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Dienstag, 28.04.2020

Galopper scharren schon mit den Hufen

Der Badische Rennverein in Mannheim-Seckenheim könnte im Mai schon die ersten Turf-Renntage ohne Zuschauer veranstalten, das könnte eine Wegweisung auch für Reitturniere sein.

Klar, einiges wird fehlen, jubelnde Menschen zum Beispiel, die ihr Pferd auf den letzten Metern anfeuern. Die Schlangen an den Wett-Annahmestellen, die vor Ärger zerrissenen Wettscheine – aber wenigstens könnte es wieder spannenden Galoppsport geben, wenn das Direktorium für Vollblutzucht und - Rennen  seine Pläne umsetzt, im Mai wieder Pferderennen zu veranstalten. Es würde sich dann um so genannte „Geisterrennen“ ohne Publikum handeln, wie sie zum Beispiel auch in der Fußball-Bundesliga vorgesehen sind. „Wenn die Politik das den Fußballern erlaubt, kann sie es uns schlecht verbieten“, sagt Stephan Buchner, der Präsident des Badischen Rennvereins in Mannheim-Seckenheim.
Der Jurist und Pferderechtler ist im deutschen Turfsport eine feste Größe; einige Jahre war er hauptamtlich Geschäftsführer des traditionsreichen Galoppclubs in Berlin-Hoppegarten. Am Dienstagabend konferierte er am Telefon mit anderen Turfclub-Vorsitzenden und dem Präsidium des Dachverbands in Köln.
Jedenfalls: Wenn der Verband von der Politik grünes Licht für seinen grünen Rasen bekommt, ist die Seckenheimer Waldrennbahn dabei: Mit Renntagen am 12. Mai und am 11. Juni. Mit dem Mannheimer Ordnungsamt steht Buchner schon in Kontakt; dort würde man „Geisterrenntagen“  nicht im Wege stehen, wenn der Veranstalter ein Konzept vorlegt, wie die Corona-Hygiene-Regeln einzuhalten sind. „Und das können wir“, kündigt Buchner an. Berlin, Dortmund, München, Dresden und Hannover sollen weitere Austragungsorte sein. „Wir haben bereits positive Signale der lokalen Behörden bekommen“, sagt auch Gerhard Schönigh,  der Besitzer der Rennbahn in Hoppegarten.
Der Turfsport hat für eine Genehmigung von  Veranstaltungen ohne Zuschauer einige Argumente zu bieten. Erstens sind die Vollblutpferde sowieso im Training, weil die Bewegung für Galopper auch in der sportfreien Corona-Zeit –   wie bei Turnier- und Freizeitpferden – schon aus Tierschutzgründen gewährleistet sein musste. Zweitens kommen sich Reiter – in diesem Fall Jockeys – auf dem Pferderücken sowieso nicht nahe. Drittens handelt es sich überwiegend um Berufsreiter , die ein Recht auf Berufsausübung haben. Und viertens finanzieren sich die Rennvereine ohnehin zu einem großen Teil aus den Beteiligungen an den Pferdewetten in den Wettbüros; diese Maschine könnte auch anlaufen, wenn die Rennen online übertragen werden. Anderen Sportarten fehlen ohne Publikum schlichtweg die Einnahmen, Pferdewetten gehen immer.
Und schließlich: Der Dachverband der Rennvereine ist politisch klug und gut vernetzt. Verbandspräsident ist nämlich der frühere Grünen-Politiker und Landtagsabgeordnete Michael Vesper; er fungierte in seiner politischen Ära schon als Vizepräsident des nordrhein-westfälischen Landtages und war von 2006 bis 2017 Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Er weiß, wie (sport-)politische Entscheidungen getroffen werden.
Die Galopper scharren also mit den Hufen. Sie erwarten neue Signale aus einer angekündigten Kanzlerinnen-Corona-Runde am 30. April. „Wir könnten dann schnell loslegen“, versichert Stephan Buchner.
Auch die anderen Reitsportler beobachten im Moment mit großem Interesse, wie es im Turfsport weitergeht. Bei einer Lockerung in Richtung zuschauerloser Turniere wollen einige dem Beispiel folgen. In Baden-Württemberg hat die Landeskommission für Reitturniere Veranstalter vorsorglich aufgefordert, Konzepte für „eine Wiederaufnahme von Reitturnieren am Tag x“ einzureichen. Der südbadische Pferdesportverband hat erste Ideen veröffentlicht. Der baden-württembergische Reiterpräsident Gerhard Ziegler hatte sich schon letzte Woche mit einem „Brandbrief“ an seine Parteifreundin Kultusministerin Susanne Eisenmann gewandt: „Wir machen uns viele Gedanken, wie der organisierte Pferdesport verantwortungsbewusst den Weg aus der Krise gestalten“, schildert er. Weiterer Vorteil: Das Fachmagazin „Reiterjournal“  hat bereits Erfahrung darin, Pferdesport live und spannend im Internet zu übertragen.  So könnte aus einem „Geisterturnier“ sogar eine Veranstaltung mit vielen Zuschauern werden. Online und coronagerecht  (rok). 

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