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Donnerstag, 28.07.2022

Züchter Ralf Pawlowski über "seinen" Limbridge: "Schon als Fohlen war er frech und hellwach."

Limbridge und Jana Wargers in Aachen beim Nationenpreis. Foto: S. Lafrentz
Limbridge und Jana Wargers in Aachen beim Nationenpreis. Foto: S. Lafrentz

Von Heidenheim nach Herning: Der 13-jährige Holsteiner Limbridge ist unter Jana Wargers Teil des deutschen Teams bei den Weltmeisterschaften in Herning. Das macht einen ganz besonders stolz: Seinen Züchter Ralf Pawlowski aus Heidenheim.

Beim Gedanken daran, dass der 13-jährige Hengst nun im August bei der WM in Herning unter Jana Wargers die deutschen Farben vertritt, übermannen den 54-Jährigen seine Gefühle. „Es ist einfach gewaltig und überwältigend“, sagt er mit einem Kloß im Hals und unterdrückt seine Freudentränen.

2009 kam Limbridge bei Ralf Pawlowski, erster Vorsitzender des Pferdezuchtvereins Heidenheim und Regionalsprecher des Pferdezuchtverbands Baden-Württemberg, in Heidenheim zur Welt. Schon als Fohlen war Limbridge „frech und hellwach, einfach ein tolles Fohlen“. Das sah auch Christoph Kaufmann, der einen Ausbildungs- und Verkaufsstall in Jettingen-Scheppach betreibt. Er erwarb den Hengst nur einen Tag nach dessen Geburt und förderte ihn bis in den internationalen Sport.

Die Laufbahn des Hengstes hat Ralf Pawlowski immer verfolgt, von Springpferde-Prüfungen, über die Teilnahme beim Bundeschampionat in Warendorf bis hin zu den ersten internationalen Erfolgen. „Als er das erste Mal ein S-Springen gewonnen hat, war ich unfassbar stolz“, erinnert er sich. Für den Züchter ein riesiger Erfolg, für den braunen Hengst erst der Beginn seiner Karriere.

2018 verkaufte Christoph Kaufmann Limbridge an Jos Lansink und Enda Caroll, Inhaber der Ashford Farm in Belgien und Arbeitgeber von Jana Wargers. Kurz darauf wurde Limbridge von Eve Jobs vorgestellt, seit 2021 sitzt Jana Wargers im Sattel. Sie präsentierte Limbridge die ersten Male auch erfolgreich auf Fünfsterne-Niveau bis 1,60 Meter. Keine Frage - die Beiden haben sich gesucht und gefunden. „Jana hat einen ganz besonderen Bezug zu ihm und er dankt es ihr mit top Leistungen“, sagt Ralf Pawlowski, der in regelmäßigem Kontakt zu der Reiterin steht. „Limbridge sprang immer gut, aber mit ihr ist es außergewöhnlich. Er hat seine Reiterin gefunden!“ Das beweisen Erfolge wie der Sieg im Großen Preis von Budapest oder ein zweiter Platz im Großen Preis von Rom und zuletzt der Sieg mit der deutschen Mannschaft im Nationenpreis in Aachen. Dort durfte Ralf Pawlowski das Paar live erleben: „Als sie zu den Klängen der Nationalhymne an mir vorbeigaloppiert sind, hatte ich Gänsehaut“, schildert er. "Limbridge hat so viel Kampfgeist, der will immer!" Besonders glücklich macht es ihn, dass Jana Wargers zu 50 Prozent Mitbesitzerin des Hengstes ist und dieser damit hoffentlich ein Zuhause auf Lebenszeit hat. Die andere Hälfte gehört zu gleichen Teilen Enda Caroll sowie Jos Lansink, Bundestrainer der niederländischen Springreiter. Für die WM in Herning ist es jetzt wichtig, dass der Hengst gesund bleibt, aber darüber macht sich Pawlowski keine Sorgen: "Er ist ein eher kleines Pferd, aber zäh durch das Ladykiller-Blut, das in ihm steckt."

Während ihr Sohn heute in den Springstadien der Welt über sich hinauswächst, war Limbridges Mutter Ulla XV v. Cambridge eher das hässliche Entlein, als sie in den Stall nach Heidenheim kam. Sie war in einem schlechten Zustand, dazu hatte sie langes zotteliges Winterfell. „Was willst Du denn mit der?“, habe ein Freund Ralf Pawlowski gefragt. Wirklich umgänglich war Ulla auch nicht. Hufe geben? Fehlanzeige. „Eine richtige zickige Stute vom Holsteiner Schlag“, erinnert sich der Züchter. Doch dank guter Pflege wurde aus ihr ein ansehnliches Pferd und die Anpaarung mit dem ehemaligen Dobel-Hengst Limbus erwies sich als voller Erfolg. Der Rest ist Geschichte. Leider ist Limbridge das letzte lebende Fohlen, nur ein Jahr nach seiner Geburt ist Ulla im Alter von gerade mal sechs Jahren eingegangen. Inzwischen züchtet Ralf Pawlowski mit drei Stuten Dressurpferde, ein hoffnungsvolles Fohlen kam in diesem Jahr zur Welt. „Ein Stutfohlen aus meiner Dancier-Stute mit Sezuan-Blut über den Vater“, erklärt er und schiebt gleich hinterher: „Die behalte ich als Zuchtstute.“ Vielleicht hat er dann in ein paar Jahren erneut so ein glückliches Händchen – diesmal für die Dressurvierecke der Welt. (mj)

Galerie:

1. Die Mitglieder des Zuchtvereins Heidenheim besuchten Limbridge und Jana Wargers beim Nationenpreis in Aachen. (Foto: privat)

2. Frech und übermütig im Alter von drei Jahren an der Hand seines damaligen Besitzers Christoph Kaufmann. (Foto: Robert Kraft)

3. Als Jährling auf der Weide. (Foto: privat)

4. Viel Ausdruck und den Schalk im Nacken. (Foto: Robert Kraft)

5. Stolz wie Bolle: Ralf Pawlowski und Jana Wargers mit Limbridge. (Foto: privat)

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