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Sonntag, 18.10.2020

„Vor der eigenen Tür kehren“

In die Szene der baden-württembergischen Turnierveranstalter ist neue Dynamik gekommen, seit sich im September in Pforzheim die neue Interessensgemeinschaft Veranstalter gegründet hat. Jetzt, am Dienstag, 20. Oktober, lädt die Landeskommission die Veranstalter in den Reiterverein Leonberg ein. Das Treffen birgt ein paar durchaus spannende Fragen, vor allem jene, wie viele Veranstalter für nächstes Jahr angesichts der unsicheren Situation an ihren Turnierplänen festhalten. LK-Vorsitzender Frank Reutter hat im September davon gesprochen, dass er es für eine „Bringschuld“ hält, dass die Turnierleiter zu besseren Absprache einmal im Jahr zusammentreffen. Am Dienstag ist hierzu Gelegenheit.

Die Lage wird nicht leichter, birgt aber auch Chancen. Das findet auch Sissy Hägele aus St. Leon-Rot bei Walldorf. Die Digitalisierungsexpertin ist Turnierleiterin in Zeutern, einem der wichtigsten Dressurturniere des Landes, hat als gefragte Turniersprecherin aber auch einen Überblick über andere Veranstaltungen. Im Laufe des Jahres hatte sich Sissy Hägele mitunter auch kritisch mit der neuen Veranstalter IG auseinandergesetzt. Im Vorfeld des Treffens in Leonberg führte Reiterjournal-Redakteur Roland Kern mit ihr ein Interview.

Frau Hägele, Sie sind Turnierveranstalter, wollen aber kein Mitglied in der neuen IG TV werden, warum nicht?
Zunächst einmal bin ich Mitglied eines engagierten Teams, das  ein Turnier veranstaltet, da braucht es viele Schultern, die die große Last tragen. Wir arbeiten bereits seit Jahren vereinsübergreifend mit umliegenden Vereinen zusammen und unterstützen uns gegenseitig. 
Das passiert hauptsächlich über die Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer.  Ein Diskurs über unsere Vereins- und Turnierlandschaft ist durchaus wünschenswert und ich unterstütze dies persönlich sehr. Meine momentane Zurückhaltung ist nicht aus Prinzip und muss auch nicht für alle Zeiten gelten. Ich halte Selbstkritik für eine gute Tugend und kehre erstmal vor der eigenen Tür. Da gibt es genug zu tun. Uns wird nicht langweilig. 

Was sind denn Ihrer Ansicht nach die Probleme der Turnierveranstalter?
Die Anzahl und Motivation der ehrenamtlichen Helfer wird immer weniger und über Maßnahmen wie zum Beispiel die Beeinflussung der Startplätze, Startgelder und Co. wird es leider nicht attraktiver oder gar einfacher, ein Turnier profitabel zu veranstalten. Die Bewirtung ist ja auch seit Jahren ein neuralgischer Punkt - nicht erst seit Corona. Wer spült, kocht, steht morgens um 6 Uhr da und kocht Kaffee und macht abends das Zelt zu? 
Egal wie: am Ende fehlen helfende Hände - vor, am und noch mehr nach einem Turnier. Das ist doch schon mehr oder weniger ein gesellschaftliches Problem was auch unsere Reitvereinslandschaft schleichend erfasst hat und nachhaltig wirkt. 
  

Die IGTV nimmt durchaus eine kritische Haltung gegenüber der Landeskommission ein, ist das Ihrer Ansicht nach gerechtfertigt?
Krititk ist nie falsch. Wir waren in der Vergangenheit auch nicht alle immer einer Meinung bei verschiedenen Themen zum Beispiel bei der Ausschreibung, aber grundsätzlich konnte man das immer konstruktiv zu aller Zufriedenheit lösen. Ich nehme mir auch die Kritik der Landeskommission zu Herzen - schließlich haben wir ja auch eine Bringschuld an Informationen, aber dieser Bringschuld kommen nicht alle immer proaktiv nach. Wir wollen hier auch besser werden. Bei dem Bericht über die konstitutierende Sitzung ist mir ein Punkt aufgefallen. Warum sollen Vereine „bestraft" werden, die kein Turnier machen? Aus Sicht der rührigen Vereine verstehe ich durchaus, dass man diese Zurückhaltung im Veranstalten von Turnieren kritisch sieht - aber man sollte hier genau hinschauen und nicht nur weil ein paar Turnierreiter in einem Stall ihr Pferd stehen haben, falsche Schlüsse daraus ziehen. Viele Vereine engagieren sich ja anderweitig für die Jugend oder Menschen mit Einschränkungen. Gemeinnützig eben -  übrigens ist auch nicht jedem Pferdefreund die Gemeinnützigkeit eines Reitturniers von Anfang an klar. Auch hier muss man genau hinschauen. Wir in Zeutern bieten zwar auch für die Jugend etwas an - andere Veranstalter und Vereine machen wirklich sehr viel mehr. 
 

Wie stark verändert Corona die Turnierlandschaft?
Sehr! Ich hoffe nicht, dass das nachhaltig ist. Wenn man die "Corona"-Zeit zur Besinnung nutzt, dann begreifen hoffentlich auch wieder mehr Menschen, dass man nur zusammen etwas schaffen kann und schenken dem kleinen Ehrenamt vor Ort wieder mehr Aufmerksamkeit. Es gibt tolle Beispiele, die Mut machen und auch sicher die Turnierlandschaft verändern. Wenn alle sagen, das geht nicht und einer macht`s einfach, dann wissen alle anderen jetzt auch, dass es geht. So gehen starke Veranstalter mit gutem Beispiel voran. 

Aber es gibt Vereine, die ohne Turnier ums wirtschaftliche Überleben kämpfen.
Gerade Vereine, für die der Wirtschaftsbetrieb essentiell ist gucken dieses Jahr in die Röhre. Veranstalter, die eh schon alles „outgesourced" haben, finanzieren sich nicht unbedingt über diesen Zweig müssen aber sonst mit höheren Aufwänden rechnen, weil Hygiene eben sehr groß geschrieben werden muss. Und wie es sich am Ende rechnet, muss jeder individuell für sich entscheiden. 

Unter welchen Umständen wären Sie bereit, sich in einer Interessensgemeinschaft einzubringen?
Wozu? die IGTV ist stark besetzt - mehr Kompetenz braucht es nicht.

 

Das diesjährige Veranstaltertreffen findet am Dienstag, 20. Oktober, 18.30 Uhr im RFV Leonberg  (Tilgshäuslesweg 2, 71229 Leonberg) statt.

Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte:

  1.     Begrüßung
  2.     Rückblick auf die Saison
  3.     Terminliste 2020 und langfristiger Terminkalender
  4.     Besondere Bestimmungen 2021
  5.     Verschiedenes

Aufgrund der aktuellen Coronalage bitte die LK um Anmeldung bei Charlotte Günther (guenther@pferdesport-bw.de oder 07154 - 832815).

 

 

 

 

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