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Mittwoch, 20.05.2020

Durmersheim – der Sport taucht aus der Versenkung auf

Die Premiere ist geglückt: In Dumersheim im Kreis Rastatt fand am Mittwoch der erste offizielle Trainingstag nach der Corona-Pause in Baden-Württemberg statt. Die Reiter atmeten hörbar auf. Es ist eine langsame Rückkehr zur Normalität. Erste Profis aus dem Land reiten sogar schon echte Turniere – allerdings in Hessen.

Markus Wenz hält das Handy hoch. „Schau“, lacht er seinem Sohn und Bereiter Lucas zu, „schon eine Antwort“. Der Sersheimer Nationenpreisreiter und Springausbilder  hat die freudige Reaktion eines seiner Pferdebesitzer auf ein neues Video bekommen, das er gerade verschickt hat. „Meine Besitzer sind froh, dass es wieder losgeht“, berichtet Wenz.

So geht es allen Reiterinnen und Reitern, die am Mittwoch mal wieder Pferde aufladen durften – um zwar nicht zum Turnier zu fahren, dafür aber zum ersten Trainingstag in Baden-Württemberg. Patrick Kühn und Franziska Gehrer hatten sich ein Herz gefasst und waren ins kalte Wasser gesprungen. Trainingstage sind die einzigen aktuell zulässigen Reitsport-Veranstaltungen in Baden-Württemberg.

Erste Botschaft aus Durmersheim: Es geht. Sogar leichter als gedacht.  Und unter Einhaltung von Vorgaben, die allesamt erfüllbar erscheinen. „Kein Problem“, findet Patrick Kühn, Ausbildungsleiter des Betriebs Am Herrschaftsfeld. Der Trainingstag war sowohl bei der LK in Kornwestheim als auch beim örtlichen Ordnungsamt angemeldet. Im Durmersheimer Rathaus war man aufgeschlossen. Da die Familie Gehrer neben dem Reitbetrieb einen großen Spargelhof betreibt, kennt das Ordnungsamt die Ansprechpartner. Und vertraute ihnen. Kleine Geste gegenüber der Gemeinde: Das Startgeld der Reiter – 12 Euro pro Pferd – wird dem örtlichen Kindergarten gespendet.

Mit Maske ins Reiterstübchen

Patrick Kühn war selbst vorsichtig, nutzte gar nicht alle Möglichkeiten aus, um zu testen, was problemlos umzusetzen ist. 30 Pferde aus rund zehn Profiställen waren bei diesem ersten Test zugelassen. Alle bekamen ihre Trainingszeit zugewiesen, so dass immer möglichst wenig Personen auf der Anlage waren. Drei Pferde konnten gleichzeitig in der Halle abgeritten werden, fünf auf dem großen Springplatz, auf den Parcourschef Günther Raupp ein paar mögliche Parcoursvarianten gesetzt hatte. Jeder Reiter hatte seinen Trainer dabei, der die Höhen der Hindernisse selbst verstellte. Ein Parcoursdienst war nicht eingesetzt. Am Eingang lag eine Anwesenheitsliste aus, es separater Toilettenwagen wurde aufgebaut. Wer sich einen Kaffee oder einen Snack holen wollte, konnte das sogar im Reiterstübchen tun – schön mit Abstand und mit Gesichtsmaske.  An der frischen Luft waren keine Masken erforderlich. Einige Personen trugen aus Vorsicht einen Schutz.

„Alles hat reibungslos geklappt“, meldete Patrick Kühn am Nachmittag. Am Samstag will er den nächsten Trainingstag anbieten, dann vielleicht alle zwei Wochen jeweils mittwochs.  Die Reiter sind dankbar: aus der Landesspitze reisten Julia und Timo Beck an, aus dem Schwarzwald Tobias Schwarz, Olaf Peters mit Schülern vom Gestüt Dobel, einige Ställe aus dem Raum Karlsruhe, Markus Wenz und sein Sohn Lucas (21), der nach seiner Bereiterlehre am Stall von Andreas Kreuzer dieses Jahr in Baden-Württemberg einen Kaderplatz anstrebt. Die Wenzsche Saison war anders geplant, bis Corona die Welt lahm legte. International. Dann kam alles anders. „Jetzt sind wir froh, dass wir unseren Pferden wieder etwas zeigen können“, beschreibt Marcus Wenz. Alle bedankten sich beim Team der Reitanlage Am Herrschaftsfeld für diesen Pioniergeist in schweren Zeiten. Und andere Veranstalter im Land schauen nach Durmersheim, weil der Verein dort für den Mut steht, aus  der Krise zu steuern.

Auch die Landeskader wollen trainieren

Die nächsten Trainingstage sind auf der Reitanlage von Manfred Marschall in Heiligkreuztal geplant und für die Nachwuchs-Landeskader  am 2. und 3. Juni auf dem Birkhof in Donzdorf. Reitmeister Karl-Heinz Streng will Anfang Juni seinen Springreiter-Landeskader auf diese Weise auf der Reitanlage der Familie Schill in Neuried versammeln – so taucht der Reitsport langsam wieder aus der Versenkung auf.

Die ersten Profis aus dem Land werden am langen Wochenende schon die ersten richtigen Turniere bestreiten; allerdings in Hessen. Katrin Burger und ihr Team werden erstmals in Wartenburg-Angersberg antreten – neun Wochen nach Pforzheim (rok/Foto: Doris Matthaes)

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