von Mona-Sophie Bimmel am Mittwoch, 15.05.2024 um 13:55

Ein Handeln ist gefragt!

„Wenn wir den Teufelskreis von immer weniger Mitgliedern, Turnierteilnehmern und Einnahmen durchbrechen wollen, müssen wir handeln.“ Mit einem Appell an die Delegierten hat Landesverbandspräsident Klaus Dieterich in Weilheim/Teck beim „Landtag der Reiter“ seinen zweiten Jahresbericht gehalten – er wurde zu einer schonungslosen Analyse, die am Ende sowohl eine Portion Hoffnung zuließ, aber auch eine eindringliche Aufforderung beinhaltete. „Wenn wir nicht handeln, verlieren wir die Jugend“, stellte Dieterich fest und fügte hinzu „Wir dürfen uns nicht auf dem bisher Erreichten ausruhen, auch wenn die Zahlen von 2023 gut sind“.

„Wir benötigen Nachwuchs“

Als Vorsitzender des Reitervereins in Bietigheim-Bissingen, aber auch bei vielen Gesprächen im Land stelle er fest, dass die Faszination Pferd sowie der Bedarf an Ausbildung und Unterricht „riesengroß ist“. Allerdings: „Kann dieser oftmals nicht gedeckt werden.“  Der Präsident, aber auch die Landestrainer forderten ein deutliches Bekenntnis zum Reiten lernen in den Vereinen und Betrieben, auch und vor allem bei den Ausbildern, Trainern und Reitlehrern. Vereinen und Schulbetrieben müssten geholfen werden. „Im Präsidium haben wir uns zusammengesetzt und unter dem Arbeitstitel Nachwuchs- und Mitgliedergewinnung Maßnahmen abgeleitet, die hierzu einen Beitrag leisten sollen. Unser gemeinsames Ziel ist es wieder mehr Menschen für den organisierten Pferdesport zu gewinnen“. Dabei seien die ersten Ideen für Maßnahmen die folgenden:

  • Allzu häufig werden Schulbetriebe aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben. Durch intensive Vereinsberatungen und Beispielrechnungen soll dem entgegengewirkt werden.
  • Schulpferdegewinnung- und Unterhalt: Gemeinsam mit dem Pferdezuchtverband Baden-Württemberg wird nach Lösungen gesucht, wie die Bereitstellung und im Idealfall die Ausbildung von Schulpferden unterstützt werden können.
  • Nicht-organisierte Reiter: Um die nicht-organisierten Reiter aus Privatställen besser zu erreichen sei die Gründung eines Vereins mit dem Namen „Pferdefreunde Baden-Württemberg“ eine Idee. Hierbei soll die Mitgliedschaft mit beispielsweise Vorteilen bei Versicherungen verbunden sein.

„Wir benötigen Nachwuchs. Hierfür müssen wir den Teufelskreis von immer weniger Mitgliedern, Turnierteilnehmern und Einnahmen durchbrechen und das geht nur wenn wir alle handeln“, so der Präsident. Zuvor hatte Dieterich die aktuellen Herausforderungen für den Sport in diesen Bereichen definiert, wie beispielsweise die Kostensteigerungen, stagnierende und im Bereich der Kinder- und Jugend zurückgehende Mitgliederzahlen sowie zu Guter Letzt das Ansehen des Pferdesports. „Es war ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Dabei haben uns weniger die äußeren Einflüsse, wie zuletzt die Corona-Pandemie, bewegt. Vielmehr ist die Situation im Reitsport selbst, wobei einige Protagonisten die uneingeschränkte Einhaltung des Tierwohl nicht für selbstverständlich angesehen haben und dem Pferdesport damit noch weiter geschadet haben“.

Mitgliederzahl insgesamt stabil, aber weiterhin Abwärtstrend bei der Jugend

Ganz grundsätzlich und auf den ersten Blick halten sich die Zahlen in Baden-Württemberg weitgehend stabil. „Die Mitgliedszahlen sind weiterhin stabil bzw. konnten sogar minimal, um 0,01 Prozent, gesteigert werden.“ So heißt es im Jahresbericht von Miriam Abel, der Geschäftsführerin von Landesverband und Landeskommission. Der „Landtag der Reiter“ tagte in diesem Jahr in Weilheim, wo Landesverbandspräsident Klaus Dieterich auf das vergangene Jahr blickte.

Der Pferdesportverband Baden-Württemberg hatte zum Ende 2023 exakt 97 102 Mitglieder. Damit hält er seine Position als mitgliederstärkster Landesverband innerhalb der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Es folgen die Verbände Westfalen (95 175 Mitglieder), Bayern (86 268 Mitglieder) und Hannover (77 935 Mitglieder) auf Rang zwei bis vier. Die Anzahl der Vereine ist erneut minimal zurückgegangen:  Von 844 auf 831.

Kleiner Hoffnungsschimmer im Turniersport

Vor dem Hintergrund zweier Hemmnisse, die allgemeinen Kostensteigerungen und die geltende Herpesimpfpflicht, fielen die Prognosen für das Turniersportjahr 2023 eher pessimistisch aus. Doch hier hatte man sich getäuscht. Bereits im Laufe der Saison 2023 zeichnete sich ab, dass die Turniersportzahlen für Baden-Württemberg minimal positiv sind. Ende 2023 konnte festgestellt werden, dass die Zahl der Pferdeleitstungsschauen von 2022 auf 2023 um 4 Prozent bzw. 18 Turniere gestiegen ist. Die Zahl der reinen LPO-Veranstaltungen ist dabei um acht Veranstaltungen, die Zahl der gemischten Veranstaltungen, sprich mit WBO- und LPO-Prüfungen, ist sogar um 26 Veranstaltungen gestiegen. Die Entwicklung der reinen breitensportlichen Veranstaltungen ist minimal gestiegen: 147 im Vergleich zu 144 aus dem Vorjahr. Dies ist in zweierlei Hinsicht erfreulich: Die Breitensportlichen Veranstaltungen bilden die Basis für den Turniersport und bundesweit waren die Turniersportzahlen allgemein rückläufig. Baden-Württemberg bildet hier eine der Ausnahmen. So haben 2023 im Ländle 600 Pferdesportveranstaltungen stattgefunden. Dies sind 3,63 Prozent mehr als in 2022. Doch Miriam Abel warnte: „Die Zahl der Turniersportler ist zurückgegangen. 343 Jahresturnierlizenzen weniger wurden ausgestellt, davon jeweils 16 für Voltigieren und Fahren und 311 für Reiten. Dies entspricht einem Rückgang von 4,1 Prozent. Der Anteil der organisierten Pferdesportler in Baden-Württemberg, die am Turniersport teilnehmen wollen lag im Berichtsjahr bei 8,23 Prozent“.

Mona-Sophie Bimmel (Redaktionsleitung)

Absolventin des Master-Studiengangs Medien- und Kommunikationsmanagement, unsere Expertin für online und Social Media. Ihr Herz schlägt für Ausbildungs- und Turniersportthemen. Selbst bis zur Klasse S erfolgreich.

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