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Montag, 23.03.2020

Reitervereine in Zeiten von Corona - Musterbeispiel Mannheim

Wer darf auf die Vereinsanlage? Wer ist befugt und verantwortlich für die so genannte „Notbewegung“ eines Pferdes? Ist Reitunterricht erlaubt? Darf überhaupt geritten werden? Die Reitervereine landauf landab sind schwer verunsichert. Da hilft ein gutes Beispiel des Mannheimer Reitervereins, dessen Präsident auch Präsidiumsmitglied im Reiterverband FN ist: Peter Hofmann. Das „Reiterjournal“ hat den Mannheimer Reiterverein besucht.

Peter Hofmann ist lange genug im „Geschäft“, um sich nichts vorzumachen: „Wenn das bei uns in den Vereinen nicht klappt“, warnt er, „werden die Auflagen noch drastischer sein“. Am Montag hat der Jurist und Unternehmer das nächste Schreiben an „liebe Mitglieder, liebe Einsteller von Pensionspferden, liebe Schulpferde-Reiter, liebe Gäste und Freunde des Reiter-Vereins“ verschickt. Das Vorgänger-Schreiben hatte eine Verfallsdauer von drei Tagen, dann war es schon wieder überholt. Wie organisieren Peter Hofmann und seine Betriebsleiterin Pferdewirtschaftsmeisterin Anica Fröhling den „Stall“, den man nicht mehr Reitbetrieb nennen darf, weil es einen solchen nach den Corona-Regeln nicht mehr geben darf.

In Kurzform einige wichtige Maßnahmen, die andere Vereinen nützen und übernehmen können (ausführliche Reportage im nächsten Reiterjournal).

- Die Vereinsanlage ist grundsätzlich geschlossen. Jeder, der die Anlage betritt, muss sich an einem Empfang anmelden und den Grund angeben. Im Allgemeinen sind das Pferdebesitzer oder Reitbeteiligungen, aber so genannte Nothelfer mit Reitkenntnissen sowie Schmied, Tierarzt und so weiter. Die Aufenthaltszeit wird dokumentiert.

- Jeder Befugte hat vom Vorstand eine Bescheinigung erhalten, die ihn zum Zugang berechtigt. Der Vorstand rechnet mit einem Besuch pro Tag (entweder Besitzer oder Reitbeteiligung) von eineinhalb Stunden.

- Aus der Gesamtquadratmeter-Zahl der Anlage wurde errechnet, dass vier Großpferde auf 800 Quadratmetern Fläche gleichzeitig bewegt werden können.also 200 Quadratmeter pro Pferd  (das entspricht vier Pferden in der kleinen Reithalle und acht in der großen, mehr noch auf dem riesigen Außenplatz), so dass in eineinhalb Stunden 15 Pferde bewegt werden können. Die befugten Reiter geben ihre Zeiten an, so ist es organisierbar, dass nie mehr als 15 Personen gleichzeitig auf der Anlage sind. Und es sollten nie mehr als zwei Personen auf einer Stallgasse sein, damit ist der Mindestabstand von 1.50 Meter immer möglich.

-  Rund 70 Pferde stehen im Mannheimer Reiterverein, darunter fast 30 Schulpferde- und Ponys. Für diese Tiere haben Hofmann und Fröhling etwa 20 erfahrene Schulreiter ausgewählt, damit auch diese Pferde und Ponys bewegt werden können.  

- Es gibt außerdem einen Pferdeversorgungs-Plan, auf dem eingetragen wird, dass die Versorgung gewährleistet ist, auch wenn die Besitzer oder Reiter nicht in den Stall kommen (was bei den meisten älteren Pferdebesitzern der Fall ist).

- Schmied- und Tierarztbesuche werden von der Betriebsleitung koordiniert.

- Ein Reitunterricht ist nicht im Angebot, aber Anica Fröhling kann auf Wunsch das Bewegen eines Pferdes beaufsichtigen, bei den Schulpferden sowieso.

- Und ganz wichtig: Reitervereine, die Angestellte beschäftigen, so Hofmanns Tipp, können beim Wirtschaftsministerium für den wirtschaftlichen Geschäftsbereich eine Förderung beantragen.

 

Peter Hofmann steht mit der FN und den örtlichen Ordnungsbehörden im Rathaus im Kontakt, um die Maßnahmen abzusprechen. Das hilft, Missverständnisse zu vermeiden (rok).

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