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Mittwoch, 12.01.2022

Darf „Touchieren“ wirklich sein?

Nach den Vorwürfen gegen Springreiter Ludger Beerbaum rückt die umstrittene aber in Grenzen zulässige FN-Ausbildungsmethode des „Touchierens“ immer mehr ins Visier der Kritik. Führende Funktionäre, wie der Württemberger Regionalpräsident und baden-württembergische LK-Vorsitzende Frank Reutter, fordern ein Verbot des „Touchierens“.

„Mir persönlich wäre es am liebsten, wenn durchgesetzt werden könnte, dass keine aktiven Tätigkeiten im Hindernisbereich durch Dritte während des Sprungs des Pferdes erlaubt sind. Damit gäbe es keine Diskussionen mehr zu Touchieren, Barren und Tierschutz“, erklärte Reutter im Gespräch mit dem Reiterjournal. „Unabhängig vom Ausgang der Beratungen der FN-Kommission zum Touchieren, bin ich der Meinung, dass der internationale und nationale Springsport hier gleichlautende Regelungen für die Ausbildung schaffen muss, die keinen fließenden Übergang zum Barren mehr ermöglichen“, erklärte Reutter und bezog sich dabei auf eine Äußerung von FN-Generalsekretär Sönke Lauterbach, der zuvor erklärt hatte, es gebe einen „fließenden Übergang“ zwischen erlaubtem Touchieren und strafbarem Barren.

Das Touchieren wird sogar in den hochoffiziellen Richtlinien für Pferd und Reiter (Herausgeber ist die FN) als Trainingsmethode beschrieben. In Teil zwei der Richtlinien wird das Touchieren unter der Überschrift „Unsauberes Springen“ beschrieben. Dort steht, es sollte ein „fachgerechtes Sensibilisieren der Pferdebeine im Sprungablauf sein“. Festgelegt ist auch, wer Hand anlegen darf: „Der die Touchierstange führende Ausbilder muss über Verständnis für die Methode, sowie über Geschick und Gefühl beim Einsatz verfügen“.

Ein Satz, der angesichts der RTL-Aufnahmen zur Farce geworden ist. „Das kann ja jeder von sich behaupten“, schüttelt Peter Bort, Springrichter, internationaler Steward und PSK-Vorsitzender in Sindelfingen, den Kopf. Wie er haben viele Reiter und Funktionäre jetzt erst im Zuge der Diskussionen erfahren, dass eine Expertengruppe der FN seit einem ganzen Jahr mit dem Thema beschäftigt ist, ohne ein Ergebnis vorgelegt zu haben – obwohl das Tierschutzthema nach den Vorfällen von Tokio im Sommer enorm an Bedeutung gewonnen haben. „Das ist wirklich ein Armutszeugnis“, findet Bort.

Seiner Ansicht nach sollte eine Erlaubnis des „Touchierens“ zumindest so lange außer Kraft gesetzt werden, bis die Kommission einen Vorschlag abgibt. Der Steward findet: „Ohne klare Vorgaben geht es im Reitsport nicht.“

Die FN-Pressestelle gibt übrigens die Namen der Experten, die in der Kommission vertreten sind, nicht heraus. Wie es heißt, sollen die Mitglieder „in Ruhe weiterarbeiten können“.

Grundsätzlich sind die Pferdeleute über die Entwicklung und die darauf folgende öffentliche Diskussion sehr verärgert. „Dies ist ein Schlag für die permanenten Bemühungen zur Verbesserung des Tierschutzes im Pferdesport und das in einer Zeit, in der es unseren Pferden überwiegend noch nie so gut ging wie heute“, findet Frank Reutter. Und  Peter Bort äußert enttäuscht: „Das wirft uns um Jahre zurück.“  (rok).

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