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Donnerstag, 15.07.2021

Volkskrankheit Magengeschwüre: Erschreckende Zahlen

(Symboldbild) | Foto: stock.adobe.com/Christophe Fouquin
(Symboldbild) | Foto: stock.adobe.com/Christophe Fouquin

60 Prozent aller Turnierpferde leiden an Magengeschwüren. Das ist eine erschreckende Zahl. Die Hauptursachen sind eine falsche Fütterung und Stress. Am wenigsten leiden Pferde darunter, die viel Weidegang haben. In der aktuellen Ausgabe unserer Magazine Reiterjournal und Bayerns Pferde sprechen wir mit unseren Experten über Häufigkeit, Ursachen und mögliche Therapieformen.

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Zu unserem Artikel haben wir mit Expertin Daniela Gentz ein weiterführendes Interview geführt. Sie ist Produktmanagerin bei Höveler Pferdefutter und Supplemente.

Im Interview mit Daniela Gentz, Produktmanagerin bei Höveler Pferdefutter und Supplemente

60 Prozent aller Turnierpferde haben mit Magengeschwüren zu kämpfen. Der Stress spielt eine Rolle, aber auch das Futter. Welche Fehler kann man bei der Fütterung machen?

Daniela Gentz: Der größte Fehler bei der Fütterung, ist der falsche Umgang mit Raufutter. Zu wenig, zu schlechte Qualität oder auch zum falschen Zeitpunkt gefüttert. Von der Menge her, sollten die bekannten 1,5 kg Heu pro 100 kg Soll-Pferdemasse nicht unterschritten werden. Das entspricht bei einem 600 kg schweren Pferd 9 kg Heu pro Tag. Hier sollte man ruhig mal nachwiegen, was das eigene Pferd über den Tag so erhält. Wer nicht wiegen möchte, der kann sich an der Fresszeit orientieren. Ein normales WB benötigt für 1 kg Heu ca. 40 Minuten Fresszeit. Das würde bei 9 kg Heu eine Fresszeit von 6 h am Tag bedeuten. In den meisten Ställen wird 2 x am Tag Heu gefüttert, wenn die Heuportion nach schon 1 h aufgefressen ist, so sollte man hier die Menge hinterfragen.

Aber die Menge alleine macht es aber noch nicht. Da wir wissen, dass unsere Pferde 24 h am Tag Magensäure produzieren, ganz gleich ob sie Nahrung aufnehmen oder nicht, so sollte man Raufutter-Fresspausen von über 4 bis 5 h vermeiden. Hier sollte im Interesse der Magengesundheit verstärkt drauf geachtet werden, dass die Tiere auch über die Nacht genug zu fressen haben. Hier kann auch ganz gezielt mit Heucobs ergänzt und die Raufutterration gezielt aufgewertet werden. Raufutter sollte mindestens 15 Minuten vor dem Krippenfutter gegeben werden. So kann der Magen durch möglichst viel Speichel abgepuffert und auf die Kraftfuttergabe vorbereitet werden. Als Beispiel nehme ich gerne den schwarzen Kaffee auf leeren Magen, der beim den meisten Menschen Sodbrennen hervorruft. Ähnlich ist eine getreidehaltige Krippenfuttergabe auf einen „leeren“ Pferdemagen zu bewerten. Die Qualität des Raufutters muss natürlich gegeben sein. Schimmel, Dreck und Bakterien können den gesamten Magen-Darm-Trakt des Pferdes schädigen.

Und wie lassen sich Magengeschwüre vermeiden?

Daniela Gentz: Aus Sicht der Fütterung sollten oben genannte Punkte gegeben sein. Hier liegt die Basis. Bei zu wenig Raufutter durch den Stall, bei einem sehr empfindlichen Pferd oder bei Pferden die schneller fressen als andere (die 40 min Fresszeit für 1 kg Heu sind ja nur der Durchschnitt) muss zusätzlich Heu ergänz werden. Sei es durch eine dritte Heugabe, durch Heucobs, Luzernecobs oder Struktur Mix Futtern.

Das Krippenfutter/Kraftfutter sollte den individuellen Ansprüchen des Pferdes entsprechen.

Hier kann zwischen reinen Getreiderationen (Hafer, Gerste etc.), getreidereduzierten Futtern oder getreidefreien Futtern gewählt werden. Bei empfindlichen, leicht stressbaren oder vorbelasteten Pferden sollte ein getreidereduzierte oder auch komplett getreide- und melassefreie Fütterung gewählt werden. Dies Fütterung schont den Magen und kann auch präventiv gewählt werden. Es gibt sehr hochwertige getreide- und melassefreie Futter, die auch den Energiebedarf von Sportpferden mit schwerer Leistung abdecken.

Da der Magen des Pferdes im Verhältnis zu der Körpergröße klein ist, sollte bei jedem Kraftfutter die Menge beachtet werden. Hier sind die Gesamttagesmenge und die daraus erstellten Rationen von großer Bedeutung. Als Beispiel: Wenn ein Pferd 2 kg Kraftfutter am Tag erhält, so ist es ernährungsphysiologisch im Sinne der Magengesundheit besser 4 Rationen a 500 g zu füttern, als nur 2 Rationen mit 1 kg. Generell sollte die Kraftfuttermenge nicht über den individuellen Bedarf des Pferdes erfolgen – pauschale „3 x 1 Scheppe“ am Tag sind für die wenigsten Pferde wirklich sinnvoll.

Wenn das Magengeschwür erstmal da ist – wie kann man mit der richtigen Fütterung die Heilung unterstützen?

Daniela Gentz: Neben der Behandlung durch den Tierarzt kann man mit Fütterung tatsächlich kleine bis große Wunder bewirken. Zunächst sollte im Ganzen überlegt werden, was die Auslöser waren. Fütterung, Haltung, der neue Nachbar, vorhergegangene Erkrankungen mit Medikamentengabe, Schmerzen und und und? Wenn ein Magengeschwür da ist, so sollte die komplette Fütterung kritisch begutachtet werden.

Die Heufütterung sollte allen Punkten gerecht werden:

  • Hochwertige Qualität
  • Fresspausen unter 4 h
  • Mindestens 1,5 kg/100 kg Körpergewicht

Hier kann auch auf Fresszeitverlängerer, wie Heunetze, Raufen oder anderes zurückgegriffen werden. Somit wird ein hastiges Fressen verhindert und ein über den Tag längeres Kauen gefördert. Die Beschäftigungszeit des Heufressens hat nicht nur physische Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern ist auch für die Psyche unserer Pferde wichtig, denn Heufressen verringert Stress und das wiederrum ist gut für die Gesundheit. Bei der Krippenfuttergabe sollte auf getreide- und melassefreie Fütterung Umgestellt werde. Diese schont den Magen. Speziell Futter wie Pur.Gastro schützen den Magen durch die ausgewählten Komponenten zusätzlich. Die Gabe von Mash ist nicht nur schmackhaft, sondern schützt den Magen. Auch hier sollte auf eine hochwertige getreidefreie Variante zurückgegriffen werden. Zusätzliche Ergänzer zum Magenschutz können individuell ergänz werden, hier sollte man auf eine Fütterungsberatung zurückgreifen

Wie stehen Sie zu Luzerne bei Magengeschwüren? Das ist ein umstrittenes Thema…

Daniela Gentz: Ich empfinde das Thema gar nicht so umstritten. Ich bin ein großer Luzernefan. „Die Königin der Futterpflanzen“ hat nicht umsonst Ihren Namen. Diese nährstoffreiche Pflanze hat viele Vorteile für das Pferd. Bei dem Thema Luzerne und Magen geht es vielmehr darum, dass Pferde mit nicht ausgeprägten Zahnapparat durch nicht korrektes Kauen eine mechanische Reizung des Magen erfahren könnten. Dies wäre bei eine Strohhäckselfütterung dasselbe Spiel, aber keine würde auf die Idee kommen Stroh zu verteufeln.

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