschlüsse und Prozessbeschreibung auf einer vom Wirtschaftsprüfer zugrunde gelegten Skala von 1 – 10, lediglich Werte von 3, 5 und 4 erreicht werden.

„Interne Kontrollen nicht nachvollziehbar“

Grundsätzlich werden die Kontrollmechanismen und die Unternehmensstruktur als wiederholbar und  traditionell bewertet. Interne Kontrollen seien zwar vorhanden, jedoch wenig standardisiert und für Dritte nicht immer nachvollziehbar. Kontrollen würden zumeist personenabhängig ausgeführt und kaum dokumentiert. In der Beurteilung der Plausibilität der Haushaltsplanung für das Jahr 2024, (die bislang noch nicht vom Verbandsrat verabschiedet ist – Anm. der Redaktion) kommt der Prüfbericht zu dem Schluss, das eine integrierte Haushaltsplanung mit einzelnen Teilplänen zwar nicht vorgelegt werden konnte, die konsolidierte Haushaltsplanung trotzdem insgesamt als plausibel eingeschätzt würde, da die Haushaltsplanung für das Jahr 2024 anhand der zur Verfügung gestellten Unterlagen in allen wesentlichen Punkten nachvollzogen werden konnte.

Ein besonderes Augenmerk legt der Bericht dabei auf die Frage der Mitgliedsbeiträge, so heißt es weiter. Es erscheine plausibel, dass die Einnahmen insbesondere durch die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge gesteigert werden könnten. Vor diesem Hintergrund erscheint der Tagungsordnungspunkt 7 der bevorstehenden außerordentlichen Verbandsratssitzung besonders interessant, denn dieser lautet: „ Entscheidung über die Mitgliedsbeiträge 2025 inkl. Entscheidung über eine Anpassung der Mitgliedsbeiträge der Persönlichen Mitglieder“. Ob eine immer wiederkehrende, nachgerade automatisiert anmutende Beitragserhöhung wirklich DAS zielführende Instrument zur nachhaltigen Konsolidierung der FN darstellen kann, erscheint aus Beobachtersicht allerdings fraglich. Vielmehr dürften nun kreative Lösungen gefragt sein, die auch auf die Kraft der Ideen der gesamten Verbandsstruktur, von der Vorstandsetage der FN bis in die Reitvereine vor Ort vorurteilsfrei zurückgreifen sollte. Die Erkenntnisse des Prüfberichtes musste nun auch der FN-Vorstand in seiner Antwort an die Landesverbände einräumen.

Wirtschaftsausschuss: „Ein Sanierungsfall“

Aus dem August 2023 datiert ein Protokoll, in dem Markus Schulte, IT-Projektleiter und Betriebsrat im Wirtschaftsausschuss des Verbandes – einem Arbeitnehmer-Organ – erklärt: „Die FN ist ein finanzieller Sanierungsfall.“ Der FN-Vorstand will von diesem Protokoll und von dieser Aussage erst am 19. Juni 2024 erfahren haben.

Von der finanziellen Misere abgesehen, erntet die FN auch für ihren Umgang mit Personalentscheidungen Kritik bei den Landesverbänden. So gibt der Vorstand zu, dass der IT-Leiter Florian Giesecke-Uellner bereits vor der FN-Tagung im Mai in Dresden gekündigt hatte. Dies wurde allerdings bei der Tagung verschwiegen. „Wir wollten nicht den Fokus von den eigentlichen Themen lenken“, heißt es nun seitens der FN. Die Matthaesmedien hatten am 15. Mai bereits über den personellen Verlust berichtet und auch deutlich dokumentiert, das nach Aussage von Florian Giesecke-Uellner die Kündigung bereits am 18. April von ihm geschrieben worden sei und nach seiner Aussage am 2. Mai bei der FN abgegeben worden sei. Auf unsere weiterführende Frage, „Erwarten Sie hier Auswirkungen auf die auch in Dresden vielfach thematisierte, ins Auge gefasste Modernisierung der Buchhaltungssoftware?“,  teilte man uns im Mai  mit:  Auswirkungen auf die Modernisierung der Buchhaltungssoftware würden dadurch nicht erwartet.

Im Detail beschreibt die FN aber auch, wo und wie sie schon 2024 massive Einsparungen vornehmen will. Unter anderem müssen die Mitarbeiter auf die Boni-Zahlungen in Höhe von 200 000 Euro verzichten. Der Championatsball (120 000 Euro) soll ebenso gestrichen werden wie die Stensbeck-Feier (50 000 Euro). Um 55 000 Euro soll aber auch bei den Medikationskontrollen gekürzt werden – das dürfte aber in Anbetracht wachsender Kritik aus den Tierschutzverbänden umstritten sein. Abschließend heißt es in dem Schreiben an die Landesverbände aber auch durchaus selbstkritisch: „Wir bedauern die aktuelle Situation über alle Maßen! Maßgeblich ist auf der einen Seite, dass wir alle getäuscht wurden. Auf der anderen Seite müssen wir feststellen, dass unsere Kontrollmechanismen nicht ausreichend waren. Dafür tragen wir Verantwortung. Dafür entschuldigen wir uns ausdrücklich.“

Verantwortlich für Text & Recherche: Roland Kern und Stephan Bischoff
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