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Feines Reiten: So klappt die harmonische Verbindung mit dem Pferd

Reiterjournal 27.04.2024

Präzise Hilfen, die man kaum sehen kann, eine direkte Reaktion des Pferdes, das leicht auf die Hilfen reagiert - so sieht feines Reiten aus. Und das kann man lernen.

Präzise Hilfen, die man kaum sehen kann, eine direkte Reaktion des Pferdes, das leicht auf die Hilfen reagiert - so sieht feines Reiten aus. Und das kann man lernen.
Voraussetzung dafür ist ein durchlässiges Pferd. Carolin Völker ist Agrarbiologin und ritt schon als Juniorin und Junge Reiterin erfolgreich bis zur Klasse S, war mehrfach Teilnehmerin an Deutschen Meisterschaften und begann Pferde bis zu diesem Niveau auszubilden. Sie ist Trägerin des goldenen Reitabzeichens und betreibt einen kleinen Ausbildungsstall auf dem Gelände der historischen Unteren Mühle in Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb. Sie hat einige Tipps und Tricks parat, um fein reiten zu lernen.
 

Schwung und Raumgriff von Beginn an fordern

Sie sagt: „Ich halte nichts davon, Dressurpferde in der Lösungsphase schwunglos erst einmal eine gewisse Zeit, sich warmlaufen zu lassen. Ich finde, nach einer ausreichenden Schrittphase am Anfang sollte der Reiter gleich für einen schwungvollen Trab, für Schub aus der Hinterhand und für einen räumenden Galoppsprung sorgen.“
Wichtig ist für sie dabei, das Tempo dem Pferd anzupassen, denn ein zu eiliges Tempo sorgt dafür, dass das Pferd dem Reiter davonläuft und er nicht mehr zum Treiben kommt.
Der Reiter soll dabei immer wieder für ein leichtes Genick sorgen, indem er immer wieder mit beiden Händen in Richtung Pferdemaul vorfühlt. „Dabei bietet er außerdem immer wieder eine Dehnung an, damit das Pferd in der Lösungsphase die Nase fallen lassen und den Rücken aufwölben kann“, schildert Carolin Völker.

Diagonale Hilfengebung

Durchlässigkeit kann der Reiter dann durch eine diagonale Hilfengebung fördern. Heißt: Der Reiter treibt deutlich mit dem inneren Schenkel an den äußeren Zügel heran. Dadurch bekommt das Pferd im Genick eine leichte Stellung und gibt nach. Das ermöglicht es dem Reiter wiederum, mit dieser Hand leicht nach vorne zu federn. Ganz wichtig dabei ist es, dass der äußere Schenkel verwahrend hinter dem Gurt liegt und die Hinterhand begrenzt.
Ziel ist es, dass das Pferd sich im Genick löst, die Anlehnung leichter wird und die Reiterhand feiner einwirken kann.

 

Zum Treiben kommen

Um das Pferd immer wieder an die Hand herantreiben zu können, muss der Reiter aber natürlich zum Treiben kommen. Der Reiter will das Pferd vor dem Bein haben. Er treibt es dafür von hinten nach vorne an die Hand heran und fängt es mit leichtem Annehmen des äußeren Zügels ab, bis es sich mit der diagonalen Hilfe wieder im Genick lösen lässt und sich von hinten nach vorne schließt. Das Ergebnis ist eine „halbe Parade“. „Sie ist das wichtigste Mittel, um Durchlässigkeit und Losgelassenheit herzustellen,“ sagt Carolin Völker.

Um möglichst fein zu reiten, braucht es einen tiefen Sitz und abgestimmte Hilfen. Weitere Tipps, wie sich das am besten umsetzen lässt, gibt Carolin Völker in E-Paper Ausgabe 03/2022 des Reiterjournals.