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Montag, 30.05.2022

Zum Tode von Wolfgang Fahr

Er war ohne Zweifel eine der prägenden Persönlichkeiten der Reiterei  in Baden-Württemberg in den vergangenen 50 Jahren, und das in ganz unterschiedlicher Hinsicht. Jetzt ist Wolfgang Fahr am Himmelfahrtstag wenige Tage vor seinem 96. Geburtstag in Stuttgart gestorben. Seine letzte Herzensangelegenheit, das Hippotherapiezentrum im Schlössle in Scharnhausen, hat er in die Lage versetzt, auch ohne ihn weiter mit Pferden zum Wohle von Menschen mit Behinderung wirken zu können. Nicht nur dort wird man Wolfgang Fahr ewig dankbar sein.

Wolfgang Fahr war schon 85 Jahre alt, als er noch einmal eine Lebensaufgabe annahm. Er kaufte das „Schlössle“ in Scharnhausen auf den Fildern vor den Toren Stuttgarts und begleitete dessen Ausbau zum Zentrum für Hippotherapie und Physiotherapie mit hohem persönlichen und auch finanziellem Aufwand.

Von dieser Seite kannte man in der breiten Öffentlichkeit diesen Mann noch nicht. Wolfgang Fahr war ein zielstrebiger Mann, der Verantwortung anstrebte und wahrnahm, ein politischer Kopf, ein Machtmensch. Wenn er einen Raum betrat, neigte man dazu, den Kopf einzuziehen, so groß war der Respekt, den er schon aufgrund seiner Statur, seines Auftretens und seiner donnernden Stimme ausstrahlte.

Erinnerungen an die eigene Mutter

Nicht viele Menschen wussten damals, was ihn antrieb, zu diesem späten wohltätigen Lebenswerk. Der Grund: Seine Mutter war an Multiple Sklerose erkrankt, sie brauchte den Sohn als Helfer und Pfleger. Hippotherapie hätte ihr gut getan, ihr Leiden gelindert. So konnte Wolfgang Fahr im hohen Alter die Erinnerungen an seine Mutter und ein Leben mit den Pferden verbinden. Das hat ihn später durchaus dankbar werden lassen.

Wolfgang Fahr kam Ende der 60er-Jahre, als es für Unternehmer zum guten Ton gehörte, zum Reiten im Stuttgarter Reiterverein am Kräherwald. Es war seine Art, dass er auch hier in Verantwortung strebte. 1967 wurde er zum Stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, 1973 zum Vorsitzenden. 1977 gehörte er zu den Architekten des neuen baden-württembergischen Landesverbandes, setzte sich an dessen Spitze, damals als Geschäftsführender Vorsitzender  - diesen Posten gab es nach seiner Ära nicht mehr. Er blieb es sechs Jahre, dann – 1986 bis 1992 – wurde er nochmal zum Schatzmeister gewählt. Nicht zuetzt war Wolfgang Fahr einer der Wegbereiter des "Reiterjournals" und einer der ersten Fürsprecher des Internationalen Turniers in der Stuttgarter Schleyerhalle. Die FN zeichnete ihn schon 1986 für seine Verdienste mit dem Deutschen Reiterkreuz in Silber aus, der Landesverband verabschiedete ihn 1992 mit der Ehrennadel in Gold.

Olympisches Feuer für Lillehammer

Wolfgang Fahr war seinerzeit auch als Unternehmer und Politiker ein einflussreicher Mann, Schatzmeister der CDU im Land, Vorsitzender des Wirtschaftsrates Baden-Württemberg, scharfsinniger Stratege und Berater der Ministerpräsidenten Lothar Späth und später Erwin Teufel.

Und er hatte einen Sinn für die Inszenierung. 1994 sorgte er dafür, dass Stuttgarter Reiter mit acht Pferden das Olympische Feuer in Stuttgart vom Rosensteinpark in den Landtag begleiten. Sie hatten die Ehre, die Olympia-Flagge für Lillehammer mit den Pferden zu überbringen. Wolfgang Fahr ritt mit fast 70 Jahren voraus. Im Alter von 89 wurde er noch zum Rittmeister der Stuttgarter Stadtgarde gewählt. Da gehörte sein Herz bereits der Hippotherapie und seinem Schlössle.

Im gesegneten Alter von fast 96 Jahren konnte sich der bis zuletzt wortgewandte Mann nun in sich ruhend aus dem Leben verabschieden. Sein jüngstes Kind „HPZ“ ist in trockenen Tüchern. Wolfgang Fahr hat das Zentrum aufgebaut, die richtigen Leute auf die richtigen Stellen gesetzt, allen voran natürlich Betriebsleiterin Silke Plöns, die das „Schössle“ in seinem Andenken führt.

Inzwischen werden in der Patientenkartei des HPZ mehr als 500 aktive Patienten betreut, darunter rund 20 schwer und schwerstbehinderte Menschen, die auf dem Pferderücken eine große Erleichterung ihrer Leiden erfahren. Das Zentrum ist im ganzen Land und darüber hinaus als Einrichtung bekannt, bei denen Pferde den Menschen helfen. Das war das Ziel seines Gründers Wolfgang Fahr.  

Die Trauerfeier findet am Freitag, 3. Juni, 11 Uhr, in der Waldkirche am Stuttgarter Kräherwald statt.  

                                                                                                                                                                                                                                            Roland Kern

 

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