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Reiterjournal 27.04.2024
Stroh, Späne oder doch Waldboden – die Auswahl auf dem Einstreu-Markt ist groß und vielfältig, aber wo liegen die Vor- und Nachteile und welche Alternativen gibt es noch?
Der Klassiker der Einstreu ist eigentlich ein „Abfallprodukt“ der Getreideernte: das Stroh. Es dient nicht nur als Einstreu, sondern zum Teil auch als Beschäftigung oder Raufutter, was zum Problem werden kann. Eine reichlich mit Stroh eingestreute Box oder Liegefläche bietet dem Pferd aber einen weichen und gemütlichen Untergrund, auf dem es sich gerne ablegt und schläft. An ihre Liege- und Ausscheidungsbereiche haben Pferde ganz besondere Ansprüche. Die Einstreu sollte so staubarm wie möglich und sehr saugfähig sein, außerdem weich und trotzdem rutschfest. Auf einen zu harten Untergrund werden sich die Pferde nur ungern hinlegen, sodass das Ruheverhalten gestört wäre. Die Rutschfestigkeit ist für die Gesunderhaltung der Pferde(-beine) von Bedeutung: Gerade beim Aufstehen können sich die Pferde durch Wegrutschen schwere Verletzungen zuziehen.
Stallmatten bieten nicht nur einen stabilen und rutschsicheren Untergrund, sondern reduzieren auch den Einstreubedarf und somit auch das Mistaufkommen. Weniger Mistvolumen als bei Stroh gibt es auch bei der Verwendung von Spänen. Sie nehmen zudem die doppelte Menge an Flüssigkeit auf und binden Gerüche sehr gut.
Ebenso geruchsfrei und im Vergleich zu den alt bewährten Einstreuvarianten neu und innovativ ist der Waldboden. Er hat einen neutralen pH-Wert, ist torffrei, bindet Urin, staubt nicht und schafft einen weichen Untergrund. Der Arbeitsaufwand hält sich dadurch, dass nur die Pferdeäpfel entfernt werden müssen, sehr in Grenzen und die Mistmenge ist deutlich reduziert.
Hier spielt das Thema Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. Zum einen müssen die Kosten für die Anschaffung des entsprechenden Einstreumaterials bedacht werden, aber auch die anfallenden Kosten für die Lagerung und Entsorgung. So muss je nach Material ein trockener, sauberer und gut zugänglicher Lagerort bereitgehalten werden. Je nachdem, wie viele Pferde auf dem Betrieb gehalten werden und viel pro Tag bzw. Woche nachgestreut werden muss, kann ein enormer Platzbedarf entstehen. Auch das Handling der Einstreu ist wichtig. Wie wird es in die Box gebracht, wie wird gemistet, werden spezielle Geräte benötigt? Je nach Einstreu ergeben sich große Unterschiede, was die Anstrengung für den Menschen und die Arbeitszeit angeht. Am Ende der Kette steht dann das Thema Entsorgung. Das Material sollte gut kompostierbar sein, sich im besten Falle sogar noch für die Verwendung in der Biogasanlage eignen.
Ein Blick über den Tellerrand zu werfen und auch andere Materialien in Betracht zu ziehen lohnt sich also nicht nur für den Geldbeutel, sondern auch für das Pferdewohl.
Was es für andere Einstreu-Alternativen gibt und auf was sonst zu achten ist, steht in Ausgabe 10/2021 des Reiterjournals.