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Montag, 01.08.2022

Von Donzdorf nach Dänemark

Sie sind im internationalen Turnierzirkus bekannt wie schwäbische Spätzle, sitzen zum Frühstück (wenn sie Zeit dazu haben) bei Markus Ehning und zum Kaffee bei Madeleine Winter-Schulze. Sie gehören dazu – und ohne sie liefe viel weniger glatt im globalen Turniersport. Die Rede ist von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Firma Hippo Data mit Sitz in Salach im Kreis Göppingen. Hippo Data ist das weltweit führende Unternehmen für spezielle IT-Lösungen für große Reitturniere – ob Video-Leinwand, Ergebnisauswertung, Meldestelle oder auch die immer wichtigeren Schnittstellen zu Fernseh- und Streamingsendern; Hippo Data, sein Gründer und Chef Jens Feth sowie mittlerweile rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wissen immer eine Lösung.

Drei „Hippos“ haben am Sonntagabend auf dem Jubiläumsfestival in Donzdorf zusammengepackt und sind einen Tag später gleich durchgestartet zu den Weltmeisterschaften im dänischen Herning. Ohne einen Tag Pause, aber das kennen sie: es sind Markus Kuhnle aus Schwaigern bei Heilbronn, Fritz Trefzger aus dem südbadischen Schopfheim und René Appelt aus Böblingen. Sie gehören zum festen Stamm des Hippo-Data-Teams. In Herning werden sie auch auf ihren Chef Jens Feth treffen sowie auf die Bereichsleiterin Sport, Antje Schnetter. Schon lange kommen Championate – zumindest auf europäischem Boden – ohne die IT-Lösungen aus der schwäbischen Provinz nicht aus.

Die drei von der Denkstelle sind gute Beispiele für die Erfolgsmannschaft Feths, der seine Leute meistens aus einer technik-affinen Reiterwelt rekrutiert. Bei Hippo-Data machen sie ihr Hobby zum Beruf.

René Appelt, die Allzweckwaffe

Am längsten ist René Appelt dabei; er ist eine Art Allzweckwaffe geworden. Von Haus aus ist der 47-jährige Betriebswirt mit Fachrichtung Wirtschaftsinformatik, aber auch mit logistischem Geschick und sogar einem LKW-Führerschein ausgestattet. In Herning bei der WM wird er für die Auswertung der Dressur-Ergebnisse verantwortlich sein und arbeitet mit der papierlosen Technik des Programmierers „Black Horse“ zusammen – die Software ist bei Hippo Data natürlich gut bekannt; man war an der Emtwicklung beteiligt. Appelt hat schon vor über 20 Jahren begonnen, im Raum Böblingen für kleinere Turniere die Meldestelle zu betreuen. Als der Ablauf immer technischer und aufwändiger wurde, ging er ins Team der Salacher Firma.

Markus Kuhnle – Hobby zum Beruf gemacht

Markus Kuhnle hat ganz ähnlich angefangen. Der frühere Hobby-Springreiter, gelernter Industriekaufmann, hat zunächst in seinem Heimatverein Schwaigern die Meldestelle betreut. Dann – zunächst an der Seite von Andrea Kunzmann – auch weitere Veranstalter im Raum Heilbronn und Karlsruhe. Es ist jetzt fünf Jahre her, als er erfuhr, dass Hippo Data einen festen Job für internationale Meldestellenarbeit zu vergeben hatte. Da griff Kuhnle zu; er hat es nie bereut.

Freiberuflich ist er als Meldestellen- und Turnierleiter immer noch auch im ländlichen Bereich unterwegs, bietet Turnierorganisation aus einer Hand an. Beim Championat in Herning erstellt er Startlisten und Startzeiten, kontrolliert die Startberechtigungen und den Ablauf. Was aber ländlich und weltmeisterschaftlich gleich ist, beschreibt der 44-jährige Kuhnle so: „Die Meldestelle ist immer die erste Anlaufstation der Reiter, ob sie melden wollen oder wissen wollen, wo die Toiletten sind und wo es was zu essen gibt.“

Fritz Trefzger kann am Regler alles

Mit Fritz Trefzger ist es ähnlich wie mit René Appelt – beide können am Rechner und am Regler alles, in seinem Heimatverein Schopfheim, wo die Familie Trefzger eine feste Größe ist, übernimmt er auch sehr passabel die Ansage und die Moderation, während er sich um die Beschallung kümmert und nebenbei die Zeitmessanlage und die Rechenstelle „schmeißt“. Der 34-jährige gelernte Fachinformatiker, der aus einer Bäckerfamilie stammt, ist ein Multitalent der Turnierorganisation. Manchmal glaubt man, er hätte sieben oder acht Hände. In Herning ist er von Hippo Data an den befreundeten Turnier-Soundisten Tobias Wiebels aus Wuppertal ausgeliehen, der für die WM den Komplett-Auftrag für die Beschallung bekommen hat. Das kann zeitweise entspannt sein, aber auch anstrengend, wenn ein kleiner Fehler am Pult den Reiter eine Medaille kosten kann: nämlich bei den  Kür-Vorführungen. Dann wirkt sogar der lässige Fritz Trefzger für einen Moment ein bisschen angespannt. Aber bislang hat immer alles geklappt. Die Reiterwelt weiß, dass sie sich auf das Team aus dem „Ländle“ verlassen kann.     Roland Kern/Foto: Kern

 

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