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Sonntag, 28.11.2021

Zum Tod von Dr. Stephan Bingel

Es ist ein trauriger Herbst für die Reiterei im Land: Wieder muss man Abschied nehmen von einer Persönlichkeit, die ihr Leben den Pferden und dem Reitsport gewidmet hat: Der Heidelberger Vereinsvorstand Dr. Stephan Bingel ist am 22. November nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren verstorben.

 

Bingel war promovierter Mediziner, aber seine zweite „Doktorarbeit“ machte er im Ruhestand, als er seine ganze Kraft und sein ausgeprägtes Verhandlungsgeschick in den Umzug und damit in die Entwicklung seines Heidelberger Reitervereins steckte, jenen Verein, in dem er schon als Student geritten ist, in dem er früh Funktionen in der Vorstandschaft hatte, in dem er die Studentenreitgruppe gründete, Turniere bis zur schweren Klasse organisierte, die Parcourschef-Prüfung ablegte und schließlich an vorderster Front um das Weiterbestehen kämpfte.

Bingel, in Heidelberg vernetzt und für seine Hartnäckigkeit bekannt, wusste schon lange, dass sein Verein am alten Standort am Neckar, eingekeilt vom Fluss, vom Tiergarten und von der expandierenden Uni-Klinik, keine Zukunft hatte.

Eine nagelneue Vereins-Reitanlage aus dem Boden zu stampfen, war höchstens am Anfang eine Option, aber nicht lange. Also ging der Vorsitzende auf Brautschau. Er war anspruchsvoll, und es brauchte ein paar Anläufe, bis es zu ersten Verhandlungen mit dem Reiterverein in der Nachbarstadt Ladenburg kam. Weil Bingel von der Stadt Heidelberg für den aufgezwungenen Wegzug und den Verlust der angestammten Anlage eine stattliche Entschädigung herausgehandelt hatte, wurde er – samt Mitgift – mit offenen Armen empfangen. Dort fand er in dem Vorsitzenden Andreas Huben einen ebenbürtigen Partner. So ist vor den Toren Heidelbergs vor jetzt sechs Jahren der Reiterverein Heidelberg-Ladenburg entstanden – eine Erfolgsgeschichte. Schon zwei Jahre nach der Fusion zu einem der größten Vereine im ganzen Land, zählte der Club den führenden Turnierveranstaltern in Nordbaden.

Ohne dieses Zusammengehen würde der Heidelberger Reiterverein heute wahrscheinlicht nicht mehr bestehen.

Beim letzten Turnier Anfang Oktober ging der Vorstand und Baumeister dieser Fusion zwar an Krücken, ließ sich aber keine Prüfung entgehen. Er hatte auch noch Pläne.

Dass er ein Vordenker war, hatte Stephan Bingel schon vorher mehrfach bewiesen. Im Pferdesportverband Nordbaden stieg er in den 80er-Jahren als Jugendwart in den Vorstand ein, zwölf Jahre belegte er das Amt des Zweiten Vorsitzenden. Bis zu seinem Tod vertrat der Dr. Stephan Bingel seinen  Regionalverband als Delegierter beim Landesverband. Dort hatte der Heidelberger den Ruf eines unbequemen und scharf analysierenden Kritikers, der gerne den Finger in die Wunde legte. Seine Kritik war meistens diplomatisch in eine Frage verpackt, das  subtile Sticheln war seine Paradedisziplin.

Es gibt noch eine ganz einzigartige Geschichte über Dr. Stephan Bingel als Schutzengel: Vor einigen Jahren auf dem Turnier in Sinsheim-Hilsbach war er als Parcourschef eingesetzt, als der Heidelberger Springreiter Rainer Engelhorn nach dem Parcours leblos vom Pferderücken glitt. Herzstillstand. Der gelernte Notfallmediziner Dr. Bingel stand im Parcours, leitete sofort eine Reanimation ein und holte den Mann zurück ins Leben.

Jetzt hat sein eigenes Herz aufgehört zu schlagen.

Die Trauerfeier für Dr. Stephan Bingel findet am Donnerstag, 2. Dezember, in der Johanniskirche in Heidelberg statt.

Roland Kern

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